Gynäkologie: Wie lange ist eine Frau fruchtbar? Wie lässt sich die Fruchtbarkeit abschätzen? Moderne protektive Methoden für den bewußten späten Kinderwunsch

Hallo Ihr Lieben!

unnamed (25)

Auch wenn ich es jeder einzelnen meiner Patientinnen von Herzen gönnen würde und ich auch oft nicht so ganz verstehe, wieso die Natur es ,,wieder ´mal “ so kompliziert machen mußte!

Leider ist ein Baby kein Päckchen, das man dann bestellt, wann  es einem gerade in den Kram passt und es dann, nachdem man sich ein einziges Mal so richtig schön am Karibik-Strand vergnügt hat, exakt  9 Monate nach diesem ,,epochalen Ereignis“ und einer Bilderbuch-Schwangerschaft,  nach einer Orgasmus-gleichen, natürlich schmerzfreien, einmalig schönen Geburt, als ein herzallerliebstes Etwas mit  rosigen Bäckchen und nachts durchschlafend, in unseren Arm gelegt  bekommen! Nein, sorry so läuft das ganz und gar nicht! Den Preis für dieses ,,Wunder“ hat das Leben deutlich höher angesetzt!

Auch wenn es tatsächlich solche Fälle gibt – zumindest vom Hörensagen! So soll eine Kollegin tatsächlich einmal so eine Patientin gehabt haben, die nicht das klitzekleinste Problemchen bei ihrer Schwangerschaft hatte – vom schwanger werden bis hin zu einer schnellen, schmerzlosen Geburt – allerdings war das die heimliche Sensation auf der ,,Medizinischen  Woche“ in Baden Baden vor drei Jahren gewesen!

Ihr seht, hier und da zumindest ein wenig Diskomfort sind leider Realität! Grund genug, sich gut zu informieren, dass man Probleme zumindest da abwenden kann, wo sie abzuwenden sind!baby

Dazu gehört, sich bewußt zu machen, dass die Chance, ein schrumpeliges, schreiendes, herzallerliebstes Bündel nach Stunden oder Tagen ,,schwerer Arbeit“, in den Armen zu halten,  ab 35 rapide sinken!

Denn statistisch gesehen, liegt die Wahrscheinlichkeit , in einem Zyklus schwanger zu werden, bei einer 25-30 jährigen Frau bei 23% und sinkt bei einer 35-jährigen bereits auf 16% ab, während sie eine 40 jährige Frau nur noch bei 5% liegt! Das bedeutet, dass es zum Beispiel nur einer von 6 Frauen in Alter von 35 Jahren gelingt, in einem Zyklus schwanger zu werden. Hat eine Frau im Alter von 35 Jahren hingegen schon ein Jahr vergeblich versucht, schwanger zu werden, gelingt ihr das dann nur noch in 6% der Fälle pro Zyklus!

Deshalb sollte man sich im Klaren sein – und (fast) alle Mütter werden mir da beipflichten – das eine ,,normale Schwangerschaft“ heutzutage in der Realität oft bedeutet, dass bereits das Schwanger – werden etliche Versuche, Tage zählen  und viele ,,Mühen“ des ,,unromantischen Sex“ gekostet hat!

Nicht zu sprechen von der  Schwangerschaft selbst,  die man in er ersten Zeit oft über der Kloschüssel verbringt, dann aber auch stolz und tapfer seine ,,strampelnde Mutterkugel“ mit dicken Knöcheln durch die Gegend schleppt, bevor man nach etwa drei ,,Fehlalarmen“  die Geburt ,,außerhalb der geplanten Badewanne“ an den Rand des Möglichen bringt …

Bei Euch war´s dann doch nicht ganz so schlimm? Super, das freut mich wirklich für Euch, dann seit Ihr eindeutig über dem Durchschnitt! Oder aber, und das ist wahrscheinlicher, hat Euch der Oxytocin-Schub der Geburt alles vergessen und durch die rosarote Brille sehen lassen! Denn das hat die Natur dann doch wieder gnädig eingerichtet …

Aber genug der Polemik!  Natürlich gibt es in der Schwangerschaft auch viele wunderbare Momente und wenn das Baby da ist, ist das wirklich für viele der schönste Moment im Leben! Ganz zu schweigen von dem ,,Wunder des Lebens“ das sich für einen selbst immer ,,besonders“ anfühlt! Und es gibt kaum eine Mutter, die es jemals bereut hat, dieses kleine süße Bündel in die Welt gesetzt zu haben, das es so selbstverständlich schafft, einen völlig selbstlos auf Trab zu halten und sich dabei oft so glücklich zu fühlen!

