Short Story/Lifestyle 4. Teil – Ein mysteriöses, romantisches Posthäuschen in Frankreich – unser erstes Familiendomizil…

Hallo Ihr Lieben,

willkommen zu dem von Euch lang erwarteten vierten und letzten Teil der Geschichte unseres alten, französischen Spukhäuschens, dass unser Leben und unsere Denkweise ganz schön auf den Kopf stellen sollte…

Teil 1 könnt Ihr , wenn Ihr möchtet, hier nachlesen, Teil 2 hier und Teil 3 hier!

Was bisher geschah:

Unsere junge kleine dreiköpfige Familie war auf der Suche nach ihrer ersten eigenen Immobilie, als mir in der Zeitung ein schnuckeliges altes französisches Künstlerhäuschen auffiel, das schon auf dem Bild eine geradezu magische Anziehung auf mich ausübte… Und in der Tat, es war ein kleines Juwel. Im toskanischen Stil liebevoll mit vielen romantischen Besonderheiten renoviert, schien es tatsächlich unsere Wunschimmobilie zu sein… Aber leider scheiterte unser erster Versuch, das Häuschen zu erstehen, aus pekuniären Gründen und so hatte wir die Hoffnung auf diesen Traum schon aufgegeben. Dann, plötzlich und unerwartet, tauchte es ein paar Monate später wieder zu einem wesentlich günstigerem Preis  im Immobilienteil unseres Anzeigenblattes auf!

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Schon bei der Besichtigung waren uns ein paar Ungereimtheiten aufgefallen, für die wir aber eher die Künstlerseele der Vorbesitzer verantwortlich machten denn einen Geist… Allerdings geschahen schon in der ersten Nacht, als meine Tochter und ich dort übernachteten, seltsame Dinge…  Aus dem Schlaf heraus  hörten wir plötzlich ein schauriges Wimmern… Ich packte meine Tochter  auf meinen Arm, um mit ihr auds dem Haus  zu flüchten… um später mit meinem Mann bei Tageslicht in ein natürlich völlig unauffälliges Haus zurückzukehren. Ich zweifelte schon an meiner Wahrnehmung, aber schon in der kleinen Bäckerei, in der ich das Frühstück besorgen wollte, hörte ich erneut Hinweise von der Bäckersfrau und dem früheren Gärtner des alten Häuschens namens Karl darauf, dass dort nicht alles mit rechten Dingen zugehen würde… Da wurde mir das Ganze so langsam wirklich unheimlich! Eigentlich unvorstellbar, aber konnte etwa eine tote Seele vielleicht wirklich Dinge heraufbeschwören oder Laute hervorbringen?

Ende Teil 3:

Der Springbrunnen plätscherte gemütlich vor sich hin und ich hatte kaum die Kaffeemaschine angeworfen und liebevoll die leckeren Croissants und ein echtes französisches Baguette, das den deutschen Nachbau geschmacklich um Längen übertrumpft, auf den hölzernen Terrassentisch drappiert, da klingelte schon jemand Sturm. Verwundert öffnete ich die Türe…

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Immer wenn es das Wetter und die Zeit zuließ, nahmen wir die Mahlzeiten hier draußen ein!

Teil 4:

Eine  fröhlich-energisch wirkende, ,,junggeblieben“ Dame, mit grau-blonden, perfekt ondulierten Haaren, deren genaues Alter schwer zu schätzen war, stand mit einer verführerisch duftenden Mirabellen-Tarte in den Händen im Türrahmen.

,,Bonjour Madame, je suis Marie-Christine, la voisine. J´habite dans cette belle maison  derrière la clôture de votre jardin, là-bas… Oddr sellet mr liwa ditsch redda?“ 

Verdutzt schaute ich die freundliche Dame an und stotterte:,, Ähm, bonjour, oui, si vous voulez, ähhh, ja…“

Der Rest der Unterhaltung werde ich Euch in hochdeutsch schreiben, da das Lothringer Platt zuweilen doch etwas anstrengend sein kann… Obwohl ich mich an diesem ,,isch wollt nur sahn dass“ – (=,, ich wollte nur sagen, dass“), mit dem die Nachbarn meist ihre Konversation begannen, wenn sie uns besuchten, nicht satthören konnte. Aber kommen wir zurück zu jenem ersten Besuch unserer Nachbarin, dem noch viele folgen sollten…foto-1-kopie-8-4

