Änderung der Ernährungs-Pyramide, Volkskrankheit Insulinresistenz und warum der glykämische Index von Lebensmitteln so wichtig ist!

(Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information.  Für Inhalte, Anwendungen und für externen Links übernehme ich keine Haftung.  Ich empfehle immer, Erkrankungen mit seinem Arzt des Vertrauens abzuklären.)

Hallo Ihr Lieben!

Portrait ohne HIntergrund.pngAn dieser Stelle habe ich Euch schon einiges zum Thema Zucker, Ernährung und andere Gesundheitsthemen erzählt. Dabei habe ich das Thema Insulinresistenz zwar schon gestreift, aber mittlerweile ist klar geworden, dass die Basics zu diesem Thema zu den  Grundlagen einer sinnvollen Ernährung zähle.

Was ist ,,Insulinresistenz “ überhaupt?

Sie gilt als Vorläufer des Typ II Diabetes. Dabei verlieren die Insulinrezeptoren der Zellen, insbesondere der Leber-, Muskel- und Fettzellen, allmählich ihre Fähigkeit , auf Insulin zu reagieren – sie werden insulinresistent.

Insulin

sorgt normalerweise dafür, dass Zucker aus der Blutbahn, nachdem er aus dem Verdauungstrakt in diese abgegeben wurde, in die Zelle aufgenommen wird.

Glucagon

Ist zuwenig Zucker in der Blutbahn vorhanden, sorgt der Gegenspieler Glucagon dafür, dass Zucker aus der Zelle wieder in diese abgegeben wird. Aber auch das Hungergefühl wird von Glucagon angekurbelt…

Besteht nun eine Insulinresistenz, muß die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin freisetzen, damit der Zucker noch aufgenommen werden kann. Irgendwann jedoch kann die Bauchspeicheldrüse die Resistenz der Zellen nicht mehr kompensieren, der Blutzucker im Blut steigt stark an. Ein Diabetes ist entstanden. Deshalb nennt man diese Erkrankung auch ,,Prä-Diabetes“.

Im Gegensatz zum Diabetes I, der angeboren ist oder in frühen Lebensjahren auftritt, tritt der Diabetes II meist erst in der zweiten Lebenshälfte auf.

Der Anfang einer Insulinresistenz fällt meist nicht auf

Denn diese Erkrankung beginnt schleichend und viele sind betroffen, ohne, dass die bereits bestehende Veränderungen, die dieses Krankheitsbild mit sich bringt, auffallen.  Lediglich unspezifische

Symptome einer Insulinresistenz

wie Leistungsschwäche, vermehrte Müdigkeit, depressive Verstimmung und gelegentliches Unwohlsein , aber auch ständiger Hunger und eine Bauchumfangsvermehrung können Anzeichen dafür sein, dass ,,etwas mit dem Zuckerhaushalt“ nicht stimmt.torte 3

Aber gerade das macht die Insulinresistenz so tückisch. Denn hat sich aus dieser Vorläuferstufe erst einmal ein manifester Diabetes Typ II entwickelt, sind meist schon Folge-Veränderungen im Organismus aufgetreten, so zum Beispiel die als Acanthosis nigricans bekannten dunklen Flecken an Ellenbogen, Knien, Knöcheln, Achselhöhle oder Nacken.

Diagnose

Macht der Arzt eine Blutuntersuchung, wird er feststellen, dass der

Nüchtern-Blutzuckerspiegel oft höher als 100-125 mg/dl Blut ist.

Es gibt auch einen Langzeit-Wert, HbA1c, der Veränderungen des Blutzuckerhaushaltes  der letzten 3 Monate anzeigen kann. Gesunde Menschen ohne Dia­betes haben in der Regel einen HbA1c-Wert zwischen etwa vier und sechs Prozent (20 und 40 mmol/mol).

Auch die Insulin-Werte an sich sind erhöht. Der Normalwert von Insulin liegt zwischen 60 und 175 pmol/l (entspricht 4,8 bis 14 mU/l).

Wenn diese Werte bereits krankhaft verändert sind, braucht man keinen Glucose-Belastungstest (oraler Glucose – Toleranztest, oGTT)  mehr machen, bei dem man 75 Gramm Glucose in 200-300 ml Wasser zu sich nimmt und vorher und zwei Stunden danach im Blut misst, wie sich der Blutzuckerspiegel verändert. Diese Untersuchung ist dann indiziert, wenn die anderen Werte grenzwertig sind. Hier gelten Nüchtern Werte über 99 mmol/l  und zwei Stunden Werte über 139 mmol/l als erhöht, als stark erhöht gelten Werte über 125 mmol/l bzw. über 199 mmol/l.

Die Erkenntnis eines Fehlers in Bezug auf die Empfehlung der Art der Kohlenhydrate …

sorgte  vor etwa zwei Jahren für einen Aufschrei in den Reihen der Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für  Ernährung. Denn bis Dato hatte man als Haupt-nahrungsmittel ganz unten auf der Ernährungspyramide eben jene schnell verfügbare Kohlenhydrate für den heutzutage relativ wenig körperlich arbeitenden Menschen empfohlen.

Einfache Kohlenhydrate wie in Grau- und Weißbrot, Nudeln, Reis, Zucker, andere Weissmehlprodukte, liefern dem Körper zwar relativ schnell Energie, da sie schnell ins Blut gelangen, rufen dadurch aber auch hohe Blutzuckerspitzen hervor, die dann aber auch zu einem raschen Absinken des Blutzuckerspiegels sorgen, was typisch für Lebensmittel mit einem relativ hohen sogenannten glykämischen Index ist.

