Tiere / Hundestorys 2. Teil: Wie Sheltie ,, Doc Nelly“ Lady Luna das Leben rettete …

Hallo Ihr Lieben!

Kennt Ihr das? Man nimmt sich sooo viel vor ….! Jedenfalls ist der hoch-brisante Artikel über die neuen Abnehm – Studien zur unterschiedlichen Kalorien-Aufnahme verschiedener Menschen noch in der Mache, weil ich noch andere Sachen dringende fertigstellen musste … Aber wie Ihr wisst, ist so eine Literatur-Online-Recherche immer mit einem relativ großem Aufwand verbunden und meine Ansprüche sind da auch nicht eben gering. Abgeschriebenen Quatsch gibt es schließlich schon genug!

So kommt jetzt direkt der zweite Collie Lady Luna Artikel, damit Ihr  wenigstens wisst, wie es kam, dass sie so krank wurde, was für uns wirklich dramatisch und sehr traurig war …

Der Zustand der Hündin verschlechterte sich rasant

In letzter Zeit hatte unsere alte Dame immer wieder unter Arthrose gelitten, so dass es dann und wann nötig wurde, ihr ein Schmerzmittel zu geben.

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Beim Gehen war schon seit einiger Zeit ab und zu ein ,,Humpler“ zu sehen, was als Arthrose interpretiert wurde, da es nicht eindeutig lokalisierbar war. 

 

Vor etwa vier Wochen war dann relativ schnell der absolute Tiefpunkt erreicht. Von ein auf den anderen Tag tat sie sich plötzlich unheimlich schwer, auch nur einen vor den anderen Fuß zu setzen. Dabei war es nicht klar auszumachen, auf welchem Fuß sie humpelte, der Rücken war steif und die Hinterbeine hatten kaum noch Kraft!

Sie stand unter Dauer-Schmerzmedikation , dennoch mussten wir ihr aufstehen helfen und sie machmal sogar zurück ins Körbchen tragen, was für mich bei ihren über 20 Kilogramm kein ganz einfaches Unterfangen war. Dazu kam, dass ich ihr ansehen konnte, wie sie unter Schmerzen litt, wenn ich in ihre Augen sah! Der Tierarzt hörte sie ab und maß Fieber, sah in die Ohrmuscheln und tastete die Pfoten einzeln ab. Die Herztöne waren rhythmisch und altersentsprechend okay, die Lunge gut durchlüftet und direkt druckschmerzhaft schien weder der Bauch, noch die Füße zu sein. Aber alle Füße schienen ihr besonders nach dem Aufstehen wehzutun, wenn sie wie auf Eiern durch die Gegend wankte. Wir versuchten, sie so gut es ging, zu unterstützen,  zu füttern und ihr Medikamente für die Schmerzen, den Magen und die Gelenke zu geben … Mehr konnten wir in dieser Situation nicht mehr tun …

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Im Körbchen polsterten wir alles ab, damit sie möglichst keine Schmerzen hatte …

So gaben wir unser Bestes und waren sehr, sehr traurig.  Jeden Abend saß ich lange am Körbchen und streichelte und bürstete sie und wusch etwaigen Schmutz ab, denn sie hatte Schwierigkeiten, sich zu putzen. ich verließ Luna nie mehr als 2-3 Stunden, weil sie auch nicht mehr alleine ,,austreten“ konnte. So ging es etwa 4-5 Tage. Und ich weinte zugegeben viel, denn wir hatten nicht mehr allzu viel Hoffnung.

Wir hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben,  dann passierte etwas völlig Unerwartetes … doch es schien zu spät!

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Als das Aufstehen zunehmend schwieriger wurde, trugen wir sie mit einer Hundetragevorrichtung nach draußen, denn sie mochte nur in äußerster Not ihr Geschäft drinnen verrichten  …

Eines morgens sah ich unseren kleine Sheltie Nelly bei der alten Hündin liegen und deren rechte Pfote ausführlich mit Zunge und Zähne zu bearbeiten. Ich ließ sie gewähren, denn Luna schien das zu gefallen. War es doch eine Verletzung an der Pfote? Gesehen oder gefühlt hatte man bisher nichts ….

Das Fell war naßgeschleckt und es auch jetzt schwer, irgendetwas zu erkennen …  Aber Nelly biss auf der Pfote herum und da Luna es duldete, hielten wir sie nicht davon ab.   Irgendwann hatte sie tatsächlich die Pfote aufgebissen und aus einem etwa ein Zentimeter langem Loch trat nun Blut und Eiter! Wie musste Luna das wehgetan haben! Aber dennoch hatte sie es ,,erlaubt“ …

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Äußerlich war kaum etwas zu erkennen … Man spürte auch keine Überwärmung oder besondere Druckschmerzhaftigkeit, aber kurze Zeit später biss Nelly seitlich die erste Zehe auf und heraus kam Eiter!