,, Ich wollte mich einmal bei ihnen vorstellen und habe eine Tarte gebacken…“ Während dieser Worte  drückte sie sich einfach an mir vorbei und ging schnurstracks auf das Haus zu. Mist! Ich dachte an die ganze Unordnung und die vielen Spinnen … Ich musste sie unbedingt vor dem Eintreten  in dieses Grusekabinett im wahrsten Sinne des Wortes hindern! ,, Warten Sie bitte, Marie -Christine, wir waren gerade dabei , im Garten zu frühstücken!“ Verdutzt schaute sie sich um und dabei entdeckte ich in ihrem Gesicht wieder den gleichen Ausdruck aus Mitleid und Sorge, der mir heute früh schon bei der Bäckersfrau aufgefallen war. Wahrscheinlich wußte auch sie um der Geheimnisse des Hauses…Wahrschenlich dachte sie, ich ließe sie deshalb nicht ins Haus? Bei dem Gedanken kräuselte sich meine Stirn in Falten –  Würde  auch sie mit irgendwelchen geheimnsvollen Andeutungen oder  Halbwahrheitenankommen? Oder konnte  sie gar etwas zu Klärung beitragen ? Oder ging jetzt meine Fantasie mit mir durch?                                                  !

Ich zwang mich, dererlei Gedanken zur Seite zu schieben und mich an dem reichhaltig gedeckten  Frühstückstisch zu setzen… Dann tranken wir gemütlich unseren Kaffee und genossen ein ausgiebiges Frühstück, während die Wärme der Sonne unsere Körper angenehm durchdrang. Es war ein zauberhafter Frühlingsmorgen und wunderschöne, zum Teil auch recht seltene Blumenarten waren an verschiedenen Stellen des Gartens aus dem Erdreich hervorgekrochen um sich ebenso wie wir an den ersten warmen Sonnenstrahlen zu ergötzen..

Die Pyramide lag als stummer Zeitzeuge einer vergangenen Ära verlassen da  und nur eine alte Champagnerflasche deuteten auf die Ereignisse hin, die hier einmal stattgefunden hatten… Meine Tochter erkundetet fröhlich mit ihren Stofftieren den Garten – natürlich hatte sie sich schn kurz nach unserem Bäckereibesuch über die Köstlichkeiten hergemacht…

Marie-Christine Drechsler, eine Lehrerin im Ruhestand, war eine ausgezeichnete Tarte-Bäckerin, die viel zu erzählen wußte! Und nachdem sie ihre Neugierde bezüglich meiner Person und unserer Familie durch zugegebenermaßen geschickt Fragen  gestillt hatte, fing sie an, zu erzählen. So lehnte ich mich einfach zurück und lauschte ihren plätschernden Worten …

Sie berichtete von der schweren Zeit nach dem Krieg und  wie Mme Richaud den kleinen Claude, nachdem sein Vater gefallen war, erzogen hätte und wie die junge Mutter in dem Nobel-Restaurant ,,L´Hasadeur“ immer hart  gearbeitet hatte- damit das Geld gereicht hätte .. Und manchmal habe dann auch sie auf den kleinen Claude aufgepasst.. ,,Aber man hilft ja, wo man kann!“ fügte sie hinzu und biss dabei mit gesundem Appetit und einem Krachen in ein Stück Baguette, sodaß ein glitschiges Stück von der Gurke, die sie vorher zusammen mit einem Würfelchen Käse darauf drapiert hatte, auf die Tschdecke  flog… Und weiter ging ihr Mundwerk wie eine Maschine, die man angeworfen hatte und die nun immer weiter ratterte! So erzählte sie, dass die Veuve viel gelitten hätte, aber ihr wäre immer wichtig gewesen,  ihrem Sohn die schönen Dingen des Lebens wie Kunst und Literatur nahe zubringen…