Der glykämische Index

Dieser  gibt Auskunft darüber, wie schnell und wie stark der Verzehr eines Lebensmittels dazu führt, dass Insulin ausgeschüttet wird.torte 2

Je höher dieser glykämische Index eines Lebensmittels ist, umso mehr Zucker wird in Folge pro Zeiteinheit in die Zellen aufgenommen.

Steigt im Blut der Zuckerwert schnell an, weil wir zum Beispiel eine Tafel Schokolade innerhalb fünf Minuten verzehren,  führt das wiederum  dazu, dass sofort relativ viel Insulin ausgeschüttet wird. Dabei gilt: Umso höher der Insulinspiegel ist, umso schneller wird der Zucker in die Zellen aufgenommen!

So  wird der Schoki.-Zucker, da Schokolade aufgrund des hohen reinen Zuckeranteils einen sehr hohen glykämischen Index hat, schnell in die Zellen aufgenommen.

Da aber immer noch  Insulin im Blut kreist, wird nun auch der geringe Rest-Zucker aus dem Blut in die Zelle aufgenommen, der schon vorher vorhanden war, es kommt quasi zu einer Über-Reaktion. Als Folge sinkt der Blutzucker unter das Ausgangsniveau ab.  Jetzt ist der Blutzucker plötzlich verdammt nieder, was den Blutzucker-Heber und Gegenspieler des Insulins, das Glucagon, auf den Plan ruft! Dieses sorgt nun als erstes dafür, dass das Gehirn von der dringenden Notwendigkeit einer Zuckeraufnahme informiert wird … Wir haben Hunger auf SÜSSES! 

Dreh und Angelpunkt der ganzen Geschichte ist also die Ausschüttung von Insulin bzw. seines Gegenspielers Glucagon!

So kam es durch die Empfehlung des überwiegenden Konsumes dieser schnell verfügbaren Kohlenhydrate einerseits zu starken Blutzuckerschwankungen, anderseits benötigt der moderne Mensch diese ,,schnelle Energie“ meist gar nicht und ist, wie man herausgefunden hat, mit Nahrungsmittel mit niedrigerem glykämischen Index wie Gemüse und nicht zu süßes Obst wesentlich besser bedient, denn diese Lebensmittel werden wesentlich langsamer in die Zellen aufgenommen. Dadurch kommt es nach Aufnahme in die Zelle auch nicht zu einer kompensatorischen Gegenregulation mit Glucagonausschüttung und der Heißhunger nach Süßem bleibt aus, weil der Blutzucker wesentlich konstanter bleibt und unser Körper dadurch länger und gleichmäßiger über Energie verfügen kann.

Die Ernährungsempfehlungen wurden revidiert

Als Folge dieser revolutionären Erkenntnis musste die lange gültige Ernährungspyramide umgeschrieben werden! Bildeten, wie oben erwähnt,  bisher die kohlenhydratreichen Lebensmittel mit einem relativ hohen glykämischen Index wie Brot, Kartoffeln, Reis, Nudeln und andere Getreideprodukte die Basis, wurden diese Gruppe nun von reichlich Gemüse und auch von nicht zu süßem Obst von dieser ,,Pool-Position“ des Hauptnahrungsmittels verdrängt!

Gefährlich sind nicht die Kalorien an sich, sondern  ein hoher glykämischer Index von Lebensmitteln!

 

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Die Auswahl der Lebensmittel

Klar ist nun, dass wir unter normalen Umständen möglichst  nach hochwertigen Nahrungsmittel mit niedrigem glykämischen Index suchen!

Wann ist ein hoher glykämischer Index sinnvoll ist

Lebensmittel mit einem hohen ,,glykämischen Index“ (GI) sind eigentlich nur indiziert, wenn wir über schnelle Energie verfügen wollen, zum Beispiel können  vor einem Wettbewerb zur Auffüllung unserer schnellen Reserven auf sie zurückgreifen. Von der ,,Tröstfunktion“ von Blutzuckerspitzen, die unser Gehirn zugegebenermaßen in positive Stimmung versetzen können, sehen wir hier einmal ab, denn medizinisch gesehen sind sie natürlich nicht sinnvoll.

Allerdings hat so eine Tüte Gummibärchen in der Realität wohl schon so manch` verzweifeltem Mädel bei ihrem Liebeskummer beigestanden … Warum es eine Tüte sein muß? Eben weil der Blutzucker, wie wir nun wissen, immer wieder rasch absinkt …  Übrigens klappt die ,,Zuckerspitze“ für Klausuren, Sportwettkämpfen und als ,,Kummertröster“ nicht nur mit Zucker- und Weißmehlprodukten, wie das Stück Torte, meist sinnvoller st süßes Obst wie z.B. Bananen oder Trauben, denn sie enthalten noch Vitamine und Ballaststoffe oder vor einem länger dauerndem Wettkampf, beispielsweise eine kleine Portion leicht verdauliche Nudeln, da sie einen nicht ganz so hohen GI haben und so relativ lange mit Energie aufwarten können.

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Lebensmittel mit einen niedrigeren GI

sind wie beschrieben hingegen Gemüse aller Art und nicht so süßes Obst, die ja nun an der Basis der Ernährungspyramide stehen. Außerdem enthalten sie sehr viele Vitamine, Mineralien und sekundäre Pflanzenstoffe die für den Organismus sehr wichtig sind und deren Bedeutung man erst in jüngster Zeit umfassend erforscht hat. So sind für die Stoffwechselvorgänge viele Kofaktoren nötig, damit der Organismus  funktionieren kann! Diese Stoffe sind in Pflanzen oft in optimaler Zusammensetzung enthalten, während z.B. künstlich hergestellte Vitamine in ihrer Reinform oft nicht richtig verarbeitet werden können. Man postuliert, dass in einigen Pflanzenkonzentraten, z.B. in der Blaualge Spirulina, über 3000 sogenannter Mikronährstoffe enthalten sind, die eben jenes Zusammenspiel im Organismus positiv beeinflussen können!

