Dressur – Lehrgang der Spitzenklasse im Gestüt Peterhof mit Monica Theodoresco

Die “ Alten – Meister “ kamen am 13. Juli nach Perl-Borg – Bundestrainerin Monica Theodorescu zeigte gut 1000 Interessierten, worauf es im Dressursport ankommt

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Hallo Ihr Lieben,

eigentlich habe ich diesen Artikel nicht geplant. Aber als ich gestern Abend diese Veranstaltung besuchte, war ich so berührt von der Schönheit, Eleganz und Begeisterung, die mir auf dem Gestüt Peterhof entgegen schlug, dass ich Euch die Eindrücke und Hintergründe nicht vorenthalten möchte.

Ehrlich gesagt, habe ich bei der Überschrift  „Die Alten Meister 2015“  eine etwas andere Erwartung gehabt.  Ich dachte eher an die Auseinandersetzung  der  Bundestrainerin der Deutschen Dressurmannschaft mit den alten Meistern der klassischen Reitkunst, allen voran deren „Gallionsfigur „ Philippe Karl mit seiner  Ecole de Légèreté.  Aber ich wurde eines besseren belehrt, als ich auf der Homepage des Initiators Frank Henning nachlas.

Monica Theodorescu selbst, geboren 1963 und mit vielen Internationalen Erfolgen gesegnet, würde heute die „Alte Meisterin“ sein, die dem andächtig lauschenden Publikum Pferde verschiedener Ausbildungsklassen und deren Reiter/innen in einer Art „Reitunterricht“ vorstellen  und dabei auf die Schwächen und Stärken des jeweiligen Paares eingehen würde. Das nannte sich dann „Trainingslektionen in der Dressurarbeit“. Dazu später mehr…

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Als ich am Montag, den 13. Juli nach einer angenehmen Fahrt durch das westliche Saarland um ca. 18.40 Uhr die Anlage von der Ferne sah, waren die Wiesen vor dem Gestüt schon von Autos übersäht, als fände ein mittelgroßes Turnier statt. Nur die Anhänger fehlten… Pferdemenschen haben geländegängige Fahrzeuge, was auch heute beim Parken von Vorteil war.

Die Tore, normalerweise fest verschlossen und für „Fremde“ nur nach Kontrolle passierbar, waren weit geöffnet und der Blick wurde frei auf eine beeindruckende, mit bestem Sand präparierten Galopprennbahn rund um das Anwesen. Ich stellte mir vor, einmal mit meiner Stute… Oh Nessy, von was träumst du nachts ? Genau davon…DSCN0180 (4)Die kugelförmige Büschchen und die in Reih und Glied angeordneten Bäumchen waren die ersten Vorboten davon, dass hier aber auch gar nichts dem Zufall überlassen worden war. Die  Anlage, die trotzdem eine Gemütlichkeit ausstrahlte, wie sie nur unter den Händen einer Frau entstehen kann, war so ideal in die Landschaft eingefügt, dass man gar nicht glauben konnte, dass dieses „Idealbild“ tatsächlich echt war. Natürlich konnte ich mir vorstellen, dass die Realisierung einer so perfekten Anlage sicherlich das ein oder andere Problem mit sich gebracht haben musste. Aber falls es so gewesen war, sah man davon absolut nichts mehr.

Also beschloss ich, mich einfach dieser Perfektion hinzugeben, für diesen Abend meine unvollkommene Realität  hinter den Toren zu lassen und  in diese schöne, „neue“, feingeistige Welt einzutauchen….DSCN0186Als eines der ersten bekannten Gesichter sah ich gleich Arlette Jasper-Kohl  (unten im Bild bei der Einführung) in schicker, aber keinesfalls übertrieben mondäner Reitkleidung, die mit ihrem Mann, Professor Edwin Kohl,  die Anlage geplant hatte. Ihre Ausbildung  als Innenarchitektin kam ihr bei der Realisierung ihres Traumes sicherlich zugute… Sie befand sich in angeregter, fröhlicher Unterhaltung mit der „Grand-Dame“ der saarländischen Dressurreiterei, Ulrike Lautemann, heute einmal ohne ihre Hunde und an diesem warmen Tag ganz in sommerlichem Weiß gekleidet. Sie gehört zu den alterslosen Menschen, die ihr absolut  integerer Charakter jung erhält. Auch hat sie schon versucht, mich und meine Stute auf Vordermann zu bringen… Obwohl wir zwei nun nicht gerade  Madita Zurheide und Sir Oliver sind. Diese sind, nebenbei erwähnt, ihr neuestes Dreamteam am Dressurhimmel…

