Warum sind wir so fasziniert von der Geschichte des relativ plötzlich verstorbenen Auswanderers Jens Büchner?

Titelbild:  C by 9EkieraM1

Heute Abend habe ich seit langen wieder einmal ferngesehen. ,,Goodbye Deutschland“.  Warum? Fragt mich nicht! Ich weiß es auch nicht genau.  Weder habe ich diese Sendung früher gesehen, noch habe ich mich irgendwie für jenen Jens Büchner interessiert, um den es dort, von den Medien und auch meiner Tageszeitung groß angekündigt, ging. Denn eigentlich war mir nur bekannt, dass er  ein untersetzter Hüne war, der mehr schlecht als recht gesungen hat und auch sonst nichts an sich hatte, was sich mit meinen Interessen gedeckt hätte – jedenfalls bis heute Abend nicht!

Glück und Unglück lagen Bei Jens Büchner immer eng zusammen …

Seine Geschichte ist eigentlich schnell erzählt. Zuerst und zwischendurch häufig vom Pech verfolgt, verbuchte er auch immer auch wieder Erfolge – nicht nur im Liebesleben mit Frau Danny und kurz darauf bei der Geburt von Zwillingen, sondern auch bei einer Gesangskarriere am Ballermann!

Ein Leben vor der Kamera… Der Sender VOX war überall dabei!

Begleitet wurde diese ,,Erfolgsstory mit Hindernissen“ während insgesamt acht Jahren  vom Sender VOX in einer Reality-TV-Show. Dann jedoch das unerwartete Ende letzen November: Innerhalb kürzester Zeit verstarb der sympathisch-schusselige Protagonist an Lungenkrebs und hinterließ neben seiner im TV geehelichte Frau Danny  seine ebenfalls unter relativ tragischen Umständen geborene zweijährigen Zwillinge, einen  achtjährigen Jungen und weitere Stiefkinder…

Bis dahin war er in meinen Augen ein  Entertainer gewesen, der davon profitiert hatte, dass das Publikum jemanden, der so ist, wie es selbst und es dennoch geschafft hatte, nach ,,oben“ zu kommen, mehr anhimmelt, dem Schönling, dem alles scheinbar zufliegt und der auf sein Publikum ,,herabsieht“, wie viele andere aus der Musikbranche.

Und genau letzteres hatte dieser Jens nie getan. Er blieb authentisch, ja schien sich für nichts zu schämen. Mehr noch, vor laufender Kamera ließ er, so gewann man zumindest den Eindruck, kaum einen Fettnapf aus.

Für den Erfolg gab Jens Büchner alles, denn er glaubte bis zum Schluss nicht, ihn verdient zu haben …

Er selbst liebte den Erfolg, liebte die Nähe seiner Fans, wenn sie mit ihm fotografiert werden wollten, sonnte sich in ihrer Zuneigung und sog sie in sich auf.

Für dieses ,,geile Gefühl“ war er dankbar und nahm dafür auch klaglos hin, wenn ihn die Leute in den Medien wie Facebook oft in endlose vielen Kommentaren böse beschimpften und  zerrissen. Denn tief im Inneren  hatte er wohl das Gefühl, den Erfolg nicht verdient zu haben, ja betrachtete sich als etwas, was es so eigentlich nicht geben dürfte …

Klar wurde das spätestens bei seinem letzten Auftritt. Einen recht großen Nummer vor 30 Tausend  Zuschauer in Oberhausen.

 

… dabei überschritt er die  Grenze!

Dort betrat er, wie man in der Sendung heute beobachten konnte,  die Bühne sinngemäß mit mit folgenden Worten: ,,Ich hab´ne Hackfresse und kann nicht singen und trotzdem bin ich hier, ist dass nicht obergeil?“

Doch, obergeil, Jens … aber wer genau hinsah, sah, wie schlecht es ihm schon da gegangen sein muß. Die Schmerzmittel reichten nicht mehr, man glaubte an Magengeschwüre … ,,Schon wirklich blöd!“, schießt es mir durch den Kopf.

Irgendwie hat mich die Geschichte tatsächlich so sehr fasziniert, dass ich mir das heute Abend (fast) ganz angesehen habe.

Immer noch weiß ich eigentlich nicht, warum … Weil dieser Jens immer durchgehalten hat? Weil er gezeigt hat, dass für ihn nur diese Steh-auf-Männchen-Mentalität zählte, bis es nicht mehr ging? Weil alle Kritik, die man an ihm hatte, durch seinen Tod plötzlich alle Bedeutung verloren hat?

Warum mir die Geschichte von Jens tatsächlich so wichtig ist

Weil uns, sind wir ehrlich, das Leid anderer auch deshalb so fasziniert, weil wir es spüren und gleichzeitig die Absolution erhalten, dass es ja nicht uns betrifft … Nein, wir sind verschont, von dieser tödlichen Diagnose, vor der wir alle Angst haben … Und dafür sind wir dankbar. Und sind froh, dass es einen Jens getroffen hat und nicht uns!

Und sehen gleichzeitig das  Menschliche hinter dieser Tragikkomödie das in dieser allzu perfekten Welt einfach guttut.

Vielleicht hätte ich das so ehrlich nicht schreiben dürfen, aber es ist einfach so.  Jens wusste das und hat die Rolle bis zum Schluss mitgespielt und die Leute fühlten sich gut dabei. Nur der Preis, den er gezahlt hat, war verdammt hoch …

In diesem Sinne wünsche ich seiner Familie alles Gute und dass sie die Normalität zurückerhält und sie die Kraft findet, auch wenn sein Ruhm verblasst, aus eigener Stärke heraus weiterzumachen!

Denn auch das zeigt die Geschichte: Er war für das Wohl vieler verantwortlich. Menschen, die die Verantwortung gerne an ihn abgaben, weil es leicht ist, jemand anderen für sein eigenes Glück verantwortlich zu machen. Viel leichter, als selbst kämpfen zu müssen und die Verantwortung nicht zu teilen!

Auch Euch, liebe Leser, wünsche ich viel Kraft, Euer Leben gut zu meistern – und verurteilt mich nicht, weil ich heute tatsächlich einmal über jemanden geschrieben habe, der eigentlich als ,,nicht gesellschaftsfähig“ galt, denn in seiner tragischen Geschichte liegt ein wenig der Geschichte von jedem einzelnen von uns … Wie heißt es so schön: It´s still the same old Story, a fight for love and glory, a case of do or die ….

Alles Liebe,

Eure Nessy

2 Kommentare zu „Warum sind wir so fasziniert von der Geschichte des relativ plötzlich verstorbenen Auswanderers Jens Büchner?

  1. Liebe Nessy, Du hast mit allem recht. Trotzdem fasziniert mich das Leid anderer Menschen nicht. Wahrscheinlich habe ich schon zu viel davon in jungen Jahren erlebt, auch als Ersthelfer. Ich fahre nicht langsamer, um mir Unfälle anzusehen, ich sehe weder Auswanderer Sendungen, noch welche über dumpe Millionäre, aber ich kann verstehen, wieso dies so erfolgreich ist. Damit soll es mit meiner Meinung hier gut sein. Beste Sonnengrüße aus Marburg!

  2. Liebe Nessy, ich glaube dass einer wie Jens Bücher nicht umsonst im TV ist. Gar nicht mal wenige scheinen seine Geschichte mit großem Interesse verfolgt haben. Das Leben andere fasziniert. Vielleicht besonders, wenn es einem fremd ist und man das eigene selbst ganz anders lebt.
    Liebe Grüße
    Mitzi

Schreibe eine Antwort zu Arno von Rosen Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.