Immer später bekommt eine Frau heute ihr erstes Kind! Die Presse macht es uns vor – auch mit weit über 40 ist es scheinbar noch problemlos möglich!

Leider sieht aber die Realität anders aus. Nicht selten sind diese ,,späten“ Kinder aufgrund einer Eizellspende geboren und  das täglich Brot der Gynäkologen ist die Behandlung bei unerfülltem Kinderwunsch. Deshalb wird ,,uns“ Frauenärzten empfohlen, die Frau um das 30. Lebensjahr, wenn sie noch keine Kinder hat, darauf aufmerksam zu machen, dass eine Schwangerschaft zu einem späteren Zeitpunkt eventuell problematisch werden könnte.

Um diese abzuschätzen, besteht die Möglichkeit der Prüfung der sogenannten  ,,ovariellen Reserve“ , die Aussage über den Stand der Fruchtbarkeit gibt. Je nach Ergebnis hat die Frau dann die Möglichkeit, ihren Lebensentwurf daran anzupassen.

 

Was im Körper passiert, wenn er unfruchtbar wird

Dem zugrunde liegt, dass die Zahl der Eizellen begrenzt ist und die Frau  jeden Monat ca. 1000 Follikel verliert. Aber nicht nur die Quantität, auch die Qualität sinkt mit dem Alter.

Auch gibt es eine große Schwankungsbreite des Verlustes der Fruchtbarkeit, die in Einzelfällen schon ab dem 23. Lebensjahr beginnt. Mit 51 Jahren sind dann nahezu alle Frauen unfruchtbar und nicht mehr in der Lage, spontan ein Kind zu gebären. Meist ist die Frau bereits ca. 10 Jahre vor Ausbleiben der Regel nahezu infertil. Natürlich bestätigen Ausnahmen  die Regel, allerdings war die älteste Frau, die mein Mann oder  ich in 20 Jahren ,,spontan schwanger“ erlebt haben, 48 Jahre alt und selbst das ist extrem selten!booties-2047596__340

Bereits ab dem Alter von 35 Jahren beginnt bei vielen Frauen das Progesteron signifikant abzunehmen. Das Follikel kann in der zweiten Hälfte nicht mehr richtig heranreifen und das Endometrium fängt bereits früher an, abzubluten, was sich in Schmier- und Zwischenblutungen zeigen kann (verkürzter Zyklus). Das sind oft erste Indizien, aber auch das sogenannte ,,Prämenstruelle Syndrom“ mit Kopfschmerzen, Brustspannen und Gereiztheit können die ersten Anzeichen eines Hormonmangels sein.

Etwas später nimmt auch das Östrogen ´ ab. Normalerweise steigt es in der ersten Zyklushälfte an und löst dann indirekt den Eisprung aus. Wird das Ei nun befruchtet, steigt es weiter an! Ansonsten fällt es wieder langsam ab. Besonders Frauen in den Wechseljahren kennen die Auswirkungen des Östrogenmangels wie Hitzewallungen,  Müdigkeit und auch Gereiztheit.  Zyklusunregelmäßigkeiten (verlängerter Zyklus) sind ein Hinweis auf  einen Mangel.So bedeutet ein verlängerter Zyklus, dass der Eisprung verspätet oder nicht mehr stattfindet.

 

Wodurch kommt es zu einem früher Verlust der Fertilität?

Dies kann durch folgende klinische Risiko-Faktoren bedingt sein:

  • Endometriose (Versprengung von Gebärmutterschleimhaut)
  • Polycystisches Ovar-Syndrom
  • Schilddrüsenfunktionsstörungen
  • Magersucht
  • extremer Leistungssport.
  • operative Eingriffe an den Geschlechtsorganen, insbesondere der Eierstöcke/Eileiter
  • Chemotherapie bei malignen Erkrankungen  (,,Krebs“)
  • wiederholte Entzündungen der Eierstöcke
  • Rauchen (im Durchschnitt 4 Jahre früher Menopause)
  • Übergewicht
  • Pillen-Einnahme? (AMH-Wert sinkt)
  • Familiäre Disposition?