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Sonderstellung Vollkorn

Manche Ernährungsfachleute wettern auch gegen Vollkornprodukte, weil sie mit etwa 265 kcal/100g über viel  Energie verfügen und außerdem manchmal relativ schwer im Magen liegen und/oder zu Blähungen führen können. Auf der anderen Seite benötigen sie auch relativ viel Energie zur Verdauung, sodaß die  Bilanz dieses Produktes interessant wäre …

Der hohe Ballaststoffanteil regt zudem auch die Verdauung an, was bei Menschen, die mit eher festem Stuhlgang zu kämpfen haben, sehr positiv ist!  Übrigens bleiben bei Vollkornprodukten auch Vitamine, Öle und Mineralstoffe in der Schale und dem Keimling erhalten, so dass der  gesundheitsfördernde Aspekt im Normalfall überwiegt … Allerdings hängt dies auch von der persönlichen Verträglichkeit ab! Wer es nicht mag, sollte es sich als nicht aufzwingen!

Folgen schwankender Insulinspiegel

Mittlerweile wissen wir auch, dass stark schwankende Insulinspiegel bzw. häufige  Insulinausschüttungen nicht nur in Bezug auf die Entwicklung einer sogenannten

1.1. ,,Insulinresistenz“ eine Rolle spielen, die neben Übergewicht natürlich denn allseits bekannten Altersdiabetes fördern kann, sondern auch

1.2. multiple Entzündungsprozesse im Körper auslösen können, die wiederum den Alterungsprozeß ankurbeln… Auch die

1.3. Flora des Verdauungssystems ist von einem ständig schwankenden Zuckerspiegel betroffen, was wiederum ein Leaky Gut Syndrom im Darm, bei dem dieser durchlässig für unerwünschte Stoffe wird, begünstigt.

Übrigens hat man auch erkannt, dass es einen Zusammenhang zwischen der erhöhten Insulinresistenz und dem  sog.

1.4. PCO (Polycystisches Ovarsyndrom) bei Frauen gibt, das neben Akne und Blutungsstörungen auch zu Unfruchtbarkeit führen kann. Deshalb wird heute bei diesm Krankheitsbild auch Metformin, ein Antidiabetikum, eingesetzt.

Ernährungsmöglichkeiten nach Diagnose einer Insulinresistenz

Manche Ernährungsexperten empfehlen nach Diagnose einer Insulinresistenz je nach Wert  eine ein bis zweiwöchige nahezu kohlenhydratfreie Ernährung zur beginnenden Normalisierung der Insulinresistenz, danach ein vorsichtiger Aufbau unter langsamer Hinzunahme von ,,sinnvollen“ Kohlenhydraten.

Eine andere Möglichkeit ist, die Ernährung ,,sinnvoll“unter Verwendung  vieler gesunder Produkten mit niedrigem glykämischen Index umzustellen, wie sie langfristig sinnvoll ist, damit man sich gleich an diese ,,neue“ Ernährungsform gewöhnt!

Auch Probiotika, ,,Superfood“ bzw. Mikronährstoffe und CBD (Cannadibiol) finden bei der Ernährungsumstellung Anwendung!

Aber auch prophylaktisch sollte man seine Ernährung überprüfen, besonders, wenn ein erhöhtes Risiko durch Diabetes in der Familie, Übergewicht, hoher Blutdruck und bereits eine Affinität zu gesteigertem Konsum von Produkten mit hohem glykämischen Index vorliegt, wie z.B. bei sogenannten ,,Puddingvegetarier“.

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Folgen einer veränderten Ernährung

Egal ob alleine, in der Gruppe, unter ärztlicher Aufsicht, in einer Kur oder wie auch immer – eine optimale Ernährung ist eine Chance, seine Lebenserwartung, zumindest statistisch gesehen, zu verlängern!

Außerdem wird man, wenn man eine Weile mit einem relativ konstanten Blutzuckerspiegel gelebt hat, merken, dass man sich insgesamt wohler und leistungsfähiger fühlt, abgesehen davon, dass das Risiko oben beschriebener Erkrankungen absinkt!

Und damit bin ich auch schon am Ende dieses Artikels angelangt.Ich wünsche  Euch von Herzen eine richtig gute Gesundheit!

Bis bald, alles Liebe, 

Eure Nessy

 

 

 

 

 

Insulinresistenz – aktuelle Erkenntnisse, Übersicht/ Ein Gesellschafts – Problem, dass auch uns betrifft?

Hallo Ihr Lieben!

Wieder einmal ist mir ein Thema ,,über den Weg“ gelaufen, dass eigentlich für (fast) jeden von uns interessant sein dürfte! Schaut man sich nämlich das Risikoprofil für diese Erkrankung an, betrifft es jeden, der sich noch ,,normal“ ernährt  – und noch etwas mehr die, die ein kleineres oder größeres Wohlstandsbäuchlein ihr eigen nennen … also quasi mich und Dich!

Wegen gehäufter Fragen und Mißverständnisse möchte ich vor dem eigentlichen Artikel  aber noch kurz etwas in eigener Sache loswerden ...

Warum sind meine medizinischen Artikel anders als manche anderen ,,Krankheitsartikel“, die im Internet veröffentlicht werden?