Aber auch wir „Normalos“ haben von Ihren Tipps bis heute profitiert, inklusive meine Ausbildung zur Trainerin, bei der sie, wie bei vielem anderen auch, mit verantwortlich war. Sie hat die Eigenschaft,  Probleme, ohne ihren Gegenüber zu verletzen oder ihm die Lust nehmen, auf den Punkt zu bringen und dadurch schnell Lösungsansätze generieren zu können. Von ihren zahlreichen Erfolgen, Auszeichnungen und vor allem ihren riesengroßen Erfahrungsschatz im Umgang mit Menschen, Tieren und besonderen Situationen möchte ich hier gar nicht beginnen  zu erzählen, sonst wäre ich Morgen noch dabei… Jedenfalls trainiert jene lebende Legende die Reiter und Pferde jetzt auch auf dem Peterhof…

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Aber zurück zu dem Ereignis. Nachdem ich die Bierbänke zur Verkostung mit Würstchen, Getränken und den Stand mit  Peterhof – eigener Mode passiert hatte und durch die ausgesucht schönen Stallungen flaniert war, kam ich in die große, lichtdurchflutete Reithalle mit gewellter Bande, die bereits gut  mit erwartungvollen Menschen gefüllt  war. Zur  Rechten hatte die Firma Bates ihren Stand, zur Linken „Masterhorse“ und „Animo“ mit ihren Produkten. Da ich selber unter anderen den „Bates Innova“ Dressursattel besitze, ließ ich mir gleich einmal die neuesten Monoblatt-Version dieses Sattels und die Möglichkeiten der schnellen und problemlosen Anpassung erklären – nicht wissend, dass dies in etwa 20 Minuten Gegenstand eines Vortrags werden sollte.. . Nachdem ich einen der letzten Plätze auf der Tribüne ergattert hatte, ging es auch schon los.

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Nach einer kurzen Einführung wurde im Vorprogramm etwas über die neue Versicherung des Unternehmen „Berns“ berichtet.  Interessant fand ich, dass es nun, unter anderem auch, wie für Autos, „Rundum Sorglos“ Pakete für Reiter und Pferde gibt. D.h. wenn etwas passiert, hilft die Versicherung mit der Beschaffung des Tierarztes etc. Es wundert nicht, dass man natürlich auch das Pferd an sich versichern lassen kann…

Danach kam es bei der Sattel-Anpaß-Vorführung der Firma Bates zu einigen unfreiwilligen Lachern, als eine, eigentlich recht versierte Stute die volle Halle sehr interessant und aufregend fand und wenig Sinn für das Vorhaben des Sattlers hatte. Der nahm das Ganze aber mit Humor und brachte am Ende seine Kreide-Aufzeichnungen zur richtigen Sattellage doch noch aufs Pferd.  Sein Kompanion passte derzeit in Windeseile den Sattel dank der verschiedenen  Einschübe an das Pferd an (Bates innova mono, s.o.) und so waren doch noch alle zufrieden!

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Danach trat nach einer Anmoderation von Herrn Henning mit den zentralen Worten

„Pferde sind nicht zum Reiten geboren, sie lassen es zu. Deshalb haben wir unseren Pferden gegenüber eine große Verantwortung…“

Monica Theodorescu in Erscheinung.