Achtung: Nur rund 50 % der Frauen mit dem Risiko  einer eingeschränkten ovariellen Reserve weisen auch klinische Risikofaktoren auf!

 

 

Bestimmung der Fruchtbarkeit

adult-18604_960_720Zur Beurteilung der Fruchtbarkeit spielt natürlich in erster Linie das Alter eine zentrale Rolle, wenn auch die Chancen auf eine späte Schwangerschaft  in letzter Zeit gewachsen sind. Dies liegt aber nicht nur daran, dass die Frau heutzutage biologisch oft jünger ist, sondern auch an den modernen medizinischen Möglichkeiten, angefangen von einer leichten hormonellen Unterstützung bis hin  zur Eizellspende oder gar Leihmutterschaft, die auch jenseits der 40 vielen Frauen dazu verhelfen, sich auch noch in späten Jahren den Traum vom Mutterglück erfüllen zu können!

Dennoch gilt leider, dass je älter eine Frau ist, umso schlechter die Qualität íhrer Eizellen ist und umso häufiger auch chromosomale Defekte und Fehlgeburten sind (25-29 Jahre: spontane Abortrate 11,9%, 40-44 Jahre 51%).

Natürlich wird der Gynäkologe die Patientin zunächst genau befragen (Anamnese), ob es Hinweise für Risikofaktoren einer frühen Menopause gibt (siehe oben). Dann folgt  eine körperliche Untersuchung mit Ultraschall sowie eine Laboruntersuchung mit einer  Überprüfung der allgemeinen Parameter wie z.B. kleines Blutbild und Elektrolyte,   aber auch der Hormonwerte wie z.B. Schilddrüsenwerte, denn auch eine Unterfunktion oder Überfunktion können sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken! Last not least bedarf es einer genauen Untersuchung der weiblichen Geschlechtshormone (z.B. LH, FSH, Östradiol, Progesteron, Testosteron, DHEA,… . ) In letzter Zeit hat man einige spezifische Laborparameter entdeckt, auf die ich im folgenden  genauer eingehen.

Spezifische Laborparameter in der Fruchtbarkeitsdiagnostik:

Das Anti-Müller-Hormon (AMH) spielt für den Zellwachtum eine wichtige Rolle und es verhindert die Rekrutierung ,,nicht dominanter Follikel“.  Es korreliert mit der sinkenden Anzahl nicht wachsender Follikel wird von den kleinen Follikeln bis 8 cm Größe gebildet, die den FSH-unabhängigen Eizellpool darstellen und sind ein Maß für die verbleibende Eizellreserve und kann unabhängig vom Zyklustag gemessen werden.  Ab dem Zeitpunkt des 25. Lebensjahres fällt er kontinuierlich ab. Je nach Testverfahren sprechen Werte unter 1 ng/ml, 0,7 ng/ml oder 00,55 ng/ml für eine eingeschränkte Reserve. Diese unterschiedlichen Referenzwerte sind zugleich die Crux dieses Verfahrens, deshalb ist bereits ein Test auf dem Markt, der eine Abschätzung der fertilen Phase mittlels Perzentilenkurven trifft (Ivory).

Das Follikel stimulierendes Hormon (FSH) ist ein Maß für die zyklusabhängige Reserve des Eierstockes und wird am zweiten bis fünften Zyklustag gemessen.Ein Anstieg des Wertes bedeutet dabei eine Abnahme der Fertilität und beginnt bereits etwa 10 Jahre vor dem Einsetzten der Menopause. Das Problem dabei sind stark schwankende Werte, die die Interpretation problematisch machen.

Das Antraler Follicle Count (AFC): Bei der Bestimmung diesen Wertes wird die Anzahl der 2-10 mm großen vorhandenen Eizellen  in den Eierstöcken  zwischen dem zweiten und fünften Menstruationstag mittels Ultraschall gemessen, allerdings ist das Ergebnis stark vom Untersucher und vom Gerät abhängig! Ab 12 Follikel wird die Diagnose Polycystisches Ovar (PCO) gestellt, allerdings wird die  Anhebung des Wertes auf 19 diskutiert. Allerdings ist diese Methode für Routinescreening noch nicht einheitlich genug geregelt.

Welche Möglichkeiten gibt es nun, wenn die Werte suboptimal sind, man aber erst später ein Kind möchte?

cot-1991826_960_720Natürlich hält die Wissenschaft hier mittlerweile Möglichkeiten bereit, die allerdings, zumindest heut noch, in Deutschland meist Krebs-Patientinnen vorenthalten bleiben!

