Kurzgeschichte/ Look of the week: Mode für das Münchner Oktoberfest – Lederhosen, Dirndl, Karos und (k)eine Maß Bier!

Dieses Dirndl des Beitragsbildes von Malega habe ich aus einem kleinen Shop in St. Moritz. Ich mag es sehr, es ist ein wenig speziell, schon allein wegen der Farben. Das Schwarz-blau ist nicht gerade typisch.  Normalerweise gibt es mehr Rot, Grün und Pink. Die kleinen Rosen und Pailletten sind nur einige der vielen liebevollen Details… 

Hallo Ihr Lieben,

heute zeige ich Euch  aus gegebenem Anlass meine kleine Kollektion von „Oktoberfest“ – Looks!  Zwar bin ich kein Bayern-Madl, dafür aber als echtes ,,Landei“ aufgewachsen, was meine gewisse Freude an diesen teilweise doch ein wenig traditionellen Looks erklären dürfte…

Während meines Studiums verbrachte ich zwei Jahre in München. Die sogenannte „Wiesn“ war schon damals für jeden Einwohner sehr wichtig und die Menschen nahmen sich sogar Urlaub, um dieses Ereignis, dass den Stellenwert mindestens gleich hinter Weihnachten innehatte. nur ja nicht zu verpassen!

Dirndl
Dies ist ein Dirndl aus Samtcord von Laura Ashley. Es ist schon älter, aber ich trage es auch ohne Schürze nur bei besonderen Anlässen. Die Kette habe ich anläßlich eines Gedichtes, das ich geschrieben habe, bekommen. Sie ist relativ schwer, setzt aber einen schönen Akzent zu dem sonst relativ schlicht gehaltenen Kleid. 

Kein Zweifel, es war ein „must“ dort hinzugehen. Ich freute mich sehr darauf und hatte in diesem Jahr den Gegenwert von mindestens zehn Mensa-Mahlzeiten ausgegeben,  damit unsere Freunde und ich uns einen Tisch in einem der berühmten Festzelte, dem ,,Hacker-Zelt“ , bekannt wegen dem schönen Himmel ergattern konnten.

 

Dirndl Trachten Oktoberfest

Der große Tag kam. Asche über mein Haupt – ich trug kein Dirndl! Niemand von uns! In dieser Zeit galt das als altmodisch. Nur „Eingeborene“ und japanische Touristen trugen die bayrische Tracht mit Stolz. Aber die meisten meiner Freunde  hielten sich an die ,,studentische Tracht“, womit ich damit keine traditionellen Mode-Auswüchse irgendwelcher Verbindungen oder Burschenschaften meine, die in München tatsächlich noch relativ häufig vertreten sind , sondern einfallslos-schlichte Jeans ( meist Levis), Polo (gerne auch mit Krokodil oder Polo Pferd…) oder Bluse (Seidensticker) , Seidentüchlein (vorzugsweise Hermès) und Blazer ( auch Polopferd = Ralph Lauren), dazu ein Pulli aus Baumwolle (MOP = Marco Polo).  Und dazu, ja eeehrlich Louis Vuitton – Rucksack…

Und ich? War schon damals keine dieser feinen Spießer-Mäuse, die jederzeit dafür gewappnet schienen, eventuell  ,,wichtige“ Leute zu treffen, die der Karriere förderlich sein könnten. Kennt Ihr diesen ,,Look“ auch noch? Witzig finde ich, dass manche meiner Freundinnen von damals diesen ,,Stil“ (im Unterschied zu ,,Style…“, der für mich Trends von heute signalisiert) immer noch nahezu unverändert tragen, ergänzt höchsten durch einen Trench von Barbour… Aber das hat auch was. Nie wird jemand behaupten, diese Art ,,deutsche Bree van der Kamp“  (Figur aus der amerikanischen Kult-Serie,,Desperate Housewifes, die das Spießerleben aufs Korn nimmt) sei nicht tadellos gekleidet. Der Urlaub wird  im Sommer auf Sylt oder Sardinien, im Winter in St. Moritz oder Davos verbracht, gerne auch im eigenen Chalet!  Die Kinder sieht man so gut wie nie, weil sie im Nobelinternat ,,Salem“ sind oder im Sommer im Sprachcamp an der Côte d´Azur. Es gibt allerdings auch Fälle in der ,,ach so guuuten Gesellschaft“, in denen Frau Mama auch den Aufenthaltsort ihrer Sprößlinge angesprochen, puterrot wird. Dann weiß ich, dass dieser aktuell wohl eher eine hervorragende Schweizer Entziehungsklinik ist… Aber darüber sieht man in diesem Moment geflissentlich hinweg, damit man später hinter vorgehaltener Hand…