,, Tja“, die Lehrerin seufzte  – und  unwillkürlich spannten sich meine Muskeln an, denn irgendwie ahnte ich, dass sie nun, nachdem sie sich warm geredet hatte,  auch über die ..nicht alltäglichen“ Details  reden würde. Doch just in diesem Moment begann der Tisch erst unmerklich, dann doch deutlich wahrnehmbar, zu vibrieren! Das Gurkenstückchen, das gerade  gelandet war, glibberte hin und her –  Mir blieb der Mund offen stehen! Meine kleine Tochter, die gerade fröhlich auf der Schaukel geturnt hatte, kam angelaufen. ,,Mami, was war das?“ Einen Moment lang fehlten mir die Worte…

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Auch im Winter hatte der Garten einen unwiderstehlichen Charme…

Marie-Christine jedoch packte das Gurkenstückchen zurück auf ihr Baguette, um es dann endgültig in ihrer großen ,,Kauöffnung“ verschwinden zu lassen…

Mit vollem Mund erklärte sie: ,,Das ist das lästige an dem Grubenbeben! Irgendwo stürzt ein Stollen ein, und hier gehen, wenn man Pech hat, die Gläser kaputt!“ Fragend sah ich sie an. Grubenbeben? Was war das denn? Das hatte ich ja noch nie gehört!

Doch die Lehrerin dozierte schon weiter. Als sie den Mund öffnete, kam das Gurkenstück wieder zum Vorschein… ,,Vielleicht wäre es doch besser, sie würde erst kauen“, schoß es mir durch den Kopf.

Doch Marie-Christine plauderte munter weiter: ,, Hier in Lothringen und im westlichen Saarland gab es bis vor wenigen Jahren noch viele offene Gruben, in denen vor allem Kohle abgebaut wurde. Schon die Kelten hatten die Kohle der Region für die Herstellung von Schmuck verwendet, allerdings wurde erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts  organisierter Bergbau betrieben. Die Blütezeit erlebte der saarländische Bergbau in der Zeit der Industrialisierung und dem Aufkommen des Güterzugverkehrs ab 1850. In der Nachkriegszeit setzte eine allmähliche Rückentwicklung der Montanindustrie ein. 2008 gab es nur noch ein aktives Steinkohlenbergwerk, das Bergwerk Saar(Anmerkung Nessy: Dieses wurde übrigens 2012 geschlossen!) Die Gruben , die sich hier ganz in der Nähe befinden, stürzen nun nach und nach ein. das spürt man an diesen ,,Grubenbeben“, weshalb auch viele der Häuser in der Gegend Risse aufweisen!“ 

Aha, also zumindest dafür war keine Veuve Richaud verantwortlich. Trotzdem spürte ich just in diesem Moment wieder diesen kühlen Hauch…  Ich sah mich um, doch abermals entdeckte ich … nichts. Meine, Tochter, die der Erklärung kurz zugehört hatte, widmete sich wieder ihren Stofftieren und ihrer Schaukel und auch sonst schien alles normal zu sein. Bei dieser Gelegenheit suchte ich an unserem neu erworbenen Häuschen gleich nach etwaigen Gruben-Rissen, doch – Gott seis gedankt –  konnte ich zumindest an dieser Seite keine Beschädigungen entdecken. Aber halt, war da hinter dem Fenster nicht etwas zu sehen gewesen? Für den Bruchteil einer Sekunde meinte ich, dass  dort oben hinter dem Glas ein  helles Gesicht aufleuchtete… Sofort stand ich auf. Ich würde der Sache auf den Grund gehen! Jetzt!  Eine Entschuldigung  murmelnd, verließ ich unser Kaffeekränzchen und kaum war im im Haus, eilte ich in Windeseile die Treppe hinauf, sodaß die Spinnen erbost auseinander stoben. Doch so gründlich ich auch alles durchsuchte, Ich fand wieder einmal…nichts.

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Einen Moment setzte ich mich auf die Treppe. ,, Jetzt überlege einma gut, Nessy,“ sagte mein Über-Ich zu meinem Ich,  ,,was du eigentlich an Fakten hast!