In der Pfote musste sich die letzten Tage ein Abszess gebildete haben, vielleicht war sie in eine Dorne oder einen spitzen Stein getreten! Durch die relativ dicke Hornhaut hatten wir die Erwärmung wahrscheinlich nicht gespürt und auch jetzt schien die Pfote kaum wärmer als die anderen.

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Luna ließ Nelly gewähren, als sie an ihrer Pfote knabberte – erst später erkannten wir den Sinn dahinter …

So schlimm das klingt, für uns war diese Entwicklung ein Silberstreif am Horizont, denn endlich wußten wir, warum es unserem treuen Hund so schlecht gegangen war! Wahrscheinlich hatte der ganze Körper unter der Entzündung der Pfote gelitten und die Arthrose der anderen Gelenke war umso mehr aufgeflammt, obwohl sie kein Fieber gehabt hatte!

Nun konnten wir endlich Luna und die Pfote behandeln …  Allerdings war der Allgemeinzustand von dem alten Hund stark eingeschränkt. Anfangs spülte ich die Pfote mehrmals am Tag mit einer  Jod-Lösung und setzte steril geschnittenes Aloe Vera ein, was die Wundränder feucht hielt und so ein Zugranulieren der Abszeßhöhle verhinderte. Normalerweise muss man übrigens bei einer Eiterhöhle eine Einlage machen, doch die Pfotenzehe hat nur einen Durchmesser von 1, 5 cm und jegliche Manipulation in der Höhle hätte die kleinen Knochen gereizt und wäre unsagbar schmerzhaft gewesen! So hielten wir die Wunde auf diese Weise offen, was auch gut funktionierte, denn ständig liefen Wundsekret und Eiterreste ab. Zusätzlich erhielt sie ein knochengängiges Antibiotikum.

Dennoch schien sie  sehr geschwächt – sie konnte sich kaum noch auf den Beinen halten!

Aber trotz ihres Alters und zweifelnder Blicke der Menschen um uns herum, die alle das Gleiche dachten, kämpften wir um unser geliebtes Familienmitglied, gaben ihr unsere ganze Liebe und Fürsorge und transportierten  sie dreimal am Tag mit einer Hunde-Tragetasche nach draußen, weil sie in der Wohnung nicht urinierte und wir nun auch Angst hatten, dass die Nieren angegriffen  würden  ….

Bitterliche Tränen …

So trotzten wir dem Zustand Stunde um Stunde und ich stellte vieles (auch den Blog) hinten an, um ihr die best möglichen Bedingungen für ihre Heilung zu bieten. In so einem Moment muß man dem oder der Kranken Mut zusprechen, ihm/ihr zeigen, wie wichtig er/sie ist, aber auch dafür sorgen, dass er/sie zur Ruhe kommen kann! Bei ihm/ihr sein, ihn/sie streicheln und füttern …

Es war der Geburtstag meines Sohnes und fast unsere ganze große Familie inklusive meinen Eltern war gekommen. Natürlich hatte ich den Geburtstagstisch mit Geschenken und Blumen vorbereitet, den Frühstückstisch gedeckt und mein Mann hatte alle 13 Kerzen angezündet …

Wir versuchten, uns nichts anmerken zu lassen und zu überspielen, dass da ein todkranker Hund lag, der kaum den Kopf heben konnte… Mein Sohn bemerkte glücklicherweise nichts davon, obwohl er mich irgendwann fragte, ob es Luna besser als gestern ging… ,,Ja, tatsächlich! Sie hat schon gefressen und ist jetzt nur müde!“ war meine Antwort, die ich so sicher hervorbrachte, dass selbst Luna kurz den Kopf hob, als ob sie sich über meine Worte wundern würde!

Übrigens fraß sie tatsächlich die ganze Zeit über, was in mir immer noch einen Funken Hoffnung keimen ließ.  So schaffte ich es, dass Sohnemann seinen Geburtstagsmorgen mit den Geschenken und der Torte mit glänzenden, glücklichen Augen verbringen konnte, wie Mamis das nun einmal gerne sehen!

Obwohl ich selbst dachte, dass es mir gelänge, mich von Herzen für ihn zu freuen, als  er draußen glückliche mit seinem neuen Fahrrad und dem schicken Helm, dem ihn seine Oma geschenkt hatte, zugange war, spürte ich plötzlich die warmen und salzigen Tränen, die mir über die Wangen in den Mund liefen, während ich nach tröstenden Worten rang, denn meine Tochter saß, bitterlich  weinend, vor dem Hundebett… Aber so sehr ich mich bemühte, mir fiel nichts Tröstendes ein, denn auch ich war von dem Schmerz des Abschieds  von dem Tier, das uns nun fast 15 Jahre auf unserem Lebensweg treu begleitet hatte, überwältigt und der Klos in meinem Hals war einfach zu groß! So nahm ich sie einfach in den Arm und setzte mich neben sie.IMG_2494

Irgendetwas stimmte nicht an diesem Geburtstag … Doch die Zahl drehte sich und auch die Hoffnung kam zurück!