Spätestens bei dieser Art von Sensations-Getratsche verabschiede ich mich dann höflich, um in meine bunte, herzliche Welt zurückzukehren, in  der in so einer Situation Ehrlichkeit mit einer echten, mitfühlenden und tröstenden Anteilnahme belohnt würde. Aber kommen wir zurück zum Oktoberfest in den 90 ern…

Dirndlzauber im Garten (58)
Hier seht Ihr die Schürze. Ich hatte schon immer einen kleinen Vogel. Hier durch den Haarschmuck symbolisiert… 

Ich schaute, ob ich irgendwelche  der von meinen Freunden  angekündigten Promis erkannte, aber außer einem älteren „Tatortkomissar“- Schauspieler  mit seiner doch recht jungen Frau, kannte ich niemand. Sie saßen, nur ein Katzensprung von uns entfernt, oberhalb von uns, quasi auf einer  ,,VIP-Bühne“. Ich erkannte ihn nicht sofort, aber meine Freunde machten mich auf ihn aufmerksam und so entging mir auch nicht die kleine Theatereinlage, die dann, wie für uns persönlich aufgeführt, folgte…

Es war wohl nicht seine erste Frau oder Freundin, die da bei ihm war und es wurde Tatort-angemessen spannend, als plötzlich eine blondierte, nicht mehr ganz junge Schönheit auf eben jenen Tisch des ungleichen Paares zusteuerte. Anscheinend hatte es irgendwelche Verwechslungen mit den Karten, vielleicht ja wegen der Namen, gegeben. In dem Moment, als die Verflossene der jüngeren Konkurrentin direkt in die Augen sah und sie erkannte, sank die Temperatur im Festzelt zumindest bei den beiden Damen schlagartig auf dem Gefrierpunkt – was würde passieren? Würden sie sich nun, seifenoperngleich, die Augen zerkratzen wie seinerzeit ,,Krystle und Alexis“ aus den ,,Denver Clan“?  Mit offenen Mündern starrten wir die beiden unverhohlen an, aber das Ganze wirkte wirklich recht grotesk. Wir konnten einfach nicht anders. Erst versuchten wir noch, unser Grinsen zu unterdrücken, doch dann brachen wir in schallendes Gelächter aus… Kennt Ihr das? Es kommt wirklich selten bei mir vor aber in diesem Moment konnte ich, genau wie meine Kommilitonen gar nicht mehr aufhören. Natürlich wurden die beiden Damen dadurch von ihrer unangenehmen Situation abgelenkt und blickten in unsere Richtung! Es dauerte nur einen klitzekleinen Moment, bis sie Gewahr wurden, dass sie selbst der Auslöser des frechen, munteren Gelächters waren.  Nun trafen die bitterböse Blicke der beiden Ladies uns… Doch dann passierte etwas unerwartetes. Ihre Blicke trafen sich, die Mundwinkel verschoben sich zu seltsamen Grimassen – dann brach dieses nicht zu unterdrückende, äußerst ansteckende Gelächter auch aus ihnen heraus. Nur den Männern am Tisch schien die Situation, die sich dann auch schnell wieder beruhigte,wohl etwas peinlich!

Übrigens redeten die Damen dann kurz, recht zivilisiert miteinander und die ältere räumte das Feld….

4647960_Foto_2_(7)
Hier seht Ihr eine lustige Kombination mit traditionellen und modernen Elementen. Es ist eher dem Alltagsstil nachempfunden und kostet unter 100 Euro (ohne Schuhe). Es ist eine gute Alternative zu teuren Outfits und, wie ich finde , nicht weniger attraktiv. 