,,Da wären Andeutungen der Künstlersgattin Giselle – ohne einer wirklichen Aussage, ebenso von der Bäckersfrau, die davon geredet hatte, dass der Veuve wohl keine Freundin ihres Sohnes gepasst habe, aber dass Gisele anders gewesen sei… dann konkretere Hinweise des Gärtners Karl, der glaubte, dass die Veuve nur einmal ,,ihren Spukkram losgelassen habe“ und damit die ersten Hauskäufer verjagt hätte….Und, was am schwerwiegensten war, das Gewimmer in der Nacht… Was natürlich sehr gruselig war, weil völlige Dunkelheit herrschte,dann die Spinne aufgetaucht ist und dich dann noch dein eigenes Spiegelbild erschreckt hat!  Die Pyramide mag zu sonstwas gedient haben, muß aber nicht mit diesen angedeuteten Vorfällen in Zusammenhang stehen, ebensowenig wie die Tatsache, dass es hier ab und zu etwas zugig ist!“ Ich würde nun einfach Marie-Christine fragen, was sie von der ganzen Sache hielt. Immerhin war sie Lehrerin und lebte schon lang genug in direkter Nachbarschaft der Familie Richaud und kontaktfreudig und neugierig schien sie auch zu sein! Außerdem hatte sie vorher auch so komisch geguckt, als wir nicht ins Haus gingen…

Als ich meine doch etwas obskure Story erzählte, verzog die ältere Dame keine Miene, aber ihre Augen blickten wach und aufmerksam. Erst als ich schon eine ganze Weile geendet und sie mich nachdenklich angesehen hatte, ergriff sie meinen Arm, beugte sich zu  mir. Doch anstelle der aufklärenden Worte, die ich mir eigentlich erhofft hatte, flüsterte sie in einem verschwörerisch klingendem Ton: ,, Die alte Veuve hatte ihnen das Leben nicht gerade leicht gemacht. Giselle hat sehr unter ihr gelitten. Die Alte hat hat zuerst versucht, zu verhindern, dass sie einzieht und später auch, dass die beiden heirateten. Da berichtete mir Giselle eines Tages, dass sie das Gefühl habe, dass es im Haus spuke… Die Veuve tat anfangs sehr besorgt um dieFreundin ihres Sohnes und versuchte ihm weiszumachen, dass sie professionelle Hilfe benötige, doch Claude kümmerte sich liebevoll um Giselle und wollte davon nichts wissen…

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Nun ja, es war auch wirklich viel für das arme Ding und  erst glaubte ich, dass sie ein wenig überspannt war, wenn ich sie dann und wann so panisch schreien hörte… Bis ich es eines nachmittags selbst Zeuge solch eines Spukes wurde… ich war gerade im Garten, um meine Stecklinge auszusetzen, da hörte ich dieses seltsame Gewimmer,, nicht laut aber doch wahrnehmbar. Kurz darauf kam Giselle, völlig hysterisch,  in den Garten gerannt, warf sich in meine Arme und schluchzte. Claude und seine Mutter waren an diesem Tag nicht zuhause, so lief ich beherzt mit ihr ins Haus – aber das Geräusch war weg und finden konnten wir auch nichts Auffälliges.

Aber etwas Gutes hatte die Sache doch! Nachdem ich Claude erzählt hatte, was ich gehört hatte, wurde seine Beziehung zu Giselle noch enger und er schenkte seiner Mutter immer weniger Beachtung. Sie hingegen wurde  nach und nach immer verbitterter, als sie sah, wie fröhlich die beiden waren. Auch ließ Claude Giselle kaum noch alleine, und komischerweise wurden auch die Spukauftritte immer weniger…

Die alte Veuve jedoch hatte mit einer angegriffenen Gesundheit zu kämpfen und lag oft nur noch grießkrämig im Bett. Ich versuchte, mich ein wenig um sie zu kümmern, schließlich kannten wir uns schon so lange und früher hatten wir auch schöne Zeiten erlebt…

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Die Kammer der Veuve vor der Renovierung