Eine zierliche, aber präsente Person, die ihren Part mit Humor und größtem Sachverständnis meisterte. ZuerFoto 1 (14)st wurde sie zur Aufstellung der deutschen Equipe interviewt, danach kam das langersehnte erste Dressurpferd in die Bahn, die vierjährige Fuchsstute Finess, die von Hannah Rother geritten wurde und trotz ihres jugendlichen Alters schon relativ cool war. Hannah wurde des öfteren dazu aufgefordert, sie im Schritt fleißig vorwärts gehen zu lassen und noch nicht zu eng zu nehmen. Der Trab sollte indes nicht zu eilig sein, damit sie die Hinterhand kräftigen konnte. Hannah ritt mit viel Feingefühl, wie alle Reiter an diesem Tag, was auch von der Bundestrainerin lobend erwähnt wurde. Sie sparte generell nicht mit Lob, genausowenig wie die Reiter für ihre Pferde. Auch konnte ich beobachten, dass die noch vor einigen Jahren im Dressursport „normale“ strenge Beizäumung schon bei jungen Pferden und das oft kontinuierliche Reiten hinter der Senkrechten  zu meiner Freude wohl der Vergangenheit angehören. Beständig wurde darauf geachtet, dass die Pferde von hinten nach vorne an das Gebiß herantraten und mit Übungen im Sinne der Ausbildungsskala (Takt – Losgelassenheit – Anlehnung – Schwung – Geraderichten – Versammlung) gymnastiziert wurden.

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Foto 2 (10)Als zweites betrat der relativ starke, gekörte Rapphengst Quentano, geritten von Madita Zurheide die Bahn. Er war am Anfang in der fremden Halle noch ein wenig aufgeregt und fand sein Spiegelbild  so beeindruckend, dass er sich an der Spiegelseite auch gerne einmal zuschnaubte, was auch das Publikum sichtlich erfreute. Das probate Mittel von Frau Theodoresco bei diesem Pferd: Immer wieder hielt sie Zurheide zum Übertreten und später zum Außengalopp an, was das Pferd dann doch ein wenig forderte und bald zu der angestrebten inneren und äußeren Losgelassenheit führte. Der fliegende Galoppwechsel klappte dann auf beiden Händen problemlos, wobei jeder, der schon versucht hat, diesen einem Pferd beizubringen, weiß, dass es oft anfangs nur auf einer Seite gut klappt,… Der Hengst  aber war bei Allem mit Freude dabei und zeigte eine große Präsenz mit einer schönen, erhabenen Galoppade im Handgalopp, der auf eine gute Versammlungsbereitschaft schließen ließ. Man muß nicht erwähnen, dass auch das Angaloppieren im Außengalopp auf Anhieb klappte. Es wäre aber unfair, den  beeindruckenden Trab unerwähnt zu lassen.  Genug geplänkelt, kurz gesagt: Ein Anwärter auf „ganz Großes“ …

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Nach der Pause war es dann soweit:

Dorothee Schneider proudly presented His Royal Highness, der sechsjährige dänische Wunderknabe Sezuan. Foto 3 (7) Ein Raunen ging durchs Publikum als Dorothee Schneider ihr Pferd locker zum Traben brachte… Immer wieder betonte Theodoresco, wie wenig sie bei diesem Paar kritisieren musste.

Er war wirklich ein ausgesprochen schöner Anblick, der Hoffnungsträger des Peterhofes, der sich schnell entspannen konnte (er war ja auch hier zuhause…) und anscheinend nur darauf wartete, seine beeindruckenden  Trabverstärkungen zu zeigen. „Lampenaustreter“ schoß es mir unwillkürlich durch den Kopf, obwohl ich den Ausdruck sonst nicht so sehr mag, weil er den Schwerpunkt auf eine gewaltig Vorderbeinaktion legt, ohne das Untertreten der Hinterhand und die Schubentwicklung daraus ausreichend zu würdigen. Aber bei diesem Pferd war wirklich alles da… Auch die schöne Bergauf-Galoppade findet man in dieser Qualität nicht allzu häufig. Gut sah man bei diesem Paar, wie Schneider die Passage aus einer langsamen Rückführung entwickelte. Die Bundestrainerin warnte auch hier, (noch) nicht zuviel Versammlung zu verlangen, auch wenn es verlockend sei…