Nach diesem unterhaltsamen Ereignis wurden wir wieder ruhiger und ich betrachtete die aufwendige Zeltdekoration, an der König Ludwig  II. ( der vom, sorry, im See) mit seinem Sinn für Protzigkeit seine helle Freude gehabt hätte. Nun fühlte ich mich, ob der verschiedenen, teilweise doch recht leckeren Düfte, die mir mein, wie es mir vorkam, hier deutlich unterdurchschnittlich großes Riechorgan mich ein wenig hungrig. Immerhin gab es, zwar recht deftig, aber immerhin meinem fleischlosen Essenswunsch entsprechend, der übrigens für den Kellner weit exotischer war, als die Japanertruppe in Lederhosen am Nachbartisch, Allgäuer Käsespätzle, Rahmschwammerl mit Semmelknödel und Pommes für mich – ,,Des Maderl, das dena Viecha des Essen wegisst.  Hahahihi,…! “ Jaaa- ist ja schon gut,echt witzig! Der Kellner hatte sichtlich Freude daran, mich auf seinen kräftigen Arme zu nehmen, die locker 10 Maß Bier stemmen konnten!

Plötzlich fühlte ich mich irgendwie verlassen zwischen diesen johlenden, lachenden, schreienden und laut singenden Menschen zu der (noch lauteren) Musik, die meistens Bier tranken und Würste und Hühnchen aßen. Leider mag ich davon, gar nix so sonderlich gerne. Und vorher war mir auch nicht klar, dass ich auch das Verhalten, dass vor allem vom Getränke-Komsum her rührte, auch nicht mögen würde… Trotzdem hielt ich tapfer durch und als ich danach gefragt wurde, wie es ,,so war!“ grinste ich und versuchte mich in einem ,,Jo mei, schee wars, odrr?“

Foto 4 (9)Damals war ich wahrscheinlich noch zu jung und sensibel, um dieses Verhalten meiner Umgebung richtig einzuordnen, aber heute weiß ich, dass das fast normal ist am Oktoberfest und dass es auch andere Zelte gibt, die besser für „Schlaftabletten“ wie mich geeignet sind. Vielleicht gebe ich dem Ganzen eines Tages noch eine Chance!

So, vielleicht habt Ihr ja ein paar Anregungen für Euer nächstes Outfit gefunden! Ich wünsche Euch viel Spaß bei Eurem für Euch genialsten Oktoberfest!

Alles Liebe, Eure Nessy

 

 

Verfasst von

Ich bin jemand, der meist positiv und neugierig durchs Leben spaziert. Mich fasziniert das Alltägliche wie auch das Besondere und ich bin dankbar, mich mit den schönen Dingen des Lebens wie mit meiner Familie, Pferden und Hunden, Natur und Medizin beschäftigen zu dürfen. Ich bin eine kleine Fashionista und schreibe und zeichne gerne .. Diese Themen lebe ich auch auf meinem Blog ,,Salutary Style" aus... Hello, I´m a girl with lot´s of interests: Not only fashion, beauty and lifestyle but also family, animals, medicine , writing, reading and riding.

12 Kommentare zu „Kurzgeschichte/ Look of the week: Mode für das Münchner Oktoberfest – Lederhosen, Dirndl, Karos und (k)eine Maß Bier!

  1. Liebe Nessy, als echtes Münchner Kindl hab ich deinen Beitrag genossen. Die Outfits sind richtig schön und passend für die Wiesn. Überhaupt sollte da jeder hingehen, so wie es ihm gefällt. Wer kein Dirndl mag, der sollte auch nicht müssen. Und wer kein Bier mag, findet auch Ecken wo es ohne gemütlich ist.
    Liebe Grüße …. Ich muss los. Wohin? Ins Hacker natürlich 😉😘