Weil ich

  • regelmäßig zu neuen, für Euch wichtigen  Erkentnissen medizinisch fundierte Übersichtsartikel veröffentliche und Euch so nach Möglichkeit,,auf dem Stand der Wissenschaft“ bleibe
  •  meine mittlerweile ,,kleine Medi-Bibliothek“ regelmäßig überarbeite und
  •  Neuerungen integriere! 
  • über Fachwissen verfüge  (Fachärztin für Innere Medizin und für Gynäkologie und Geburtshilfe + Zusatzausbildungen, z.B. Notfallmedizin)
  • über 20 Jahre praktische Erfahrung habe (sowohl in Kliniken, wie auch in Praxen  als auch Notarzttätigkeit auf den nächtlichen Straßen habe ich auf diesen Gebieten gearbeitet) 
  • meine Artikel allgemein informieren und immer zusätzlich einen Arztbesuch empfehlen, weil nun einmal jeder Patient individuell ist und eine Therapie in erster Linie immer direkt auf ihn zugeschnitten sein muß! Artikel, in denen reine Eigenbehandlungen für ernsthafte Erkrankungen empfohlen werden, ohne einen Fachmann hinzuzuziehen, sind unseriös und gefährden den Leser, da dieser in vielen Fällen nicht über das Hintergrundwissen verfügt, eine genaue Diagnose zu stellen!
  • bewußt darauf hinweise, dass ich keine Garantien für den Inhalt oder die uneingeschränkte Wirksamkeit der Therapien übernehmen kann! Denn auch andere können Fehler machen und da ich natürlich nicht alle Studien selbst durchgeführt habe, können sich auch solche Fehler einschleichen, auf die ich keinen Einfluß haben kann! Allerdings orientiere ich mich entweder an Orginalstudien bez. Metaanalysen  oder an gut recherchierter Sekundärliteratur renommierter Wissenschaftler! Da ich selbst auch wissenschaftlich gearbeitet habe, kenne ich die Fallstricke von diesen Studien!
  • Was mich in diesem Zusammenhang z.B. sehr geärgert hat, war die Tatsache, dass Frauen jahrzehntelang eine falsche bzw. keine adäquate Therapie ihrer Wechseljahresbeschwerden  angeboten wurde, obwohl man heute weiß (und schon lange geahnt hat), dass eine gute Therapie sogar präventiv für manche Erkrankungen wirkt! Wen dieses Thema interessiert, findet auf diesem Block umfangreiches Themenmaterial …
  • mich deshalb von anderen Artikeln, die leider zum Teil immer noch ohne Kenntnis der Zusammenhänge geschrieben wurden und oft gravierende Fehler beinhalten, abheben möchte, weil ich Euch Information bereitstelle, die ursprungsnah und z.T. nach tagelangen Literaturrecherchen entstanden ist! Als Ärztin muss ich mich oft wundern, mit welchen Fehlinformationen meine Patienten andererorts immer noch für dumm verkauft werden!
  • wirklich informieren möchte und im (seltenen) Falle einer Produkteinbindung genau informiere, in welchem Zusammenhang ich dazu stehe! 

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Zugegeben: Ein Besuch in der Cheese-Factory ist so ziemlich  das Leckerste, was es gibt … Aber auch das ungesündeste!

Kommen wir nun zum eigentlichen Artikel …

Die Erkrankung, um die es heute geht, ist erst vor kurzem für die breite Öffentlichkeit  interessant geworden! Digentlich altbekannte Erkrankung scheint unsere Gesundheit auf tatsächlich gleich mehreren Ebenen  zu beeinflussen! Die Rede ist von der sogenannten

Insulinresistenz

Längst wissen wir, dass dieses Nicht-Ansprechen der Zellen auf das Hormon Insulin nicht nur als Vorstufe des Diabetes Mellitus  bedeutsam ist, sonder auch bei vielen anderen  komplexen Abläufen unseres Körpers eine Rolle spielt! Heute möchte ich Euch das Thema relativ einfach erklären und Euch vor allem auch über die wichtigsten neuen Erkenntnisse  informieren!

1. Was bedeutet eine Insulinresistenz für den Körper?

Bekannt ist, dass das Hormon Insulin dafür sorgt, dass der aufgenommene Zucker (Glucose)  in die Zellen  (vor allem der Leber- und der Muskelzellen) gelangen kann.

Dort wird er als  Glykogen gespeichert  oder in Energie umgewandelt ( Glykolyse). Bei dieser Energiegewinnung fallen Acetyl-CoA-Moleküle an, die, wenn sie nicht anderweitig verbraucht werden, als Fettreserven angelegt werden.

Sprechen die Zellen nicht genügend auf Insulin an,  beeinflusst dies auch das Abnehmverhalten des Körpers und  kann übrigens  auch den weiblichen Hormonstoffwechsel durcheinanderbringen, wie bei dem sogenannte polycystische  Ovarsyptom (PCO) und so kann eine Insulinresistenz auch für Fertilitätsprobleme verantwortlich sein!

2. Labor

-chemisch ist sie durch den sogenannten

2.1. HOMA -Wert (Homeostasis Model Assessment)

meßbar. Dieser wird nach 12 stündiger Nahrungskarenz morgens nüchtern abgenommen. Ein Wert um 1 ist normal, ein Wert, der größer als 2,5 ist, spricht relativ sicher für eine bestehende Insulinresistenz, während sich bei Typ2 Diabetikern Werte um 5 finden.