Deshalb lautet meine eindeutige Empfehlung in diesem Fall der sich ankündigten eingeschränkten Fertilität, über eine Änderung seiner Lebensplanung nachzudenken! , Ansonsten trägt man das Risiko, auf seinen Kinderwunsch verzichten zu müssen!

Schon aufgrund dieses Konfliktes wird übrigens auch die Testung der ovariellen Reserve von manchen meiner Kollegen kontrovers diskutiert! Denn es kann sein, dass eine Frau aufgrund dieser,,hypothetischen Vorhersage“ ihre Lebensplanung ändert und dadurch in einen Konflikt gebracht wird, den man einfach durch Nicht-Testung hätte vermeiden können! Ein interessantes Thema, zu dem Ihr mir gerne eure Meinung schreiben könnt!

Aber reden wir nicht um den heißenBrei herum, sondern legen wir unser Augenmerk auf die

Protektiven Möglichkeiten bei ,,bewußtem“ späteren Kinderwunsch

 

Allen voran steht natürlich die aus der Yellow Press bekannten

  • Kryokonservierung von unbefruchteten oder imprägnierten Eizellen oder die
  • Kryokonservierung von Embryonen nach hormoneller Stimulation.

Im Falle einer Krebserkrankung kann man mittlerweile übrigens auch

  • Ovargewebe entnehmen, kryokonservieren und rück-transplantieren, während die
  • In-vitro-Reifung von Eizellen aus entnommenen und kryokonserviertem Ovargewebe, genau wie die
  • Uterustransplantation noch in den experimentellen Kinderschuhen steckt. Die
  • Eizellspende ist wie die
  • Leihmutterschaft in Deutschland aufgrund des Embryonenschutzgesetzes nicht möglich

Natürlich sind diese Methoden weder einfach noch billig noch mit hohen Erfolgsquoten versehen, können aber in Einzelfällen den Wunschtraum des eigenen Kindes doch noch erfüllen!

So, ich hoffe, für heute habe ich Euren Informationshunger gestillt! Demnächst folgt  in dieser Reihe eine umfassende Info über Fertilitätsbehandlungen, in denen ich aktuelle Methoden vorstelle, wenn es mit dem Wunschkind nicht auf Anhieb klappen sollte!

Allerdings bringe ich vorher noch Tipps für den Wunschtraum von langen Haaren …

pexels-photo-247304

Alles Liebe bis bald, Eure Nessy

 

Weiterführende Literatur:

  • Just, Alexander: Weibliche Fertilität und Alter: Update zur Beurteilung der Eierstocksreserve, Gynäkologie +Geburtshilfe Nr. 5, S.24-26 10/2017
  • Goeckenjan, Maren, Glass, Katrin u.a.: Kinderwunsch bei Krebspatientinnen: Fertilitätsprotektion vor onkologischer Therapie, Gyn. + Geb. Nr.5 S.28-32 10/2017
  • Thomas Weiss: Ökonomische Bestimmungsgrößen der Fertilität in westlichen Industrieländern (= Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Sonderheft 5). Wiesbaden 1986, ISSN 0178-918X.
  • Ulla Rahn-Huber: Kursbuch Wechseljahre. 4. Auflage, Südwest-Verlag, München 2005, ISBN 3-517-06399-1.
  • Gerhard Thews, Peter Vaupel: Vegetative Physiologie. 5. Auflage, Springer, Heidelberg 2005, ISBN 3-540-24070-5.
  • Rainer Wehrhahn; Verena Sandner Le Gall: Bevölkerungsgeographie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG), Darmstadt 2011, ISBN 978-3-534-15628-3, S. 26–36.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kate Middleton ist´s, Michelle Hunzicker ist´s – nur ich werd´ nicht schwanger !

a1

Tipps und Tricks zum Schwangerwerden

Hanna hatte alles geplant. Zuerst die Ausbildung zur Bürokauffrau in einem gut situierten, mittelständischem Betrieb, dann wurde sie auch noch übernommen. Als sie sich dann in den neuen Abteilungsleiter verliebte, schien das Glück perfekt. Nach einem halben Jahr folgte die Hochzeit nach einem super romantischen Heiratsantrag im Heißluftballon… Das war jetzt zwei Jahre her. Obwohl das Kinderzimmer in dem neuen Reihenhäuschen längst liebevollst eingerichtet war, tat sich in dieser Beziehung -im wahrsten Sinne des Wortes – nichts!!!