Doch dann merkte ich, dass Luna, als wir an so bei ihr saßen und sie streichelten, schwache Anstrengungen unternahm, aufzustehen. Ihr schien diese Heulerei irgendwie zu nervig zu sein.

Aber die Pfote war, da sie schon länger nicht mehr aufgestanden war, nur locker verbunden, damit die Wunde heilen konnte und nicht dafür gemacht, darauf zu stehen!

Deshalb  bat ich sie, liegenzubleiben, was sie sofort tat. Überhaupt hatte sie die ganze Zeit über versucht, mich bei ihrer Pflege zu unterstützen, wie es nur ein Hund macht, der einem uneingeschränkt vertraut.

Aber gerade in dieser Situation zeigte sich unsere tiefe Zuneigung und unseren engen Draht zueinander. Wenn sie einen Wunsch hatte, etwa wenn sie Durst hatte oder wenn sie sich so hingelegt hatte, dass es ihr unbequem war ..versuchte sie immer, mir das durch sanftes Jaulen verständlich zu machen, gerade so laut, dass ich sie hören konnte. Und ich hörte sie, egal ob ich gerade schlief oder Klavier spielte …

Nun aber, da ihre Lebensgeister etwas erwacht schienen, erneuerte ich den abermals Verband und polsterte die Sohle mit einem Stück Schaumstoff. Dann half ich ihr, aufzustehen. Wackelig zwar, aber immerhin das Bein wieder belastend, machte sie ein paar Schritte … Die Wunde blutete bei diesem Gang stark – der ganze ,,Schmodder“ kam endlich heraus!

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Immerhin ein gutes Zeichen! Die folgenden Tage saß ich jede Nacht am Hundebett, fütterte sie und versorgte die Pfote, streichelte und kämmte sie und schnitte die verfilzten Stellen aus dem Fell. Dabei merkte sie genau, dass ich ihr helfen wollte und versuchte mitzuhelfen, soweit es in ihrer Macht stand. Später ließ ich die Pfote, wenn sie lag, offen, damit sie zuheilen konnte. Wenn sie aufstehen wollte, jaulte sie, damit ich der Pfote einen abpolsternden Verband machen und ihr helfen konnte, aufzustehen…

Seit einigen Tagen nun geht es ihr wieder richtig gut. Es geht ihr sogar besser wie vorher. Die viele Zuwendung scheint ihr gut getan zu haben … Die Pfote braucht nun gar nicht mehr verbunden werden und sie macht schon wieder ihre kleinen Spaziergänge in den Wald mit meinem Sohn.

Ich bin sehr sehr froh, dass wir sie noch eine Zeit haben dürfen, unsere Lady Luna. Während ich die Zeilen schreibe, liegt sie friedlich auf dem Boden … Gleich werde ich zu ihr gehen und sie, wie jeden Abend, noch einmal nach draußen lassen, ein Leckerli und etwas zu Trinken geben und ihr Guten Nacht sagen.  Ich freue mich auf einen schönen neuen Tag mit Dir!

.. Oh! Schon 24 Uhr durch! Happy Birthday, Liebe Luna! Schlaf gut, wir haben doch noch soviel Zeit zum Feiern und um das Leben zu genießen…

Epilog: Vor kurzem haben wir ihren 15. Geburtstag gefeiert … Diese kleine Geschichte soll auch ein Plädoyer dafür sein, alte Hunde nicht zu früh aufzugeben. Denn oft steckt tatsächlich etwas dahinter, was behandelbar ist. Auch Arthrose kann durch Schmerzmittelgabe (und evtl. einem Magenschutzmittel) oft zufriedenstellend behandelt werden. Denn die Hunde spüren oft noch genauso Freude, wie wir Menschen … Man muss realistisch sein und ergründen, ob man nur den Umstand eines Hundes, der vielleicht auch etwas inkontinent ist und/oder mit Spezialfutter gefüttert werden muss, nicht tragen möchte oder ob das Leben für den Hund wirklich ,,nicht mehr lebenswert“ ist! Denn auch ich hatte schon sehr starke Schmerzen. Aber sogar dann wollte ich lieber leben …

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Auch Euch wünsche ich nun eine tolle Zeit. Ich wünsche für Luna und für alle Hunde und Menschen, dass wir die Ehrfurcht vor dem Leben, egal ob Tier oder Mensch, nicht verlieren und keinen Tag vergessen, wie schön das Leben sein kann!

Alles Liebe, Eure Nessy!

Ersten Teil verpasst? Hier geht es zum ersten Teil. Dort könnt Ihr, wenn Ihr Lust habt, meine persönliche Tiergeschichte und wie Luna zu uns kam lesen. Viel Spaß!

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