Ein zweiter Laborwert, der bei Verdacht gemessen werden kann, ist der

2.2. SHBG- (Sexualhormon-bindendes Globulin) Wert

SHBG ist quasi ein Transportmittel für Hormone im Blut, wobei die Konzentration von verschiedenen stimulierenden und hemmenden Faktoren gesteuert wird. Insulin  scheint senkend zu wirken, ebenso wie hohe Konzentrationen vom ,,männlichen“ Hormon Testosteron, während hohe Östrogen- und Thyroxinkonzentrationen erhöhend wirken. Interessanterweise wird die Produktion von SHBG von einer hohen Fettproduktion gehemmt, was eine Verringerung der Konzentration im Blut zur Folge hat. Deshalb ist dieser Wert bei einer Insulinresistenz, Diabetes Mellitus aber auch beim PCO-Syndrom und bei einer Schilddrüsenunterfunktion erniedrigt.

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3. Ursachen: Wie kommt es zu einer erhöhen Insulin-Resistenz?

Wahrscheinlich ist eine

 3.1. vererbbare Komponente,

gibt es enge Verwandte mit Diabetes mellitus Typ 2, so besteht ein ca. zehnfach höheres Risiko, an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken. Dagegen kann man, zugegeben, nicht allzuviel tun  … Aber schon bei der Ursache

3.2. Übergewicht

overweight-3018731_960_720sieht das anders aus!

Warum kann also Übergewicht die Insulinresistenz begünstigen?

Kommt es zu Übergewicht, verändert die Fettzelle ihre Größe und Funktion und setzt verschiedene Stoffe frei, wodurch die Insulinwirkung absgeschwächt werden kann.

Auch

3.3. mangelnde körperliche Bewegung 

kann die Insulinresistenz verstärken, denn zum einen führt sie  zu einer Gewichtszumnahme und zudem hat man herausgefunden, dass auch die verminderte Muskelarbeit zu einer Abschwächung der Insulinwirkung führt.

3.4. Vermehrte Aufnahme von schnell verwertbaren, einfachen Kohlenhydraten

Indem wir den Körper mit  Zucker, aber auch Weißmehlprodukten (Nudeln, Croissants, Kuchen,…)  überladen, sorgen wir dafür, dass er ständig Insulin ausschütten muss! Denn steigt der Zuckerspiegel im Blut hoch an, gibt Insulin der Zelle den Auftrag, möglichst schnell und viel davon in die Zelle aufzunehmen. Also arbeiten die Zellen mit Hochdruck an diesem Problem und putzen die Glucose weg in die Zelle. Nun ist aber der Zucker-Spiegel im Blut wieder zu nieder und dem Gehirn wird der Auftrag gegeben, erneut nach ,,schnellem Zucker“ Ausschau zu halten… Süßigkeiten wirken am besten… Und dann geht der Zirkus von vorne los!

,,Stopp!“ sagen  sich nun die Zellen, ,,Was sollen wir mit dem dauernden Nachschub an Zucker anfangen? Also werden wir einfach ´mal die Türen eine Weile zulassen, wenn das blöde Insulin wieder schreit, dass ich den Zucker reinlassen soll! Ich sitze das ganze einfach nach Kanzlermanier aus! Mein Mensch wird schon sehen, was er davon hat!

Schön, werdet Ihr sagen, dass ist doch genau richtig…

4. Schäden und negative Auswirkungen der Insulinresistenz

Leider nicht! Denn was gut klingt, kann langfristig die Bauchspeicheldrüse schädigen, die dauernd Insulin nach-produzieren muß, bis sie irgendwann ganz schlapp macht und selbst unter großen Anstrengungen nicht mehr genügend Insulin nachbilden kann!

Schließlich beginnt der Blutzuckerspiegel mitunter drastisch anzusteigen. Zwischen der Ausbildung einer Insulinresistenz und einem manifestem Typ 2 Diabetes können allerdings Jahre oder sogar Jahrzehnte liegen…

In dieser Zeit können aber schon

  • dem Körper wichtige Energiereserven fehlen, da die Muskulatur aus Glucose nur noch wenig Glykogen herstellen und einlagern kann.
  • Entzündungsprozesse im Organismus ablaufen, die zu vielerlei Schäden führen können, so können
  • Organe, wie die Bauchspeicheldrüse und die Leber, aber auch das Herz geschädigt werden und
  • andere Krankheiten wie der Bluthochdruck begünstigt werden! Im Detail hauptsächlich zu
  • Schäden an den Gefäßen… Zuerst nur an den ganz kleinen (Mikroangiopathie), dann auch an den größeren (Makroangiopathie). Dabei ,,verkalken“ diese Gefäße (Atherosklerose) meist und das Blut kann nicht mehr ungehindert fließen! Als Folge der Minderdurchblutung werden nachfolgende Gewebeabschnitte nicht mehr richtig mit Nährstoffen versorgt! In der Folge kommt es zu
  • Wundheilungsstörungen  bis zu
  • Nekrosen (Gewebsuntergang) sowie
  • Gefühlsstörungen, die wiederum, gerade bei älteren Menschen,  eine
  • Gangunsicherheit mit sich bringen können!Übergewicht natürlich denn allseits bekannten Altersdiabetes fördern kann, sondern auch multiple Entzündungsprozesse im Körper, die wiederum den Alterungsprozeß ankurbeln…  Auch die Flora des Verdauungssystems ist von einem ständig schwankenden Zuckerspiegel betroffen, aber dazu später… Übrigens sieht man auch Zusammenhänge mit dem sog. PCO bei Frauen, das neben Akne und Blutungsstörungen auch zu Unfruchtbarkeit führen kann.

     

 

5. Bedeutung des ,,Glykämischen Index“ (GI)

 

Man weiß mittlerweile, dass nicht die Kalorien ,,die Bösen “ sind, sondern der hohe sogenannte glykämische Index!