Clearblue – Berechnungen, Vitamine, Spermiogramme, Eileiterdurchspülung, Clomifen-Therapien – ohne Ergebnis. Und dabei konnte der Gynäkologe noch nicht einmal sagen, woran es lag. Alles schien eigentlich in Ordnung  zu sein. Aber selbst die dreimonatige Mönchspfeffer-Behandlung blieb ohne Erfolg. Hannas Freundinnen redeten von „Psyche“, die Schwiegermama von „schlechten Genen“, denn in Ihrer Familie gab´s da nie Probleme. Hanna war verzweifelt. Lust auf Sex hatte sie schon lange nicht mehr. Eisprung ja, Eisprung nein, Follikelanzahl  und Größe, Hormonstatus und zuletzt sogar Spritzen zur Auslösung des Eisprungs bestimmten ihr Leben. Sie hatte auf gut Deutsch gesagt, keinen Bock mehr und als Ihr Liebster mit der obligatorischen Champagnerflasche ankam („heute ist doch der 13. Zyklustag“) sprang sie aus dem Bett, zog den Jogginganzug an und verließ mit einem Türenknallen das Schlafzimmer.

 ff333

Hannas weiterer Werdegang ist schnell, wenn auch etwas ungewöhnlich erzählt: Sie zog sich von ihrem Partner erst einmal etwas zurück. Dieser gab sich sehr viel Mühe, seiner Frau zu zeigen, wie wichtig SIE für ihn war. Obwohl die beiden keinen Sex mehr hatten, entwickelte sich die Beziehung, ganz langsam, in eine neue Richtung, die von gegenseitigem Verständnis und neuen Erfahrungen, die nichts mit dem Kinderwunsch zu tun hatten, geprägt war. Bei dem nächsten gynäkologischen Kontrolltermin war plötzlich von Kinderwunsch keine Rede mehr. Auf mein vorsichtiges Nachfragen gab sie an, das Ganze habe ihre Beziehung doch sehr belastet und sie habe es gar nicht gemerkt.

Erst jetzt habe sie ihren Partner richtig kennengelernt und sie sei einfach nicht für Kinder geeignet,  weil sie nur so ein tolle Beziehung mit der Verwirklichung ihrer Ziele Leben könne. Ein Kind hätte sie, das habe sie jetzt begriffen, nur daran gehindert. Deshalb sei alles gut so wie es sei. Außerdem,  sie schmunzelte, müsse sie ja nicht verhüten… was das ganze noch vereinfache. Umso erstaunter war ich, als ich beim Routine-Ultraschall ein kleines weißes Pünktchen umhüllt von schwarzem Fruchtwasser in der Gebärmutter entdeckte! Das Kind hieß übrigens Damian (=göttliche Kraft, Schicksal) und war trotz der Ansage,  die kurz vor seiner Entdeckung gemacht wurde, ein absolutes Wunschkind…

So oder so ähnliche Geschichten kommen in der Praxis immer häufiger vor, oft mit nicht so positiven Ausgang wie bei der Geschichte von Hanna  bis hin zur Zerstörung der Beziehung. Aber wie kann man dem entgegenwirken?

In Deutschland bleiben ca 12-15%der Ehen ungewollt kinderlos, in 30% liegen die Ursachen bei der Frau, in 30% beim Mann in 30 % sind beide beteiligt und in 10 % kann die Ursache nicht geklärt werden.

Egal ob eine sogenannte

primäre Sterilität vorliegt (d.h. trotz Kinderwunsches wird die Frau innerhalb eines Jahres nicht schwanger),

– eine sekundäre Sterilität vorliegt (d.h., die Frau war schon einmal schwanger, kann aber dann länger nicht mehr schwanger werden) oder eine

Infertilität (Schwangerschaft tritt ein, kann aber nicht ausgetragen werden) vorliegt,

führt der Arzt eine Reihe von Untersuchungen durch (auch der Mann muß selbstverständlich untersucht werden) und dann wird er – je nach Untersuchungsergebnissen in Absprache mit dem Paar eine geeignete Behandlung vorschlagen. Unter Umständen kann eine Schwangerschaft sehr schnell eintreten, insbesondere dann, wenn die Ursache des Nicht-Schwangerwerdens relativ einfach war.

