Natum-Artikel: Medizinische Woche Baden-Baden Oktober 2017 – Rückblick Vortrags-Tagung NATUM

Für alle, die diesen europaweit größte Kongress für Komplementärmedizin und Naturheilverfahren noch nicht kennen,  habe ich hier exemplarisch die Highlights der NATUM-Veranstaltung und ein paar Schmankerl aus der Ausstellung von letztem Jahr   nocheinmal kurz dargestellt … Wer sich anmelden möchte, findet am Schluss natürlich die entsprechenden Links … „Natum-Artikel: Medizinische Woche Baden-Baden Oktober 2017 – Rückblick Vortrags-Tagung NATUM“ weiterlesen

Medizinische Woche Baden-Baden, NATUM: Glück, Sex, Supermikrochirurgie und der Forschungspreis für Dr. C. Friesen, Methadon

Hallo Ihr Lieben!

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Dr. Claudia Friesen hatte allen Grund, stolz zu sein…

am 29. Oktober war das Wetter in Baden-Baden herbstlich frisch und ich war spät dran. So beeilte ich mich, raschen Schrittes das große, menschengefüllte Haus mit Glaswänden, unweit meines Hotels. aufzusuchen. Es  war mir bereits am Vorabend bei einem kleinen Erkundungsgang aufgefallen … ,,Ach, das Kongreßzentrum! Klaro, was sonst! Da bin ich morgen schnell dort, es ist ja nicht weit…!“ Blöd nur, dass in der Eingangshalle Bademäntel verkauft wurden, denn es war die Caracalla Therme!

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So sieht die Caracella-Therme aus …

Eine schöne Therme, übrigens! Und wenn ich nicht wirklich Besseres vorgehabt hätte, wäre ich vielleicht sogar schwach geworden! Doch was mich heute früh erwarten würde, war tatsächlich noch wesentlich besser als ein Relaxing-Day…

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… und so das Kongresszentrum!
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Der Vorsitzende der NATUM: Dr. Bernd  Ost

 

Als ich verschwitzt bei der Vortrags – Tagung der sogenannten NATUM (Arbeitsgemeinschaft von Naturheilkunde, Akupunktur, Umwelt- und Komplementärmedizin) unter den Augen des Auditoriums und des ersten Vorsitzenden Dr.Bernhard Ost aus Düsseldorf zu meinem reservierten Platz ging, referierte gerade Dr. Tarané Probst aus Leipzig, evidenz basiert, über das Glücklich-sein … Zum ,,Glück“ lauschten alle so gebannt dem Vortrag, dass mir nur ein paar besonders strenge Kollegen ob meines zu Spät-Kommens ein paar ,,ungückliche“ Blicke zuwarfen.Lustigerweise merkte ich an den letzten Worten von Frau Probst, dass ich, zumindest nach dem Inhalt des Vortrages, der mir wirklich sehr gut zur Einstimmung in den Tag gefiel, beim Glücklich-Sein schon einmal nix falsch zu machen schien, zumindest theoretisch. Denn mir fiel sofort auf, dass ich in der Einleitung meines Blogs einige Punkte davon auch erwähnt hatte ( letzter Abschnitt von happinessygirls – was hat es damit auf sich?) . Die zentralen Botschaften waren

,,Du kannst nur Dich selbst ändern, nicht die anderen“ und ,,Glücklichsein entsteht im Kopf!“

… Schön gesagt war das!

Aber  schon leiteten Dr. Bernd Ost und  Dr. Reinhild Georgieff aus Leipzig zum nächsten Thema über. Den Titel, den Dr. Christine Gabriel aus Aachen sich ausgesucht hatte, muss man sich einmal auf der Zuge zergehen lassen:

,,Sexualität aus Sicht der TCM. Ausgleich von Yin und Yang oder Gesundheit durch guten Sex.“

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Dr.Reinhild Georgieff

Ähm… Okay…  Ogottogott. Skandaaal! Dachte ich so bei mir so mit einem wohl recht komischen, weil zugleich indigniertem und süffisanten Lächeln. ,,Holla die Waldfee, jetzt wirds interessant!“ Zugleich wurde ich mir meiner doch ,,leicht“ spießigen Reaktion bewusst… ,,Ja, die Nessy,  im 300 Seelen Dorf aufgewachsen, bevor sie sich in die große weite Welt aufmachte, ist halt im Grunde ihres Seins immer noch ein wenig verklemmt …, “ Aber auch die Vorsitzende  Dr.Reinhild Georgieff  hatte ein paarmal das Wort ,,äh…“ bei der Ankündigung verwendet!

Solche Themen auf einem Medizinkongress ist eben doch ein wenig ungewohnt für uns Ärzte. Aber das war ja gerade, was hier heute gewollt war!

,,Der Blick aufs Ganze“ des Menschen – so lautete schließlich das Motto in diesem Jahr!

Denn nur unter Einbeziehung des ganzen Menschen mit all seinen Bedürfnissen kann man adäquat auch scheinbar einzelne Wehwehchen behandeln. Und gehören nicht Glück und Sex quasi zu den Grundbedürfnissen des Menschen?

Die Kernaussage dieses überaus spannenden und überhaupt nicht peinlichen Vortrages jedenfalls war:

Das Weibliche und das Männliche kann sich gegenseitig ergänzen und im wahrsten Sinne des Wortes ,,befruchten“ , wodurch der Körper eine Einheit wird und Heilung erfahren kann!