Dieser gibt an, mit welcher Geschwindigkeit ein Lebensmittel  zu einer Insulinausschüttung führt! Je schneller und je mehr ein Lebensmittel Insulin ausschüttet, umso mehr Zucker wird in die Zellen aufgenommen und umso schneller sinkt der Blutzuckerspiegel wieder pro Zeiteinheit ab, was erneute ,,Zuckerlust“ auslöst.

Also müssen wir nach hochwertigen Nahrungsmittel mit niedrigem glykämischen Index suchen, damit wir gesund bleiben!

Und in der Tat ging vor etwa zwei Jahren ein Aufschrei die Gesellschaft! Die ,,bösen“ , einfachen Kohlenhydrate waren endlich entlarvt und die lange Zeit gültige Ernährungspyramide musste umgeschrieben werden! Nun waren nicht mehr, wie lange Zeit dogmatisch propagiert, einfache Kohlenhydrate wie Brot, Kartoffeln, Reis und Nudeln, an der Basis der Ernährungspyramide! Nein, nun wurde der größte Anteil der Ernährung, neben Flüssigkeit, durch Gemüse und nicht allzu süßes Obst, mit anderen Worten, mit vitamin- und ballaststoffreichen Lebensmittel mit einem geringerem glykämischen Idex (GI), ersetzt!

Daneben wurde auch die Bedeutung von magerem Eiweiß (Aminosäuren) betont, denn zum Aufbau und Erhalt der glatten (Haut- und Eingeweide) und  gestreiften Muskulatur (Skelettmuskeln / Muskeln des Bewegungsablaufes)  und auch für viele Funktionsabläufe im Organismus sind sie unerlässlich!

6. Wege zur Vermeidung/Behandlung einer Insulinresistenz!

Vielleicht fassen wir uns nun an die eigene Nase, weil wir bei dem Studium dieses Artikels gemerkt haben, dass wir selbst Gefahr laufen, eine Insulinresistenz zu entwickeln…

Deshalb habe ich Euch im folgenden Abschnitt Möglichkeiten zusammengestellt, um die Zellen wieder mehr auf Insulin ansprechen zu lassen, das heißt, für die Aufnahme des Zuckers zu sensibilisieren!

6.1. Zehn Tage relativ strenge kohlenhydratarme Diät

Es hat sich gezeigt, dass, ist die Insulinresistenz noch nicht zu weit fortgeschritten, eine anfänglich recht strikte, etwa 10 Tage dauernde Diät mit Verzicht auf Zucker und einfache Kohlenhydrate dazu führt, dass die Zelle wieder sensitiver auf Insulin reagieren und sich die Werte tatsächlich verbessern können! 

Danach empfiehlt sich ein vorsichtiger Kost-Aufbau mit einer der Hinzunahme von einigen ,,sinnvollen“ Kohlenhydraten!

In diesen Phasen habe ich meist zusammen mit den Patienten einen individuellen Ernährungsplan erstellt. Vielleicht habt Ihr einen guten Doc oder Ernährungsscoach an der Hand, der Euch dabei unterstützen kann! Wichtig ist, sich darüber klar zu werden, dass 10 Tage lang wirklich alle Weismehlprodukte wie Brot, Brezeln, Kuchen, Nudeln, aber auch Diätprodukte (erhalten oft sehr viel Zucker, da dieser als Geschmacksträger Fett ersetzt) und süßes Obst (Bananen), wie auch Pizza und andere Fertiggerichte, sowie Ketchup, süße Softgetränke und Alkohol vom Speiseplan fernbleiben müssen!

Stattdessen gibt es nicht zu süßes Obst und Gemüse (Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe…) , gutes Fleisch (Eiweiß, B-Vitamine) und Fisch oder auch Eier (Eiweiß, -Vitamine, Lecithin) , Yoghurt (ohne Zucker), gut gekochtes Sauerkraut (Milchsäurekulturen, die gut für den Aufbau der Darmflora sind), Mandeln und Nüsse und Gewürze wie Cumin, Zimt (eine blutzuckersenkende Wirkung ist beschrieben), Ingwer …

Kontrovers wird die Verwendung von Soja, Milch und Süßstoffen (Stevia) diskutiert. Letztere werden jedoch insulin-unabhängig verstoffwechselt und sind deshalb zumindest besser als Zucker!

Allerdings empfehle diese Lebensmittel  wenn schon, nur in Maßen zu genießen und bei Soja darauf zu achten, dass es nicht genverändert ist. Auch Fruchtzucker hat viele Nachteile, und kann tatsächlich über eine Erhöhung der Harnsäure und den dadurch bedingten Stickstoffverbrauch eine Insulinresuístenz fördern!

Damit Insulin nämlich an den Insulinrezeptoren der Zellen andocken kann, ist NO (Stickoxid) erforderlich.Die Harnsäure jedoch mindert die Bioverfügbarkeit des Stickoxids und somit auch die Insulinsensitivität der Zelle.

Allerdings ist die Menge, die in natürlichen Lebensmittel wie Obst vorkommt, okay. Lediglich der in der Industrie häufig verwendete Glucose-Fructose-Sirup ist mit Vorsicht zu genießen!

Hierzu ist anzumerken, dass unser Haushaltszucker, Saccharose, übrigens ein Zweifachzucker aus Glukose und Fructose ist!

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Beispiel: Leckeres Mittagessen  während der 10 tägigen Low Carb-Phase mit Gemüse und Eiweiß …

6.2. Einsatz von unterstützenden Nahrungsergänzungsmittel

( nicht nach Leitlinien, sondern aufgrund Literatur und Erfahrungen empfohlen)

  • Chiasamen und
  • Spirulina

sind beides gute Eiweißquellen, die  alle essentiellen Aminosäuren  enthalten. Sie sind deshalb so wichtig, weil bei einer Eiweiß armen Ernährung anstelle von Fett Muskeln abgebaut werden! Spirulina ist vor allem auch deshalb zu empfehlen, weil es etwa 3000 Mikronährstoffe enthält und dies in einer optimalen Zusammensetzung! Diese fehlen uns leider heutzutage oft!

