Faszinierende Menschen: Wiedersehen mit Monty Roberts in Zweibrücken Teil 1: ,,Gewalt ist nie eine Lösung!“

Hallo Ihr Lieben,

ich hatte vorige Woche das Glück, eine der wenigen lebenden Legenden persönlich zu treffen. Dieses Zusammenkommen war derart intensiv, dass ich nun, nach Sichtung von ca 200 Bildern, vielen Skizzen und Mitschriften zu dem Schluss gekommen bin, einen Dreiteiler daraus zu machen. Zusätzlich könnt Ihr gerne noch den Artikel über ihn von meinem Zusammentreffen 2009 lesen, den ich Euch hier verlinkt habe.

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Heute startet der erste Teil. Nicht nur für Pferdefans sind seine eigentlich ganz logischen Vorgehensweisen interessant, sondern für all jene, die sich Weg wie den von Monty interessieren, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, dass diese Welt ein klein wenig besser sein soll, wenn er sie wieder verlässt… Seine Philosophie der Gewaltlosigkeit zu unterstützen, die auch für das Verhalten von Führungspersönlichkeiten und bei der Kindererziehung Anwendung findet, bin ich mir wahrlich nicht zu schade. Auch und gerade deshalb, weil ich seit meinem letzten Treffen mittlerweile 6 Pferden geholfen habe, sich mit seiner Philosophie problemlos und gewaltfrei zu lieben Reitpferde zu entwickeln.  

Danke für Dein Wissen, Monty!

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Meine Stute Lissy wurde mit vielen Tricks aus seiner Trickkiste augebildet! Sie hat mich noch nie abgeworfen!

Und nun viel Spaß bei Teil 1: Übersicht,  Einführung , Vorstellung seiner genauen Vorgehensweise am Beispiel  eines Norwegers, der innerhalb 20 Minuten problemlos einen Reiter auf seinem Rücken toleriert, obwohl vorher noch nie ein Mensch auf ihm gesessen hat!

( freut Euch nächste Woche auf Teil 2: Angst vor der Schermaschine, persönliches Treffen mit Monty, der Puschel-Tinker mag den Hufschmied nicht… und dann folgt noch

Teil 3: Zwei Pferde hassen den Pferdehänger, verfeinertes Vorgehen beim Verladen mit neuen Tricks, Ausblick)

Teil 1

Einführung:
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Genauer Beobachten von allem, was um ihn herum passiert und dabei locker zu sein, als mache er einen Spaziergang im Park ist immer noch ein hervorstechendes Merkmal seiner Persönlichkeit

Vielleicht erinnert Ihr euch an meinen Artikel über Monty Roberts und meine Erlebnisse mit ihm! Durch Zufall bekam ich mit, dass er sich erneut in unserer Gegend aufhalten sollte. Der Cowboy aus Montana“, wie er sich selber gerne bezeichnet, ist mittlerweile 82 Jahre alt und tourt noch immer durch die Gegend, um seine Lehre mit dem Kernsatz ,,Gewalt ist nie eine Lösung“ über den Kontinent zu verteilen. Ich weiß nicht einmal, warum ich in meinem Innersten so stark den Wunsch verspürte, ihn noch einmal zu sehen.  Eigentlich kenne ich seine Vorgehensweise mittlerweile in- und auswendig. Aber was mich fasziniert und zu ihm treibt, ist sein Charisma, dieses Wissen, dass dieser Mensch in seinem Leben Unglaubliches geleistet hat und er zu den wenigen echten ,,Gutmenschen“ gehört, die die Welt hervorgebracht hat! Bin ich ein FAN? Hmm. ,,Fan“ hat mit ,,fanatisch“ zu tun. Nein, das bin ich nicht. Aber wenn ich von irgendeinem Menschen in der Welt sagen kann, dass ich ihn wirklich aus tiefsten Herzen bewundere, dann ihn. Er widmet sein Leben mit allen Fasern seines  Seins der einen Sache, bleibt dabei tolerant und gutmütig. Ach ja und – er ist seit SECHZIG ! Jahren mit seiner Frau zusammen…

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Die ganze Vorstellung gelang es ihm, dass in der Halle ein Atmospäre herrschte, in der sich jeder wohlfühlte! Dazu trug bei, dass er immer wieder die Interaktion mit dem Publikum suchte .