In anderen Fällen, insbesondere, wenn schwerwiegender krankhafte Veränderungen vorliegen, kann es länger und komplizierter sein, bis das Wunschkind in der Wiege liegt. Manchmal muß man sich auch damit abfinden, dass eine Schwangerschaft gar nicht (mehr) möglich ist, vielleicht bleibt ja dann der Weg über eine Adoption oder eine Pflegekind…

 URSACHEN VON INFERTILITÄT

  • Veränderungen des Vaginalsekrets oder des Zervixschleims
    • Immobilisierung der Spermien z.B. durch zu niedrigen pH-Wert des Vaginalsekrets
    • Beeinträchtigung der Überlebensfähigkeit und Beweglichkeit der Spermien z.B. durch veränderte Beschaffenheit des Zervixschleims (siehe auch: Kremer-Test)

Diese und auch andere Punkte wird man der Reihe nach durchgehen und wenn notwendig, behandeln.

Auch wenn primär erst einmal nicht klappen will, so kann man doch einiges unternehmen, um das Eintreten einer Schwangerschaft zu unterstützen.

1. Das optimale Alter, schwanger zu werden liegt zwischen ca 20 und 25 Jahren, danach dauert es statistisch gesehen länger, bis man schwanger wird. Natürlich spielen auch noch viele anderen Faktoren eine Rolle..

2. Eine optimale Lebensführung mit mäßigem Sport zur Förderung der Durchblutung, mit einer guten, ausgewogenen Ernährung beider Partner und Regelmäßigkeit von Schlaf und Ernährung kann eine Schwangerschaftsentstehung begünstigen. Hormone reagieren oft im zeitlichen Verlauf („circandianer Rhythmus“, z. B. beim Kortison). Die Hormone beeinflussen sich gegenseitig. Diese  Theorie ist  zwar ein wenig langweilig, trotzdem erzähle ich Euch etwas darüber, damit Ihr eine  Vorstellung bekommt, wie das mit dem Schwanger-werden klappt.

Ovarieller Regelkreis: Hormonelle Störungen können bereits eine Ursache der Unfruchtbarkeit sein.

In dem Regelkreis mit den Stationen Hypothalamus – Hypophyse – Ovarien sind mehrere hormonale Signale eingeschaltet. Vom Hypothalamus ergeht eine hormonelle „Botschaft“ an die Hypophyse die diese anweist, ebenfalls Botenstoffe auszusenden, deren Adressat die Ovarien sind. Im Zuge der Eizellreifung werden vom Follikel Hormone wie insbesondere Estradiol gebildet, die die oberen Zentren über den Fortgang der Follikelentwicklung informieren. Damit schließt sich der Regelkreis.

Der Hypothalamus (Teil des Mittelhirnes)-  ist die übergeordnete Schaltzentrale im Gehirn, er reguliert Wasser-, Salzhaushalt und Blutdruck und hält unsere Körpertemperatur konstant und regelt die Nahrungsaufnahme. Er beeinflußt unser Sexualverhalten und bestimmt, wann wir schlafen und wann wir wach sind. Außerdem ist er ein wichtiges Steuerorgan innerhalb des Hormonsystems, denn er reguliert, wann welche Menge eines Hormons gebildet wird. Deshalb ist er auch für die ganze Regulation des weiblichen Zyklus verantwortlich. Er  setzt pulsatil das sogenannte GnRH (Gonadotropin-Releasing Hormon) frei, das wiederum andere Hormone stimuliert. Daneben wird übrigens auch Dopamin freigesetzt, welches hemmend auf den HVL (=Hypophysenvorderlappen) wirkt, es verhindert die Freisetzung von Prolaktin.

Die Hypophyse  ist eine Umschaltstation für die Signale aus dem Hypothalamus :  Durch das vom Hypothalamus kommende GnRH  wird FSH (Follikel stimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon -fördert den Eisprung und die Gelbkörperbildung) auch pulsatil aus dem HVL freigesetzt, ebenso Prolactin – die Empfänger sind die Eierstöcke bzw. die Hoden, die Schilddrüse und die Nebennierenrinde (man sieht, dass viele Vorgänge ineinandergreifen).
In dem Regelkreis mit den Stationen HypothalamusHypophyseOvarien sind mehrere hormonale Signale eingeschaltet. Vom Hypothalamus ergeht also eine hormonelle „Botschaft“ an die Hypophyse die diese anweist, ebenfalls Botenstoffe auszusenden, deren Adressat die Ovarien sind. Im Zuge der Eizellreifung werden vom Follikel Hormone wie insbesondere Estradiol gebildet, die die oberen Zentren über  den Fortgang der Follikelentwicklung informieren.

