Kurzgeschichte: Besuch einer Hochzeit mit Hindernissen…

Hallo Ihr Lieben,
vielleicht erinnert Ihr Euch an meine vier Posts über Hochzeitskleider bzw. Kleider die man auf einer Hochzeit trägt („Juhu, bald läuten die Hochzeitsglocken – aber was ziehe ich an?“). Ich habe im letzten Teil etwas über Dresscodes geschrieben, allerdings ist das ja eher selten geworden. Ich persönlich habe es nur einmal erlebt. Aber mich absolut nicht daran gehalten!

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Warum nicht? Nun, die Einladung war super. Das Event fand auf einer Ritterburg statt. Und der Dresscode war… richtig! Ritteroutfit!  Nun hängt ein Ritter- oder Mittelalteroutfit nicht gerade bei mir im Schrank. Karneval war längst vorbei. Tagelanges Selbernähen war aufgrund stressigen Unizeiten unmöglich. Der Theaterfundus unseres Stadtheaters verlieh so etwas nicht. So rief ich den Bräutigam an und erzählte ihm davon. „Ja, ähh, nöö, zieh´ an was du möchtest…Kommen 150 Leute, da fällt das eh´nicht so auf. Erleichtert ging ich den Kleiderschrank durch, wenigstens ein schönes festliches Kleid wollte ich tragen. Mich wunderte auch, zugegebenermaßen, dass meine Freunde, die auch noch in der Ausbildung waren, solch ein Fest ausrichten konnten, war unsere eigene Hochzeit mit 17 Gästen und dem selbstgekochtem Abendessen in unserer „herrschaftlichen“ 49 qm -Keller Wohnung doch eher „schlicht“ ausgefallen. Immerhin war das Essen reichlich und die Deko individuell witzig gewesen und alle Eingeladenen hatten in lustiger – besinnlicher Weise zu einem wirklich tollem Fest beigetragen. Mein „Hochzeitsoutfit“ (mit Bäuchlein) habt Ihr ja schon im ersten Teil des Hochtzeitspecials „bewundern“ dürfen…

Foto 2

Zurück zur Ritterhochzeit unserer Freunde… Jedenfalls kamen wir also dort an der Burg an. Parkplätze gab es natürlich nicht, so war erst einmal 10 min Fußmarsch den Berg hinauf auf Kopfsteinpflaster mit meinen nicht zu flachen Schuhen angesagt. Prustend kam ich strümpfig  und rotbackig oben an. Meine kunstvoll aufgetürmte Lockenpracht war ob des verschwitzten Kopfes schon ein wenig zusammengefallen und ich spürte, wie das Makeup auf dem Schweißfilm „schwamm“. Vom Brautpaar war weit und breit nichts zu sehen, dafür eine Menschenmenge in Jeans, kurzen Hosen und Fotoapparaten – Die Burg war für den Publikumsverkehr wohl nicht gesperrt worden! Was ich brauchte, war zuerst einmal dringend eine Toilette mit Spiegel um mich wieder in einen halbwegs „normalen“ Hochzeitsgast zu verwandeln. Ich sah mich um. Schließich entdeckte ich das heiß ersehnte Hinweisschild… Ich verabredete mich in zehn Minuten wieder mit meinem Mann an der Stelle, an der wir uns gerade befanden – er sollte schon einmal das Brautpaar suchen! Gesagt, getan. Ob der Touristen und etlichen Stufen hinauf und hinunter hatte ich nach 8 Minuten das „Örtchen“ tatsächlich erreicht. Doch, oh weh! Die Schlange davor betrug circa dreißig Damen, die alle dasselbe Anliegen hatten! Komischerweise war nicht eine holde Maid im Mittelalteroutfit dabei!
Ich wunderte mich etwas. Nun, in Anbetracht der Zeit ging das hier sowieso nicht. Ich kämpfte mich an den Weg zum Spiegel an den geifenden Wartenden vorbei und brachte wenigstens notdürftig mein Make up und die Frisur in Ordnung. Für das „Geschäft“ drückte ich mich selbstbewußt an den Pissoirs benutzendenden Männen vorbei, die mich unverständlicherweise fast handgreiflich davon abhalten wollten, ihr „Hohheitsgebiet“ zu betreten. Einer ganz besonders, „Hören Sie, das geht doch nicht…“ Die Stimme kannte ich doch… oh je, der Bräutigam! Anstatt die Situation auszunutzen und mich zu Erkennen zu geben murmelte ich nur „oh, Entschuldigung“ und machte mit gesengtem Kopf auf dem Absatz kehrt… Mist. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass 18 min vergangen waren, ich also seit 8 min an unserem Treffplatz sein mußte. Jetzt war alles egal. Zurück auf der Frauentoilette lief ich an der Schlange vorbei… als ich, man glaub es kaum, in ebensolcher ein Ritterfräulein entdeckte. War es vielleicht gar die Braut? Ich hatte sie ja nur einmal auf einem Foto gesehen und wir wissen alle, wie das täuschen kann. Die Dame jedenfalls sah nicht so aus, als könnte sie Spaß verstehen. Zudem hätte ich mich nicht gewundert, wenn sie von Beruf Wrestling, eine Art  Showkampfsportart, betrieben hätte. Die Figur dazu hatte sie jedenfalls… Ich mußte ja den Fehler von eben nicht unbedingt wiederholen. Also unterbrach ich meinen Klo-Marathon abrupt auf ihrer Höhe. „Ach Guten Tag, sind sie auch bei der Hochzeit von Mani und Ursel? Wo ist die denn? Ich meine, ähh so – genau?“ Die Antwort kam promt und unmißverständlich. “ Bis jetzt WAR ich Gast, aber wenn ich voraussichtlich bis in einer Stunde das Klo erreicht habe, werde ich hier schneller weg sein, als sie „hallo“ sagen können. Es ist Sch….! Gibt nix zu essen, Kein Platz, Kein Nix und ich bin fast die einzige mit Kostüm! Bin dafür extra HUNDERTFÜNFZIG Kilometer zu einem Kostümverleih gefahren, die so etwas hatten. Ich könnt mich  fünfmal ohrfeigen!“ – Ja, äh, okay…. wo ist den nun der Festsaal?“ – „Festsaal? Na, sie stehen mittendrinnen! Fühlt Euch überall wie zuhause, haben sie gesagt… Es gibt einen kleinen Tisch, rechts unten im Hof, da waren wohl ganz am Anfang einmal drei Kuchen aufgebaut. Sofort hat sich einen Schlange von mindestens hundert Leuten gebildet. Als die ersten dreißig durch waren, war der Kuchen alle… Kaffee schon nach den ersten zwanzig!“