Seine Lehren sind  mittlerweile auf der ganzen Welt bekannt. Dabei werden seine psychologischen Erkenntnisse und daraus abgeleiteten Methoden nicht mehr nur für Pferde angewendet, sondern auch in der Kindererziehung, für die Ausbildung von Managern, im Personalmanagement, ja, auch bei anderen Tieren und noch vielem mehr. Sogar die CIA hat sich seinen Rat für die Vorhersage menschlichen Verhaltens  z.B. von Terroristen eingeholt… Wer sich näher dafür interessiert, findet im seinem Buch: ,,Das Wissen der Pferde“ Erkenntnisse aus diesen Gebieten.

An jenem Abend seiner Vorstellung am 21.4.2016 jedoch ging es ausschließlich um das Lösen von Problemen mit Pferden. Dabei war es ihm heute besonders wichtig, auch seine von ihm ausgebildeten sogenannten  ,,Instruktoren“ vorzustellen, die ihm bei seinen Shows behilflich waren und teilweise auch auf seiner Farm in Kalifornien unterrichteten. Immer wieder betonte er, dass er wollte, dass sie besser würden als er… Diesbezüglich zeigte er sich zuversichtlich und irgendwie hatte ich das Gefühl, das es das letzte Mal sein würde, dass ich ihn sehen würde, als er dem Publikum in seiner unterhaltsamen Art von seinem zugegeben grandiosen Lebenswerk und seine Verbindung zur Queen, die übrigens an diesem Tag Geburtstag hatte, erzählte. dabei wurde er heute wieder simultan von einer seiner Instruktorinnen übersetzt, allerdings  erheiterte er das Publikum diesmal mit ein paar drolligen Wörtern auf deutsch…

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Weil ich nicht weiß, wie oft ich ihn noch in live erleben kann, ist es mir wichtig, Euch, so frisch im Gedächtnis, noch einmal sein Vorgehen zu schildern. Ein Schlüssel zur Lösung vieler Probleme stellt das sogenannte Dually-Halfter dar, bei dem ein zusätzlicher Stick über die Nase durch ein Ring hindurch mit dem Führstrick verbunden wird, sodaß durch leichten Zug Druck auf die Nase erzeugt  wird. Das Pferd tut nun nichts anderes, als das Verhalten zu favorisieren, bei dem möglichst wenig Druck auf dem Dually Halfter lastet. Außerdem möchte ich Euch auch berichten, wie er seine Methoden verfeinert hat… So hatte er eine große Studie  durchgeführt, bei der er herausgefunden hatte, dass der ausschlaggebende Faktor zur Beruhigung der Pferde die eigenen Herzfrequenz ist. Demzufolge hatte er gelernt, mittels Zwerchfellatmung seine eigene Pulsrate zu senken. Seit er auf diesen Zusammenhang gestoßen war, hätte er noch schneller Erfolge bei seinen Methoden erzielen können…

Aber lasst mich nun die verschiedenen vorgestellten ,,Problemfälle“ und deren Lösungen der Reihe nach erzählen

Fall 1: Gewöhnung an den Reiter

Das erste Pferd, das in den Ring gebracht wurde, war ein hübscher Knuddel-Norweger. Er sollte ,,gestartet“ werden. Damit meint man, dass dieses junge Tier zum ersten Mal in seinem Leben einen Reiter auf seinem Rücken spüren und von ihm Befehle tolerieren würde!