,,Ich war wieder einmal hinaufgestiegen in ihr Mansardenzimmer mit der hübschen Dachgaube, von der man eine wunderschöne Aussicht über die ganze Stadt genießen kann –  bis hinauf zu den Spicherner Höhen, wo heute noch ein Denkmal an die vielen gefallenen Soldaten des deutsch-französischen Krieges  1870/71  erinnert.“  Marie-Christine sah mich, wie immer, wenn sie etwas Lehrreiches von sich gab, beifallsheischend an – Ihr steckte die Lehrerin nun einmal noch immer in jedem einzelnen ihrer nicht mehr ganz frischen Knochen…, bis sie, nachdem ich zustimmend genickt hatte, ganz in ihrem Element,  fortfuhr:,, Da erzählte sie mir doch tatsächlich, dass sie mir etwas berichten müsse, was sie selbst nicht für möglich gehalten habe!“ Sie machte eine kunstvolle Pause, in der sie sich umständlich mit der Gabel ein  neues  Gurkenstückchen aus dem Glas fischte. Kaum hatte sie es aufgespießt, verließ das grüne Ding die Gabel wieder bei dem Versuch, es aus dem Glas zu befördern. Erst nachdem  ihre offensichtliche Leibspeise nach mehreren mißglückten Versuchen  in ihrem Mund gelandet war, fuhr sie fort: ,,Stellen sie sich vor, sie behauptete, dass es  hier tatsächlich spuken würde! Sie habe es mit eigenen Augen gesehen, wie  hier oben seltsame tanzende Lichter durchs Zimmer schwirrten und dann verschwinden würden… Sie habe ja wirklich geglaubt, Giselle sei verrückt, was sie übrigens trotzdem nicht ausschließen könne, aber die Geister-Lichter, die seinen dagewesen…Ehrlich gesagt, wußte ich in dieser Situation nicht, was ich von der ganzen Sache halten solle! Das war schon alles sehr seltsam!

Nun ja, kurze zeit später verstarb sie. Claude erzählte mir das so:  er habe sich gerade mit Giselle in  der Pyramide aufgehalten …“ und dabei rollte  die alte Dame mißbilligend mit den Augen, als sei sie über dieses ,,Gartenhaus“ nicht gerade begeistert, ,,… da hätte er ein furchbares Geschrei gehört. Schnell sei er zu seiner Mutter geeilt, die die Augenweit aufgerissen gehabt und mit dem Mund wie ein Fisch nach Luft geschnappt hätte !Ihre letzten Worte seien gewesen:,, Die Geister-Lichter waren wieder da…“ !

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Wie auch immer, jedenfalls haben die beiden dann geheiratet und haben das Haus hier verkauft… Ich weiß nur, dass die Leute, die vor ihnen das Haus erworben haben, noch nicht richtig eingezogen waren, als der Kauf ,,aus unbekannten Gründen rückgängig gemacht wurde.“

Marie-Christine lehnte sich zurück und schnaufte tief durch, ,,So, mehr weiß ich auch nicht! Sind noch von diesen leckeren Gürkchen da?“ Auch später noch hatte ich übrigens immer ein Glas dieser Sandwich-Glibber-Gurken im Haus, die sie so liebte… Aber das nur nebenbei.

Nachdem ich nun noch mehr Hinweise  auf die mit dem gesunden Menschenverstand doch nicht ganz nachvollziehbaren Vorgänge in diesem Haus bekommen hatte, war mir klar, das es an der Zeit war, die Dinge in professionelle Hände zu geben! So konnte das nicht weitergehen!  Andeutungen, Schrecksekunden, Unsicherheiten… Da wurde man ja selbst mit der Zeit ganz verrückt! Nein, diese Schicksal würde uns nicht widerfahren!  Dies war unser tolles Häuschen und das würde ich mir nicht von einem doofen Geist oder sonstwas wegnehmen lassen!

Es gab zu der Zeit noch kein Internet, also nahm es eine Zeit in Anspruch, genauer gesagt, exakt zehn Tage, bis ich  den ,,Lehrstuhl für parapsychologische Erscheinungen der Universität Freiburg“ ausfindig mach und eine kleine Truppe,,Geisterjäger“ bei uns eintraf!

Sie hatte ihre Gerätschaften in fast allen Räumen positioniert, damit konnten sie unter anderem  Änderungen der Temperatur,hoch- und tieffrequente Wellen und Veränderungen der magnetischen Eigenschaften messen, wie sie erklärten.