  • Bei Resveratrol,
  • Carnitin und
  • Grüntee-Extrakte gibt es Hinweise, dass sie verbessernd auch die Insulin-Empfindlichkeit wirken!

Zusätzlich wird  Resveratrol einen Nutzen bei der Behandlung von Arteriosklerose, Herzkrankheiten, Alzheimer-Krankheit, Arthritis, manchen Autoimmunkrankheiten und sogar Krebs nachgesagt!

Carnitin binden  Fettsäuren und transportieren sie durch die Mitochondrienmembranen. Hier gibt es kontroverse Meinungen zu den Wirkungen beim Muskelaufbau … Während Bodybuilder auf die Einnahme schwören, halten Wissenschaftler dagegegen, dass der Körper meist keinen Mangel an Carnitin hat und und ein Überangebot keinen Vorteil bringt … aber Ateriosklerose begünstigt, denn im Darm wird aus Carnitin durch die Darmflora zuerst Trimethylamin und in Folge Trimethylaminoxid gebildet, welches Arteriosklerose begünstigt.[4]

Grüntee-Extrakte enthalten als herausragenden Inhaltsstoff  das Antioxidans Epigallocatechingallat (EGCG), dem verschiedene gesundheitsfördernde Wirkungen nachgesagt werden. Die Forscher vermuten, dass es unter anderem die Stärkespaltung hemmt, so dass weniger Glukose entsteht und ins Blut gelangt. Die blutzuckersenkende Wirkung tritt aber nur dann auf, wenn die stärkehaltige Nahrung und der grüne Tee gleichzeitig konsumiert werden. Teetrinken nach dem Essen bleibt hingegen offenbar wirkungslos.

Auf anderen Seiten zu diesem Thema habe ich auch Aloe Vera  als ein Mittel entdeckt, die die Empfindlichkeit gegenüber Insulin verbessern könnte.(24) Orginal-Literatur zu Studien habe ich allerdings nicht gefunden.

Zusätzliche Nährstoffprodukte

Je nach Nahrungsaufnahme kann es nötig sein, zusätzlich Nährstoffe zu ersetzen, auch wenn die Deutsch Gesellschaft für Ernährung (DGE) kein Freund von Supplementen ist! Wenn man aber die Nährstoff-Zufuhr berechnet, erkennt man, dass leider oft eine Unterversorgung vorhanden ist. Besonders muss man in unseren Breiten auf  Selen, Jod (vorher Schilddrüsen-Werte untersuchen lassen), Zink, und bei fleischarmer Ernährung B-Vitamine und Eisen achten und diese gegebenenfalls zuführen!

6.3. Regelmäßiger Sport mit kombinierten Muskelaufbautraining  und Krafttraining

Auch ein Sportprogramm wirkt sich (nicht nur)  auf die Insulinsensitivität positiv aus!  Dabei ist es wichtig, mindestens zweimal die Woche für etwa 25 Minuten zu trainieren. Am besten fragt Ihr vorher Eurem Doc und überlegt Euch mit ihm gemeinsam, welche Sportart  für Euch geeignet ist und wirklich Spaß machen könnte! Für den Muskelaufbau sind natürlich gezielte Trainingseinheiten in einem  Studio am effektivsten! Der Vorteil ist, dass Ihr dort Eure Ziele mit Fachleuten besprechen könnt, die die richtigen Traininigsmodalitäten zusammenstellen können, Ich finde ein abwechslungsreiches, alle Muskelgruppen aufbauendes Training, welches möglichst die Gelenke nicht belastet, am besten!

6.4. Gewichtsabnahme

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Das Gewicht kommt bei mir, für manche vielleicht verwunderlich, am Schluss! Denn für mich ist das Übergewicht eine Folge des Zusammenspiels vieler Faktoren und eine Diät birgt immer die Gefahr, den Körper mit wichtigen Nährstoffen und Eiweißen unter zu versorgen!   Gerne spreche ich von der ,,Unterernährung der Dicken“ denn wenn man sich die Mechanismen des Körpers klar macht, dann merkt man, wie die Entwicklung einer Insulinresistenz,  die Verdauung, der Bluthochdruck, hoher Blutfette (Hypertriglyzeridämie) u d der Entstehung von Übergewicht zusammenhängen.  Übrigens hat man für diesen Symptomenkomplex einen Ausdruck geschaffen, der alles unter einen Hut bringt, das sogenannte ,,Metabolische Syndrom“.

Was Not tut, ist eine Veränderung des gesamten Lebensstils, wie ich ihn oben geschildert habe. Hierzu gehört einen anfängliche ,,Diät“, die auf die sinnvolle Reduktion der Kohlenhydrate abziehlt unter Versorgung des Körpers mit allen wichtigen Nährstoffen (Mineralien, Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen, Ballaststoffen und Aminosäuren …) die er benötigt.

Wichtig ist es in dieser Zeit möglichst keine Muskelmasse zu verlieren und dafür zu sorgen, dass nicht einfach der Stoffwechsel seine Aktivität nach unten fährt, was leicht passieren kann und jede Diätbemühung zunichte macht! Verhindern kann man dies, wie vorbeschrieben, durch ein ausgeklügeltes Diät-Programm, geeignete Nahrungsergänzungsmittel und einem Bewegungsprogramm. Auch die Behandlung einer möglichen Schilddrüsen-Unterfunktion ist in diesem Zusammenhang wichtig!