Ich blickte auf meine Uhr. Mein Mann wartete, wenn er überhaupt noch wartete! Bis jetzt genau elf Minuten! Sehnsuchtsvoll blickte ich mit meiner doch sehr drückenden Blase in Richtung Toiletten. So nah und doch unerreichbar. Unbeteiligt blickend ging ich fast meditativ nach vorne… Da! Eine Tür ging auf! Schneller, als irgend jemand schauen konnte, zwängte ich mich hinter der herauskommenden ohje – die zweite Ritterdame – aber das war jetzt egal! –  in die Kabine… Was ich sah, war wahrlich kein schöner Anblick… Ich erspare Euch Details. Draußen hörte ich Empörungsschreie….

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Als ich herauskam wurde ich mehr als einmal „ausversehen“ geschubst, aber wenigstens fühlteich mich „unterherum“ unendlich erleichtert, hatte doch die Fahrt mit Stau alleine viereinhalb Stunden gedauert.  Wieder kämpfte ich mich zurückt. Treppauf, treppapp… verdammt! Wo war ich denn jetzt? Und wo war der Treppenabsatz, an dem ich mich von meinem Mann verabschiedet hatte? Er wartete schon… wenn er noch wartete… dreißig Minuten!!! Wahrscheinlich würde er sich spätestens jetzt auf die Suche nach mir in Richtung Klo machen… ein echter Kack war das… Handys gab es zu dem Zeitpunkt für die breite Masse übrigens noch nicht… Als ich an einem Fenster vorbeikam, blickte mir  – das war jetzt aber echt lustig, ein wandelndes Schoßgespenst entgegen. Mit wirren Haaren, das Make up glich durch die Tränen, die über die Wangen rollten, einem surrealistischen Gemälde… ich brauchte einen Augenblick, um zu erkennen, dass ich das war. Erschöpft setzte ich mich einfach auf den Boden und lehnte meine Wange an die Kühle Wand… ich schloß die Augen und atmete tief durch… „Sag´ mal, was machst Du denn da? “ riß mich jäh die Stimme meines Mannes aus meiner Versunkenheit. „Ich habe mir schon Sorgen gemacht! Geht´s Dir nicht gut?“ Ich sah ihm in die Augen und fing an, verzweifelt zu lachen….