Meine kleine Tochter hatten wir zu den Großeltern gebracht, sodass sich alle ganz und gar auf da bevorstehende Experiment konzentrieren konnten. ,,Leider“ war in den letzten Tagen nichts mehr passiert, doch die Fachmänner gaben sich zuversichtlich … Wenn da was ist, finden wir dass und wir haben immerhin eine Aufklärungsquote von 68,9%! “

Irgendwie wußte ich nicht, ob das jetzt eher gut der schlecht war…

Alle waren wir sehr erwartungsvoll… Ich war so aufgeregt, dass ich am Abend kaum in den Schlaf finden konnte. Zuviele Gedanken gingen mir durch den Kopf! Die drei Männer hatten sich im Eßzimmer niedergelassen und  im Halbschlaf drangen Gesprächsfetzen an mein Ohr .. ,,Glaubst du, das da was ist?“ -,,Weiß´ nicht, durchgeknallt scheinen sie nicht gerade zu sein, aber das ist schon starker Tobak!“…. Dann unterbrach  ein starkes Rauschen der Geräte das genaue Verständnis und ich hörte nur noch ,,…die Pyramide vornehmen!“…. – diesen Karl… nicht geheuer…!“ bevor mich Morpheus Arme umhüllten.

Nach einer Nacht, in der ich dann doch noch so gut wie lange nicht mehr geschlafen hatte, ging ich erwartungsvoll nach unten. Doch die Männer lagen noch im tiefen, wohlverdienten Schlaf bis auf den jüngsten der Truppe, Phillip, der bereits im Garten unter der Pyramide seine Turnübungen absolvierte. Ich stand im Türrahmen und sah dem nicht gerade unattraktiven Mann zu, wie er mitten in der Pyramide einen Handstand machte… Er nahm Schwung und … in diesem Moment ging ein Lichtblitz von dem Pendel aus, das er mit seinen Füßen berührt hatte. Tanzende Lichter reflektierten an der Mauer entlang…Die Morgensonne hatte das Amethyst-Pendel getroffen …in meinem Kopf arbeitete es…Oh je ! War es… konnte es sein, dass…wenn die Sonne von einem anderen Winkel kam …Wie war das im Physikunterricht? Würden sie,  je nach einfallendem Winkel,  vielleicht das Fenster oben treffen?  War das eventuell der helle Fleck, den ich hinter dem Fenster gesehen hatte und der gleich darauf wieder verschwand? Und  die Geister-Lichter der Veuve?… Giselle und Claude hatten zur gleichen Zeit in der Pyramide… vielleicht das Pendel bewegt … absichtlich oder unabsichtlich … und die Sonnenstrahlen ihren Weg ins Zimmer der Veuve gefunden…  WOW! Sollte die Lösung des Problemes tatsächlich so simpel sein? Aber was war mit dem Gewimmer?  Und – steckte womöglich Absicht dahinter? Mußte man den Kristall an dem Pendel bewegen oder wurden die Reflektionen auch so ausgelöst, vielleicht auch durch Wind…?

Mein Forschergeist war geweckt. Ich spürte, dass wir kurz vor der Lösung des Problems standen. Aber das Puzzleteil der komischen Geräusche fehlte noch und auch meine soeben gewonnen Theorie musste noch überprüft werden!

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Als erstes weihte ich Phillip in meine neuen Erkenntnisse ein… Ich hatte tatsächlich recht! Der Amethyst war so geschliffen, dass er das Sonnenlicht auf eine spezielle Art brechen konnte. Die nun durchgeführten Untersuchungen ergaben, dass  der Stein die Sonne je nachdem, wie der Amethyst bewegt wurde und wie die Sonne auf ihn fiel, ein wahrer Lichtertanz durch genau jenes Fenster dringen konnte, das im oberen Stockwerk in das hübsche kleine Mansardenzimmer führte…  Stand man unten, sah man nur einen kleinen Teil des Lichtes, sodaß  man dieses Phänomen tatsächlich mit einem vorbeihuschenden Gesicht verwechseln konnte!

Tatsächlich hatten wir diesen Teil des Rätsels gelöst! Aber was hatte es nur mit diesem merkwürdigen Geräusch auf sich?