Toll wäre es, wenn man bereits die Insulinresistenz adäquat behandeln könnte! Neben den oben genannten konservativen Methoden des Lifestylemanagement sind bereits Medikamente auf dem Markt, die eine beginnende diabetische Stoffwechsellage verbessern können!

 

7.1. Sensitzer

Die Rede ist von sogenannte Sensitizer wie Pioglitazon. Sie schwächen die Faktoren aus dem Fettgewebe, die eine Resistenz vermitteln, ab.
Daneben bemüht man sich um die Entwicklung von Medikamenten, die zur Behandlung der Insulinresistenz noch vor dem Ausbruch des Typ 2 Diabetes eingesetzt werden können.

Hierzu wurde ein lange bekanntes, bisher bei Gefäßerkrankungen und Bluthochdruck eingesetztes Medikament in der sogenannten HOPE- Studie an 9500 Patienten (19 Länder) untersucht und man gelangte in der Tat zu einem  sensationellen  Ergebnis, dass in einem der renommiertesten Fachzeitschriften, dem  New England Journal of Medicine veröffentlicht  wurde …

7.2. ACE-Hemmer und Sartane

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Ein ausgeklügeltes Fitness-Programm unterstützt die Low-Carb-Diät durch Schutz der Muskeln!

In dieser Studie ging es um den ACE-Hemmer Ramipril. Es wurde untersucht, ob bei Patienten mit einer Gefäßerkrankung oder mit Diabetes das Risiko für das erneute Auftreten von Herz-Gefäß-Krankheiten durch Ramipril gesenkt werden kann.

Und in der Tat konnte dieses Medikament besonders bei den 3577  Diabetikern, die ja ein 2-4fach erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen haben,  glänzen! Die Gefahr, als Diabetiker an einer Herz-Gefäß-Erkrankung zu versterben, konnte durch die Einnahme von Ramipril tatsächlich um 35% gesenkt werden. Auch Diabetesfolgeschäden an Nieren, Augen und Nerven konnten um fast 20% gesenkt werden. Aber auch das Neuauftreten eines Diabetes mellitus Typ 2 konnte verhindert werden!  Hier werden weitere Untersuchungen mit Spannung erwartet!

Bei einer Studie der Charité Berlin, die 2005 im deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurde, zeigte sich ein positiver Effekt des Sartans Telmisartan auf den Rückgang der Insulinresistenz bei Hypertonikern. Bei hohem Blutdruck und Übergewicht ist also eines dieser Medikamente anzuraten – und keine Betablocker, der das Gewicht eher steigert!

7.3. Gewichtsabnahme und Training

Eine finnische Studie hat zudem gezeigt, dass Insulinresistenz bei Übergewichtigen bereits durch eine Gewichtsabnahme von ca. 3,5 kg und regelmäßiges körperliches Training von ca. 30 Minuten pro Tag zu einer deutlichen Verbesserung der Insulinresistenz führt und zudem den Ausbruch eines Typ 2 Diabetes über einen Beobachtungszeitraum von 4 Jahren  verhindern kann.

 

8. FAZIT

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Das war wieder einmal viel Information und obwohl ich sooo Vieles geschrieben habe, habe ich das Gefühl, dass noch einiges an weiterer Information für Euch notwendig wäre, um das Problem ausreichend zu schildern! So habe ich eine weitere häufige Komplikation bewußt ,,außen vor“ gelassen.

Ich vermute nämlich stark, dass dieses Krankheitsbild durch den gemeinsamen Auslöser beider Erkrankungen oft mit dem sogenannten Leaky-Gut Syndrom  (siehe dazu meinen Artikel) vergesellschaftet ist! Und an dieser Stelle eröffnet sich dann wieder ein neuer ,,Behandlungsschauplatz“…

Die Betrachtung der ,,Komplexität der Zusammenhänge“ macht offensichtlich, dass ein ,,normaler“ Arzt sich eigentlich gar nicht darum kümmern kann, den Körper seiner Patienten optimal  an allen ,,Baustellen“ ,,in Schuss“ zu halten! Denn wenn man weiß, dass er im Schnitt gerade einmal Zehn Minuten Zeit hat, sich um das spezifische Problem nur eines Patienten zu kümmern, bleibt da kaum noch Luft für  das bißchen ,,Mehr“, dass dringend notwendig wäre, um seinen Patienten gar nicht erst krank werden zu lassen!

Eine Entwicklung, die leider der ,,medizinische Fortschritt“ mit sich gebracht hat!   Vor lauter spezialisierten Fachärzten haben wir ,,den Hausarzt“ der eigentlich in der Mitte stehen, koordinieren und ,,kleinere“ Dinge durchaus selbst behandeln kann, oft aus den Augen verloren…    Deshalb auch hier mein Appell an Euch! Sucht Euch einen wirklich guten Hausarzt, der über den Tellerrand sieht und bittet ihn, Eure Gesundheit zu ,,koordinieren“. Wenn ihr einen solchen findet, schätzt euch glücklich und gebt ihn ,,nie wieder her“!

In jedem Fall ist es wichtig, dass Ihr Euch informiert und den Erhalt Eurer Gesundheit als Präventiv-Objekt selbst in die Hand nehmt, solange sich noch keine Malaisen eingeschlichen haben, die dann professioneller Hilfe bedürfen!

Ich hoffe deshalb, dass ich mit dieser Info  einen kleinen Beitrag bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe beigetragen habe…

Alles Liebe, gute Gesundheit, Freude und glückliche Tage wünscht Euch von Herzen, Eure Nessy

P.S. :

Kommentare, Fragen, Anmerkungen und auch Kritik sind willkommen!

 

 

9. Literatur Studien/Sekundärliteratur

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