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Zuerst wurde jedes Pferd ein wenig im sogenannten ,,Round Pen“ herumgeführt, um sich an die Situation zu gewöhnen.
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Dann wurde es freigelassen und links und rechtsherum ,,gejagt“, indem eine Longe nah hinten an dem Pferd geworfen wurde oder mit dem Geräusch, welches durch das Schlagen der zusammengefalteten Longe gegen den Oberschenkel entstand. Indem sich der Mensch sich frontal zum Pferd großmachte, seine Hand nach oben hob und öffnete und ihm dabei in die Augen blickte, jagte er das Pferd von sich weg… Wenn es dann lief, wurde der Druck zwischenzeitlich immer wieder etwas zurückgefahren…

Als das Pferd brav eine Weile im Kreis in beide Richtungen gelaufen war, begann es, das Tempo zu verlangsamen… und die vier Zeichen stellten sich nach und nach ein, die darauf hindeuten, dass das Pferd bereit ist zum sogenannten Join up:

  1. Inneres Pferdeohr richtet sich auf den Menschen
  2. Verkleinern des Zirkels
  3. Senken des Kopfes
  4. Lecken und Kauen

Danach lud Monty das Pferd ein, zu ihm zu kommen. Dies geschah dadurch, dass er die Hand zur Faust schloss und dem Pferd die Schulter zudrehte, dabei den Arm an den Körper heranführte und dabei mit einer leichte Beugung des Oberkörpers und Wegschauen signlisierte, dass er das Pferd nicht ,,angreifen“ würde… Das Pferd kam dann in jedem der vorgestellten Fälle alsbald zu ,,seinem“ Menschen und folgte ihm. Das ,,Join up “ war vollzogen und das Pferd bereit für weitere Schritte!

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Monty führte das Pferd nochmals herum, richtete es rückwärts, dann wieder vorwärts bis es geduldig kooperierte. Folgte es willig, ließ er die Longe ,,lächeln“, sprich durchhängen, das Dually-Halfter lockerte sich. Widersetzte es sich, spannte die Longe an, dadurch war das Halfter wieder straffer. Dabei sprach er mit beruhigender Stimme mit dem Publikum. Der Norweger schaute zwar dann und wann interessiert in die Runde, blieb aber trotz der doch recht ungewohnten Situation doch relativ ruhig und gelassen. Zwischendrin wurde er immer wieder ,,zur Belohnung“ gestreichelt.
Monty Roberts
Er touchierte das Pferd nun überall. Einerseits testete er so die Empfindlichkeit, andererseits bereitete er es so auf die multiplen Berührungen, die folgen würden, vor…
Monty Roberts und Instruktoren
Danach wurde das Pferd mit einem flexiblen und leichten Renn-Sattel gesattelt, der mit einem Brust -und einem Sattelgurt befestigt wurde. Die ganze Zeit über herrschte eine ruhige, entspannte Atmosphäre und das Pferd wurde auch hierbei immer wieder gelobt.
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Anfangs legte der Reiter sich nur kurz über das Pferd, danach wurde die Phasen mit ,,Reitergewicht“ immer länger, bis dieser von Monty auf das Pferd gehoben wurde und sehr locker im Sattel saß und sich in die Bewegungen einfühlte. Nach kurzem Führen ließ Monty das Pferd schließlich los…
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… das Pferd buckelte nicht und schien auch keine große Angst vor dem Reiter zu verspüren. Dieser begann es zu lenken und sogar Rückwärts zu richten! Alles klappte wirklich wie am Schnürchen! Nach ein paar Runden stieg der Reiter wieder ab. Nachdem das Pferd hinausgeführt worden war und die Besitzerin ihrem Erstaunen und ihrer Dankbarkeit Ausdruck verliehen hatte, applaudierte das Publikum kräftig!
So, Ihr Lieben! Nun wünsche ich Euch einen wunderschönen, friedlichen, erlebnisreichen, entspannten Sonntag, bis bald auf meinem Blog! Nächste Woche geht es weiter mit einem neuen, sommerlichen  ,,Look of the Week“ und dem zweiten Monty-Roberts-Teil! Ihr dürft gespannt sein!