Während die Geistersucher-Jungs den Tag mit Beobachtungen des Lichts und der Befragung der Leute, die vielleicht etwas wissen konnten, zugebracht hatten, waren mein Mann und ich in die Stadt gefahren, um einige Erledigungen zu machen. Als wir auf dem Heimweg zurück in unsere Straße einbogen, mußten wir die Geschwindigkeit verlangsamen, weil sich eine Katze seelenruhig auf der Straßenmitte niedergelassen hatte und sich ihr schwarz-weiß glänzendes Fell ausgiebig putzte. Da sah ich, wie eine schmächtige Gestalt auf dem Gehsteig vor unserem Haus stand und  offensichtlich vorsichtig die Tür mit einem Schlüssel oder Imbus öffnete. Danach steckte sie ihren Kopf durch die  Eingangs-Türe, sodaß man  von draußen das Gesicht nicht erkennen konnte … ,,Halt an!“ flüsterte ich meiner besten Ehemann von allen leise zu und  geistesgegewärtig fuhr er das Auto vorsichtig an den Straßenrand, sodaß wir nun etwa zwanzig Meter entfernt  von unserem Hauseingang auf der anderen Straßenseite zum Stehen zum Stehen kamen. Doch in diesem Moment war die Person schon im Inneren unseres Anwesens verschwunden…

Schnell stiegen wir aus und folgten  ihr. Ganz leise öffneten wir die nur angelehnte Türe… Niemand war zu sehen. Wir gaben uns Zeichen, wie wir uns verteilen wollten, damit dieser Jemand nicht würde flüchten können. Mein Mann nahm den Weg durch den Garten, ich würde direkt ins Haus gehen und wenn einer von uns ihn entdecken würde, würden wir laut rufen, denn irgendwo vermuteten wir ja auch noch die Geisterjäger…

Aber in diesem Moment ging es wieder los…Ein schauderhaftes Gewimmer drang an mein Ohr, wie es die Welt gruseliger noch nicht gehört hatte!

Doch diesmal war ich mir sicher, dass der Ursprung  nicht von einer Toten ausging!  Ich hatte noch nicht die Haustüre erreicht, als ich die Tür in der Mauer hinter mir ins Schloss fallen hörte. Ein Adrenalinstoß durchfuhr meinem Körper –  Na warte, Bürschchen! Ich hastete die Treppe hinunter, über den Hof und zur Tür hinaus. Aber die Straße war menschenleer… Nein! Sollte ich mich alleine auf die Suche machen? Gut, die Person war nicht groß gewesen… Irgendwo mußte sie noch sein… Ich wollte mich gerade bücken, um unter die parkenden Autos zu sehen, da vernahm ich im gegenüberliegenden Hof Schritte! Ich hastete über die Straße und sah jemand, wie er  gerade über den dortigen Gartenzaun, der nicht besonders hoch, aber recht wackelig aussah, kletterte. Schon bevor ich ihn erreicht hatte, erkannte ich ihn! Es war… Karl! Kurz war ich überrascht, aber dann wurde mir bewußt, dass ich eigentlich auch schon viel früher hatte darauf kommen können! Schließlich war er der einzige, der tatsächlich etwas konkreter  geworden war…

Im Weiteren war es dann nicht besonders schwierig, ihn an seinen Kletterversuchen zu hindern, im Gegenteil! Er hatte sich mit der Hose im Zaun verfangen und war froh, dass ich ihm half, sich zu befreien!                                                                                                                                                                                                                                                                                          Nachdem  also der greise Gärtner  seine Flucht etwas zerknirscht aufgegeben hatte, kam er relativ problemlos mit hinüber zu unserem Haus, wo er uns mit einer Mischung aus Trotz und Stolz erzählte, wie das alles gekommen war. Die Wissenschafts-Geister-Crew war gerade dabei gewesen, all ihre Gerätschaften in Position zu bringen und auszuwerten, als ich sie ins Wohnzimmer zusammentrommelte, damit sie sich Karls Aussage mit anhören konnten. Mein Mann bewachte den Übeltäter in der Zeit, der kleinlaut auf seinem Stühlchen kauerte und nicht den Eindruck machte, flüchten zu wollen… Irgendwie schien er auch ganz froh zu sein, dass das Ganze nun ein Ende hatte….

Er habe die Veuve schon immer geliebt! Ihre kraftvolle Art, ihre zwar schon etwas welkende, aber immer noch vorhandene Schönheit…  Er hätte es bewundernswert gefunden, wie sie Ihr Leben trotz allen Wirren immer gemeistert habe und stets gewußt hätte, was zu tun gewesen wäre! Von den ganzen jüngeren Frauen, die Claude anbrachte, hätte sie sich doch nicht ihre Position als Herrin im Hause streitig machen lassen lassen! Mit denen sei sie schnell fertig gewesen! Ganz schnell! Fertig!