Das Ende der Geschichte? Nun, wir fanden dann doch noch einen kleinen Raum, in dem die „Feier“ stattfand. Draußen im Burghof war „nur“ der Empfang gewesen. Doch hier drinnen wurde es noch wirklich schön. Es gab ein Buffet, von dem man tatsächlich noch etwas ab bekam, zugegebenermaßen war wohl ein Großteil der Gäste bald wieder gegangen… Und die Kleider? Braut und Bräutigam im Ritteroutfit, ebenso die Brauteltern und zwei oder drei andere. Und sonst? Die meisten in Jeans, einige wenige, wie wir, in gemäßigtem „Schick“. Übrigens war die erste Frage, die mir der Bräutigam mit einem Augenzwinkern stellte: Hast Du Dein „kleines“ Problem lösen können? Es scheint ja sehr dringend gewesen zu sein…“ Worauf die Braut,  bevor ich antworten konnte, das Wort ergriff : „Hat sie!“

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Kurz danach kaufte ich mir dann ein Kleid, das mit ein paar entsprechenden Accessoires durchaus auch als Ritterfräulein-Outfit hätte durchgehen können… für diese Hochzeit leider zu spät… und danach kam bis jetzt keine Ritter -Hochzeit mehr – scheint aus der Mode…

 

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Ich bin jemand, der meist positiv und neugierig durchs Leben spaziert. Mich fasziniert das Alltägliche wie auch das Besondere und ich bin dankbar, mich mit den schönen Dingen des Lebens wie mit meiner Familie, Pferden und Hunden, Natur und Medizin beschäftigen zu dürfen. Ich bin eine kleine Fashionista und schreibe und zeichne gerne .. Diese Themen lebe ich auch auf meinem Blog "happinessygirls" aus... Hello, I´m a girl with lot´s of interests: Not only fashion, beauty and lifestyle but also family, animals, medicine , writing, reading and riding.

6 thoughts on “Kurzgeschichte: Besuch einer Hochzeit mit Hindernissen…

  1. Hallo Nessy, WOW was für ein Post – was für ein Reinfall bei dieser Hochzeit! Das ist ein Beispiel für richtige Fehlplanung. Ich wünsch dem Brautpaar auch alles Gute, aber mit ein bisschen Vernunft hätte man schnell drauf kommen können, dass der Dresscode (und einiges mehr, wie man liest) für die Katz ist. Wer hat solche Klamotten im Schrank? Ich hatte auch mal so ein Erlebnis, wir sind aufgetakelt zu einer Hochzeit gefahren (Beginn 19 h, so hieß es) und als wir ankamen, gab es erst um 22.00 h Essen. Ich hätte gern eine Butterstulle in meiner Clutch gehabt 🙂 Aber das Brautpaar konnte nix dafür, denn der Caterer hatte den Termin verschwitzt und erst nach Anruf „WO BLEIBT UNSER ESSEN?!“ schnell was gezaubert, dafür war es noch ganz passabel geraten. Aber diese Hochzeit vergisst auch keiner.
    Ciao Philo
    http://houseofphilo.blogspot.de/

    1. Hallo Philo! Witzig, dass auch du eine „Desaster-Hochzeit“ erlebt hast. Das scheint gar nicht so selten zu sein! Manchmal liegt´s an der Planung, ein anderes Mal an unzuverlässigen Leuten, manchmal an beidem… Da hilft nur, das Beste daraus machen! Aber prinzipiell ist so ein Ablauf (zumindest bei meinen „Ritter-Freunden“) eben oft auch das Problem bei den „ganz coolen“ Künstler-Naturen. Sie haben oft richtig gute Ideen, aber die Realisation mit systematisch-langweiligem Vorgehen ist ihr Ding nicht…
      Ich wünsch´ Dir eine schöne, fröhliche Woche, Nessy

      1. Hallo Nessy, ich denke das ist oft Überforderung, weshalb manche Brautpaare so einen Weddingplaner bezahlen, der sich um alles kümmert. Heiraten ist halt Stress 🙂 Würde ich nochmal heiraten, würde ich gar keine Feier mehr machen, ganz ehrlich. Das sieht mein Mann genauso. Ab in den Urlaub… auch wenn die liebe Verwandtschaft mault. So haben wir es bei der Silberhochzeit auch gehalten.

      2. Hallo Philo, ja da hast du sicher Recht. Aber ich denke, so eine Hochzeit kann schon auch toll gemacht sein, wenn vielleicht auch mit Wedding-Planer. Wir hatten ja aus zeitlichen und finanziellen Gründen (wir konnten wegen meines Bäuchleins nicht soo lange warten…) nur eine Mini-Hochzeit und wollten das nachholen. Hat leider nie geklappt. Seufz! Dabei hätte ich schon gerne einen Tag Prinzessin gespielt… Wir haben dann eine tolle Tauffeier beim 2. Kind gemacht, mit Kutsche und Romantik Hof und PiPaPo – freue mich, ehrlich gesagt, jetzt noch darüber… Aber prinzipiell sollte man so eine Feier nur machen, wenn man gerade wirklich Lust dazu hat. Wenn ich die Silber-Hochzeit erreiche, feiere ich sie aber, glaube ich zumindest jetzt, auch nicht. Da fließt aber noch etwas Wasser die Saar hinunter… oder die Fulda in Kassel (irgendwie hab´ich im Kopf, dass du in Kassel wohnst, stimmt das?). Grüße, Nessy

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