  • – Die  Ovarien (EIerstöcke): In ihnen sind jeweils pro Zyklus nur einige bestimmte Strukturen an der Eizellreifung beteiligt. Das sind die heranwachsenden Eizellen und Zellen, die die Eizelle umhüllen. Sie werden zusammen als Follikel bezeichnet.
  • Es gibt verschiedene Ursachen der Ovarialinsuffizienz, die durch Hormonentnahme von 5 Hormonen zwischen dem 3. und 7. Zyklustag  einfach erfaßt werden können (FSH, LH, DHEAS, Prolactin, Testosteron) und die dann dementsprechend behandelt werden können.
ff22

Wie die Düfte zweier Menschen zusammenpassen müssen, so kann es auch zu einer Spermienunverträglichkeit kommen, bei der sich Antikörper gegen sie bilden und eine Befruchtung nicht stattfinden kann…

 Die normale Menstruationszyklus dauert ca. 28 Tage (+/-3-5 Tage), die Blutungsdauer ca 3-5 (-7) Tage. Der Eisprung (Ovulation) findet am 14. Zyklustag statt. Die Blutung markiert Anfang und Ende des Zyklus. Für einen Zyklus mit Eisprung ist ein biphasischer Verlauf typisch. In den ersten 12-14 Tagen(Follikelphase) kommt es zum Aufbau (Proliferation) der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium). Die  sog. Basaltemperatur ist morgens bei dem Aufstehen um 36,5 Grad C und steigt um den 14. Tag typischerweise an. Deshalb kann man durch Messen Temperatur  schon Aussage über den Eisprung bekommen. Danach schließt sich die Corpus-luteum Phase an, die mit 13-14 Tagen in der Regel stabiler als die Follikelphase ist. Kommt zur Zyklusmitte Progesteron hinzu kommt es zur sekretorischen Transformation. Das Absinken der Hormone löst die menstruelle Blutung aus. Die normale Menstruation ist also eine Progesteronentzugsblutung.

WICHTIG ZUR EMPFÄNGNIS SIND NEBEN DER THEORIE FOLGENDE DINGE:

1. Das Führen eines Zykluskalenders mit Eintrag der Blutungstage und Temperaturkurve gibt Auskunft über groben Zeitpunkt des Eisprunges. Wichtig ist die Tatsache, dass das Ei nach dem es gesprungen  ist, nur wenige Stunden befruchtungsfähig bleibt, die Spermien sind bis zu drei Tagen „haltbar“. Das bedeutet wiederum, dass das traute Beisammensein VOR dem Eisprung sinnvoller ist als danach (z.B. 11.-13. Zyklustag).

2. Günstig ist es, nach der „Happy Time“ noch ein wenig liegen zu bleiben. Wenn möglich, das Becken leicht erhöht gelagert. Grund?  Die Spermien sollen ja nicht gleich wieder nach draußen laufen sondern nach innen…

3. Über Alter und Lebensführung haben wir schon gesprochen, aber auch das Ambiente ist wichtig. Wir wollen es ja möglichst schön haben… andererseits soll das Ganze auch keinen Zwangcharakter haben… Sex nach Kalender kann schließlich ganz schön nerven. Deshalb lieber einmal verzichten, als Streß aufkommen zu lassen… Ob das Essen (Austern…) als Aphrodisiakum wirkt, weiß ich als Gynäkologin ehrlich gesagt nicht sicher. Das gemeinsame Kochen vorher ist aber bestimmt lustig…

Sicherlich habe ich hier nur wenige Punkte angesprochen und man könnte über dieses Thema unendlich viel schreiben. Trotzdem habt Ihr sicherlich einige Anhaltspunkte bekommen. Wichtig ist das Vermeiden von Stress und dass  der Spaß nicht verloren geht.

Wenn es nicht klappen will, ist es sowieso ratsam, Euren Gyn aufzusuchen, der die zum Teil schon angesprochenen Untersuchungen mit Euch durchführt und Euch dann individuell beraten kann, damit bald der Klapperstorch ins Haus fliegt!

a2