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Später sorgte die Colliehündin Lilly dafür, dass sich ie wieder jemand vor Geister fürchten musste!

 

Bis Giselle kam! Sie hätte es ernst mit Claude gemeint und hätte wenig an sich gehabt, was man ihr hätte vorwerfen können, außer, dass sie und ihr Geliebter es wirklich immer und überall… Eine Schande wäre das gewesen! Er habe nicht mit ansehen können, wie seine Königin (und bei diesem Wort bekamen seine Augen einen feuchten Glanz)  unter diesem Flittchen gelitten hätte! So hätten sie der Frau zusammen das ein oder andere Mal einen gehörigen Schrecken eingejagt.

Manchmal sei das sogar ganz spaßig gewesen!  Eigentlich hätten sie die Geliebte von Claude ja verjagen wollen, aber die  hätte sich nicht so leicht ins Bockshorn jagen lassen! Und er habe immer darauf geachtet, dass ihr kein Leid zugefügt wurde! Nie wollten sie Clauds Freundin wirklich schaden! Allerdings hätte sie sich mit der Zeit immer weniger erschreck

Zwar hätte sie noch ein wenig weitergemacht, aber dann sei es seinem ,,Ein und Alles“ immer schlechter gegangen und irgendwann hätte sie selbst Gespenster  gesehen..

Er sah fast teilnahmslos in die Runde, so, als sei er froh, dass jetzt endlich Schluss mit den anstrengenden Eskapaden war: ,,  Ich hatte ihr versprechen müssen, niemals zuzulassen, dass Claude das  Haus verkaufen würde… So habe ich dafür sorgen müssen, dass die Käufer möglichst schnell vom Kauf zurücktreten würden! Leider hat es ja nicht geklappt, aber einen Vorwurf kann mir mein Schatz nicht machen, versucht habe ich es! “ In diesem Moment fing der Tisch an zu vibrieren, erst unmerklich dann immer stärker und ich spürte eine kühlen Hauch im Nacken …

Grubenbeben eben  – und natürlich ist es normal, dass es in einem alten Gemäuer manchmal etwa zieht!

So, das war mein Schmankerl für Euch  zum 4. Advent… Ich hoffe, Ihr habt die Geschichte genauso genossen wie ich, denn ich habe fast jede Nacht ein Stückchen geschrieben, dass ich heute auch fertig werde… Bitte seht mir die teilweise schlechte Qualität der Fotos nach – alle sind in dieser Zeit an den Orginal-Schauplätzen entstanden! Nun wünsche ich Euch wunderschöne Feiertage, wir lesen uns, Eure Nessy

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ratlos gewesen! jednfalls er Ton entstand recht einfach durch einen batteriebetriebene Kasettenrecorder. Dieser war am Ende  eines stillgelegten Heizungsrohres positiniert worden, das an der Innenwand nach oben führte. Allerdings endete es außerhalb rechts von der Garage im dichten Gebüsch, wo sich der kleine Mann auch problemlos verstecken konnte!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht von

Ich bin jemand, der meist positiv und neugierig durchs Leben spaziert. Mich fasziniert das Alltägliche wie auch das Besondere und ich bin dankbar, mich mit den schönen Dingen des Lebens wie mit meiner Familie, Pferden und Hunden, Natur und Medizin beschäftigen zu dürfen. Ich bin eine kleine Fashionista und schreibe und zeichne gerne .. Diese Themen lebe ich auch auf meinem Blog "happinessygirls" aus... Hello, I´m a girl with lot´s of interests: Not only fashion, beauty and lifestyle but also family, animals, medicine , writing, reading and riding.

7 thoughts on “Short Story/Lifestyle 4. Teil – Ein mysteriöses, romantisches Posthäuschen in Frankreich – unser erstes Familiendomizil…

    1. Hallo Liebe Andrea! Die Geschichte ist auch für einen ruhigen Moment gedacht, in dem man sich entspannen möchte! So lass Dich nicht stressen und genieße die Vorweihnachtszeit! Alles liebe, Nessy

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