Wie meine Pferdchen Lissy und Tarzan mir das Leben retteten …

Schon immer war ich ein großer Pferdefan und habe lange Pferde gehalten. So hatte ich mir gerade ein wunderschönes, junges schwarzes Rappstütchen gekauft und als ,,Kollege“ hatte ich ein Mini-Pony, den kleinen, verschmusten Tarzan, dazugestellt. Weil er unter X-Beinen, Arthrose und Hautproblemen litt war er für den Ponyhof, auf dem er aufgewachsen war, nicht mehr ,,brauchbar“ gewesen. Hier aber war er sichtlich aufgeblüht und Lissy und er waren zu einem klasse Team zusammengewachsen.

Oft verzauberten sie uns mit drolligen Einlagen, wenn sie sich zum Beispiel gegenseitig stundenlang kraulten, wobei Tarzan nur an Lissys Beine kam oder wenn er manchmal, wenn Hunde auf die Koppel kamen und ihn jagten, bei ihr Schutz suchte und sie dann für ihn die Eindringlinge, die auf den kleinen Wallach zustürmten, verjagte.


Eines Tages arbeitete ich den ganzen Tag auf der Pferdekoppel. Mir ging es nicht gut und mir wurde schwindelig, so dass ich mich kurz hinsetzen wollte. Allerdings war es 34 Grad im Schatten und die pralle Sonne ist sicher in so einem Fall nicht der beste Ort, um es sich gemütlich zu machen. In dem Moment registrierte ich das aber nicht und so dämmerte ich, kaum war ich in der Hocke, einfach weg. Ich muss dann nach hinten gefallen sein, denn als ich zu mir kam, spürte ich zwei Pferdeschnauzen im Gesicht, die mich allerdings nur ganz zart mit ihren Oberlippen knufften. Ich bemerkte, dass sich mein Körper unendlich heiß anfühlte, ohne, dass ich jedoch schwitzte. Ach ja, die Sonne knallte mit ja auch mitten ins Gesicht! Schnellstens mußte ich in den Schatten und mich abkühlen! Allerdings war ich soo müde. Nur noch ein wenig liegen… Aber ich hatte nicht mit meinen zwei Fellnasen gerechnet! Es war, als wenn Lissy, meine schöne und schlaue Rappstute und ihr kleiner Pony-Freund Tarzan sich abgesprochen hätten. Sie ließen nicht locker. Lissy biss mir sanft in die Hand und Tarzan einwenig fester in das Bein, bis ich mich schließlich aufraffte, meine ganze Kraft zusammen nahm und mit Hilfe des kleinen Ponys, auf dem ich mich abstützten konnte, aufstand. Lissy stand währenddessen hinter mir und duldete es nicht, als ich mich vor lauter Erschöpfung wieder hinsetzten wollte. Schließlich stand ich, ein wenig wackelig zwar, aber immerhin, auf meinen zwei Beinen und wackelte aus der Sonne, eskortiert von meinen beiden Helferleins, bis ich hinter dem Weidezaun und damit aus der Sonne war. Ob die beiden die Gefahr wirklich erkannt hatten, weiß ich natürlich nicht. Aber immerhin hatten sie mich aus der Sonne geholt. Denn alleine hätte ich es sicher nicht geschafft!

Allerdings ging es mir in der darauffolgenden Nacht nicht gut. Schweißgebadet litt ich unter Herzrhythmusstörungen und Herzschmerzen und schließlich fuhr mich mein Mann ins Krankenhaus, wo ich kurz darauf zusammenbrach und schließlich bei einem Herzstillstand reanimiert werden musste. Leider war die Reanimation nicht ohne Folgen geblieben und so erholte sich mein Körper nur zögerlich.

Lissy und ihren kleinen Freund wurden von mein Mann in dieser Zeit auf einem Reithof untergebracht. Ich fühlte mich für alles zu schwach. Aber die Aussicht, dass die beiden, die mir das Leben gerettet hatten, verkauft werden müssten, wenn ich mich nicht bald um sie kümmern können würde, ließ mich alle Kraft zusammen nehmen und so bat ich meinem Mann, mich zu ihnen zu fahren. So bestand meine Reha quasi in der Versorgung der Tiere. Allerdings hatte Lissy, die den ganzen Tag in Freiheit gewohnt war, für ihre Bedürfnisse viel zu wenig Bewegung, sodass sie sehr ungestüm war, wenn sie aus der Box kam. Ich musste sie so immer zuerst an der Longe laufen lassen, bevor ich sie reiten konnte. Eines Tages, wegen dauernder Regenfälle waren die Pferde lange nicht auf die Weide gekommen, war sie an der Longe und den vielen Pferden auf dem Reiterhof um sie herum, die sie zusätzlich nervös machten, sehr aufgeregt. Sie tollte wie wild herum, machte einen Luftsprung, drehte sich dabei herum und krachte schließlich auf den Boden. Der Tierarzt diagnostizierte ein komplizierte Verletzung des Beines, ein die wohl Knochen und Sehnen betroffen hatten. Er machte mir nicht viel Hoffnung auf eine Ausheilung und so empfahl man mir von verschiedenen Seiten, sie am besten einschläfern zu lassen.

Aber nun war es an mir, ihr das Leben zu retten! Ich holte sie und den kleinen Tarzan sofort wieder in unseren kleinen Stall ans Haus und pflegte sie dort mit aller Hingabe. Meine eigene Krankheit vergaß ich über der täglichen Pferdearbeit immer mehr. Nach über einem halben Jahr hörte sie endlich zu lahmen auf und auch mir ging es deutlich besser. Meine Muskeln und mein Appetit waren zurückgekehrt wiederum einige Monate später begann ich wieder vorsichtig, sie zu reiten. Heute leben Lissy und Tarzan friedlich bei uns auf der Koppel. Allerdings ist unser Verhältnis näher, als bei allen anderen Pferden, die ich bisher hatte. Am liebsten wird Lissy auf dem Rücken massiert. Dann zieht sie die Oberlippe nach oben und wenn Tarzan in der Nähe ist, wird wiederum er auf dem Rücken massiert. Das ergibt ein lustiges Bild, das zeigt, dass wir drei zusammengehören.

8 Kommentare zu „Wie meine Pferdchen Lissy und Tarzan mir das Leben retteten …

      1. Danke Dir ! Du wirst lachen, aber die beiden großen Fellnasen sind tatsächlich genauso verknuddelt wie die kleinen (Hunde)!

    1. Liebe Tina! danke Dir für Deinen lieben Kommentar! Der Hitzschlag mit zusätzlichem Erbrechen hat die El´yte durcheinander gebracht und dazu geführt, dass mein durch eine Karditis vorgeschädigtes Herz maligne HRST entwickelt hat. Aber Gott sei Dank geht es mir jetzt wieder gut! Alles Liebe, Nessy

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