 

 

 

Verfasst von

Ich bin jemand, der meist positiv und neugierig durchs Leben spaziert. Mich fasziniert das Alltägliche wie auch das Besondere und ich bin dankbar, mich mit den schönen Dingen des Lebens wie mit meiner Familie, Pferden und Hunden, Natur und Medizin beschäftigen zu dürfen. Ich bin eine kleine Fashionista und schreibe und zeichne gerne .. Diese Themen lebe ich auch auf meinem Blog ,,Salutary Style" aus... Hello, I´m a girl with lot´s of interests: Not only fashion, beauty and lifestyle but also family, animals, medicine , writing, reading and riding.

8 Kommentare zu „Faszinierende Menschen: Wiedersehen mit Monty Roberts in Zweibrücken Teil 1: ,,Gewalt ist nie eine Lösung!“

  1. Der legendäre Monty Roberts, der Mann mit dem Beinamen „Pferdeflüsterer“, an den sich so viele angehängt haben und jetzt Hundeflüsterer, Katzenflüsterer usw heißen. Ich habe damals seine Methoden beobachtet und alles gesehen was es zu sehen gab. Seine Philosophie ist wirklich einfach, denn er versucht dem Pferd zuzuhören um ihm dann helfen zu können. Sehr guter Mann und danke für Deinen Artikel liebe Nessy!

    1. Ja, da hast Du das Wichtigste fabelhaft zusammengefasst! Aber ganz soo einfach ist es natürlich nicht! Wenn man bedenkt, wieviel Zeit er in der Natur mit den Pferden verbracht hat und wie lange er gebraucht hat, um diese Fähigkeiten zu entwickeln, damit er wirklich in ihrer ,,Sprache“ agieren kann, wird klar, dass es doch ein wenig mehr braucht… Ich schaffe es bis heute nicht, alle Pferd zu verladen, wenn auch die meisten, wobei ich natürlich weder kompetente Hilfe noch das ganze Equipment mit den wandelbaren Zäunen etc. habe! Das Geniale, das auch in der Kindererziehung und bei der Personalführung gilt, ist die Tatsache, dass unerwünschtes Verhalten schlicht unattraktiv gemacht wird, gewünschtes angenehm. So kann man dem Wesen immer die Wahl lassen… Alles Liebe Dir

      1. Guten Morgen Schlaflos 😉 Natürlich hat er Pferde sein Leben lang beobachtet um diese zu verstehen, aber er war der Erste der sich die Mühe gemacht hat und sich nicht einem Tier aufgedrängt hat, damit es macht was man will. Das ist eine außergewöhnliche Leistung!

  2. Hi, das ist sehr liebevoll dargestellt. Ich war auch dort und fand seine Art wirklich toll. Ich habe ihn zwei Tage später nochmal in Darmstadt gesehen und das war noch beeindruckender. Die Pferde waren „schwieriger“ und die Erfolge noch deutlicher. Ich kenne auch niemanden seines Alters, der so lange am Stück arbeitet, für Pferde und Interessierte Auge und Ohr hat und dann auch noch bis zum letzten Moment Autogramme gibt und für Fotos bereit steht. Auch die Instructors machen einen guten Job und stehen für Fragen bereit. Ich bin gespannt, wie ich mit dem Dually-Halfter zurecht komme. Mach weiter so. LG JuWel

    1. Hallo JuWel! Zunächst einmal herzlich willkommen auf meinem Blog! Toll, dass Du auch so schöne Erfahrungen mit Monty gemacht hast! Und vielen Dank, dass Du meinen Artikel mit soviel Sachverstand würdigst! Ich habe mit dem Dually Halfter sehr gut Erfahrungen gemacht, auch wen ich es etwas zu groß gekauft habe (blau). Das wäre eher für Kaltblüter…
      Viele liebe reiterliche Grüße und noch viel Freude, bei allem was Du tust… Nessy

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