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Den Schluss bildete Sascha Schulz mit seinem 16 jährigen Fuchs Vito Corleone. Hier sah man ein voll entwickeltes Pferd mit großer Sicherheit. Nach der Aufwärmphase wurde der Schwerpunkt auf die Perfektionierung der Piourette gelegt. Immer wieder wurde der zweite Teil geübt („lieber 1-2 Schritte mehr springen wollen“) bis auch die Trainerin vollends zufrieden war. Es wurden aber auch Passage -Piaffe („mehr vorwärts reiten wollen“) und Serien-Wechsel gezeigt. Soviel Versammlung ließ manch einen Hobbyreiter im Publikum ganz schwindelig werden…

Unter diesen mannigfaltigen Eindrücken stehend wurden die Zuschauer schließlich, mit Goody-Bags der ausstellenden Firmen versorgt, nach Hause entlassen. Und ich ging hinaus aus dieser perfekten Welt! Perfekt? Fast! Eine klitzekleine Kleinigkeit musste zu mäkeln sein, Perfektion steht, wie wir wissen, schließlich nur Gott zu… Was es war? Die anfallenden, oder besser: herabfallenden Pferdeäpfel! Niemand war da, der sich dafür verantwortlich gefühlt hätte. Niemand? Doch, als  Frau Lautemann das sah, schnappte sie flugs den Rechen und die Schaufel und erledigte den Job ohne viel Aufhebens. Das stand sicher nicht in ihrem Vertrag…
Nachdem ich in der Nacht in wilden Träumen auf Sezuan über unseren kleinen Reitplatz geschwebt war, besuchte ich heute früh gleich meine  „Hübsche“ und ihren kleinen Freund und flüsterte ihr ins Ohr “ Du und ich, wir haben noch viel vor!“ Da spitzte sie die Ohren, schaute mich verständnisvoll an und schnaubte zustimmend, als ich ihr ein paar Leckerli aus der Goody Bag gab. Die waren besonders gut – mit Apfelgeschmack…
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Verfasst von

Ich bin jemand, der meist positiv und neugierig durchs Leben spaziert. Mich fasziniert das Alltägliche wie auch das Besondere und ich bin dankbar, mich mit den schönen Dingen des Lebens wie mit meiner Familie, Pferden und Hunden, Natur und Medizin beschäftigen zu dürfen. Ich bin eine kleine Fashionista und schreibe und zeichne gerne .. Diese Themen lebe ich auch auf meinem Blog ,,Salutary Style" aus... Hello, I´m a girl with lot´s of interests: Not only fashion, beauty and lifestyle but also family, animals, medicine , writing, reading and riding.

3 Kommentare zu „Dressur – Lehrgang der Spitzenklasse im Gestüt Peterhof mit Monica Theodoresco

  1. Sehr geehrte Frau Dr Wagner

    Ihr Artikel zu den alten Meistern
    auf dem Peterhof ist so schön geschrieben!
    Ich war wirklich gerührt ob Ihres
    Lobes und Anerkennung meiner Person,vielen Dank!
    Als ich das geschickt bekam hatte ich einen wenig erfolgreichen Turniertag hinter mir !
    Affenheiß und die “ eigenen “ Pferde und Schüler hatten zur falschen Zeit am falschen Tag irgendwie anderes im Sinn als Punkte zu sammeln
    Ich hatte so richtig den Frust,ihr Artikel
    hat mir wirklich ein Lächeln gebracht!
    Sie können sehr emphatisch beschreiben,zudem war Ihre fachliche
    Beschreibung der Pferde. Reiter und des Unterrichts von Monika Theodorescu sehr treffend!
    Ich habe diesen Link auch Frau Jasper geschickt es hat ihr auch sehr gefallen!
    Ihre Worte waren sehr gewählt, nicht übertrieben und ohne einen Funken
    Missgunst!
    Sie haben das wirklich großartig geschrieben,mich hat es wirklich berührt und ich bedanke mich sehr für Ihre Wertschätzung meiner Person!
    Auch im Namen der Inhaber des Peterhofes sage ich Dankeschön und wenn Sie uns noch einmal besuchen möchten , werden wir das hinkriegen!
    Vielleicht auch einmal eine Runde Rennbahn für Sie mit Ihrer Stute!

    Ganz lieben Gruß

    Ulrike Lautemann

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