  2. Liebe Nessy, die Lederhosen stehen Dir ausgesprochen gut 🙂 Zum Glück hat yahoo meinen Account repariert und mir gleich die fehlenden 6132 Nachrichten der letzten14 Tage mitgeschickt 😉 Bin mal gespannt, auf was ich da noch so alles stosse:D Dir eine schöne Restwoche 🙂

    1. Danke für die nette Nachricht! Oh , das mit Deinem Account ist blöd! Wie ist denn das passiert? Ich drück´Dir jedenfalls die Daumen, dass alles wieder klappt! Wünsch´Dir tolle Herbsttage, Nessy

  3. Fesch siehst du aus liebe Nessy. Das Oktoberfest hat wohl besondere Gesetze und ich war genau wie du in jungen Jahren einmal dort. Mitlerweile gibt es wohl überall Oktoberfeste, sogar in USA. Dort war ich mehrmals als ich meine Freundin dort besuchte. Mir ist tatsächlich die Kinnlade runter geklappt und dr Spruch – die Ammis spinnen – rausgerutscht. Wilder konnte es nicht zugehen, beliebt war damals besonders der Ententanz ;-o erinnerst du dich? Ich habe auch mehrere Dirndl, die ich sogar recht gerne trage. Denn auch bei uns im Rheinland gibt es Oktoberfeste.
    LG Petra

    1. Danke für Deinen lieben Kommentar! Du hast eine super Figur für Dirndl, da macht das sicher noch mehr Spaß, leider hat mich die Natur am Decolleté eher nicht so wirklich oktoberfesttauglich ausgestattet… Ich glaube, die Oktoberfeste können sicherlich Spaß machen, wenn man mit den richtigen Menschen dort ist… Alles Liebe, Nessy

  4. Liebe Nessy,

    auch wenn ich nicht der größte Fan von Oktoberfesten bin – mir sind da einfach zu viele Menschen auf zu wenig Platz und zu viele Betrunkene, die nicht immer ihre Sinne beinander haben – habe ich mich über Deine Geschichte sehr amüsiert. Vor allem der Teil mit dem Tatort-Komissar. Aber auch als Nicht-Oktoberfest-Besucherin bin ich trotzdem ist Riesen-Fan von Dirndln. Und Du siehst in Deinen beiden ungewöhnlichen und wunderschönen Dirndln einfach bezaubernd aus!
    In etwa zwei Wochen habe ich eine größere Shopping-Tour vor und da steht auch ein schon lang ersehntes Dirndl ganz oben auf der Wunschliste. Nun habe ich von Dir ein paar tolle Anregungen bekommen.

    Alles Liebe,
    Nadine

    http://nadinecd.blogspot.co.at

    1. Danke Dir! Bestimmt findest Du etwas Schönes! Mein Tipp: Kaufe Dir lieber wenig, dafür aber etwas sehr Hochwertiges, dann hast Du mehr Freude daran. Gerade bei Dirndln gibt es wunderschöne Spitze, Stickereien, Organza und Seide, aber auch billigen Ramsch …

  5. Du hast einen wirklich herrlichen Schreibstil und ich habe es sehr genossen, die Zeilen über das Okoberfest zu lesen – für mich als Noch-nie-Dagewesene ist das nämlich eine absolute Parallelwelt und daher finde ich solche Beiträge sehr interessant. Eines Tages wird es mich dort auch sicher hinverschlagen, aber dazu bräuchte ich erstmal ein Dirndl und gewisse Kenntnisse, was die Lieder angeht, die dort gesungen werden. Es ist mir wirklich zu 100% fremd, aber einmal muss man es ja erleben 🙂

    Allerliebst
    Melia Beli
    http://www.meliabeli.de

    1. Vielen Dank für den lieben Kommentar! Dirndl sind ja an sich kein Problem, zur Not gibt´s die auch bei Aldi, aber die Lieder… Das sind nämlich meist die üblichen Gassenhauer und je nach Zelt auch Blasmusik… Meine Welt ist das auch nicht wirklich… Zudem bin ich ein meist rüchtsichtsvoller Mensch! Ich möchte ja nicht, dass meine Nachbarn einen Hörschaden bekommen, also lasse ich die Singerei lieber. Alles Liebe, Nessy

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s