Aber Näheres erzähle ich Euch (nachdem ich auch einige Anfragen zu diesem Thema bekommen habe) in einem der nächsten Vorträge,  denn ich möchte Euch ja schließlich heute noch andere Einzelheiten von diesem interessanten Tag erzählen…

 

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Dr. Niklas Dellmann

Nachdem die Pause, die  mit interessanten Gesprächen und einem kurzen Rundgang über die doch riesige Fachaustellung von allerlei Interessantem aus dem Bereich der Nahrungesergänzungsmittel, alternativer Heilmethoden und auch kosmetischen Neuheiten wie im Fluge vergangen war, kündigte Dr. Steffen Wagner aus Saarbrücken (kenn´ich irgendwoher…) auch schon seinen Kollegen Dr. Niklas Dellmann aus Castrop-Rauxel an.

Er zeigte, dass   super-mikrochirurgisch verletzte Lymphbahnen mit winzigen Fäden nähen und so den Abfluss der Lymphe wiederherstellen kann.

Vielleicht habt Ihr schon einmal gehört, dass Frauen, nach einer Brustkrebsoperation, bei der die Lymphabflußbahnen verletzt wurden, eine dicken Arm bekommen haben, weil die Lymphe ins Gewebe gelaufen ist. Dies ist gar nicht so selten, gerade auch, wenn Lymphknoten entfernt werden müssen. Nun gibt es neue Verfahren, bei der diese Abflußbahnen wieder an das venöse Gefäßsystem angeschlossen werden, oder auch Lymphknoten verpflanzt werden, um den Lymphabfluss zu gewährleisten. Das ist doch ganz schön tricky, weil die Lymphgefäße wirklich winzig und normalerweise farblos sind, also angefärbt werden müssen, um sie darstellen zu können!

Methadon als Krebmedikament! Ein behandelnder Arzt berichtet …

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Dr. Steffen Wagner

Danach begrüßte Dr. med. Steffen Wagner  für den nächsten Vortrag Dr. Hans-Jörg Hilscher aus Iserloh. Der mit Schmerzmitteln sehr erfahrene Palliativmediziner (dieser kümmert sich um ,,austherapierte“ Patienten und versucht, ihnen ihre Zeit, die bleibt, so schmerzfrei und angenehm wie möglich zu gestalten) erläuterte er seine erstaunlichen Erfahrungen mit Methadon, die er im Rahmen seiner Tätigkeit im Hospitz gemacht hatte. In einem Beitrag (Link unten) habe ich Euch bereits über das neue Einsatzgebiet des Schmerzmittels Methadon als Krebsmedikament berichtet.  Dr. Hans-Jörg Hilscher erzählten von wirklich hoffnungsvollen Fällen…

Er hatte Krebs-Patienten betreut, deren Tumoren soweit zurückgingen, dass sie das Hospitz nach Methadontherapie tatsächlich wieder verlassen konnten!

Allerdings benötigt man noch mehr Erfahrungen mit Methadon, um genau sagen zu können, bei welchen Indikationen und bei welchen Patienten man es einsetzen kann und bei welchen besser nicht!

Wichtig ist dass D,L-Methadon aktuell nur bei ausgewählten Fällen in Kombination mit einem Chemotherapeutikum, bei denen etablierte Therapien keine ausreichende Wirkung gezeigt haben und sich bereits Metastasen gebildet haben, von erfahrenen Ärzten eingesetzt werden sollte und dass eine Dokumentation stattfinden muss, um langfristig die Wirksamkeit einschätzen zu können! 

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Dr. Hans-Jörg Hilscher hat einen harten Alltag, für den man viel Kraft und eine starke Persönlichkeit benötigt…

Allerdings wird es ja schon einige Zeit nicht nur in der Drogentherapie, sondern auch bei Krebspatienten mit gutem schmerzlindernden Erfolg eingesetzt, so dass man doch schon über einige Erfahrungen verfügt. Dazu kommt, dass die Dosierungen von Methadon bei den schwerkranken Tumorpatienten wesentlich geringer sind, als die, die in der Schmerztherapie eingesetzt werden. Außerdem empfiehlt man ein viel langsameres, sukzessives Vorgehen mit einer vorsichtigen Steigerung, um die Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten.

So empfiehlt man bei einer ambulanten Einstellung Anfangsdosen von 2-5 mg (,,start low, go slow“). Bei den auch in der Presse geschilderten Zwischenfällen unter Methadontherapie hatte man aber die 8-55 fache Dosierung gefunden!
S1390044.JPGEs wäre doch schade, dieses Medikament in der Tumortherapie von vorneherein wegen aufgetretener Fehlanwendungen abzulehnen, denn es hat sich gezeigt, dass es bei der Anwendung  nicht nur beim Glioblastom, sondern auch beim kleinzelligen Bronchial-Ca, Sigma-Ca, Mamma Ca… gute Ergebnisse  erzielt werden und sich sogar Metastasen zurückgebildet haben.

Nach diesem äußerst interessanten und praxisnahem Vortrag, wurde, nach der Mittagspause, unter dem Vorsitz von Dr. Bernd Ost von Dr. Cristoph Milczynski aus Mainz in umfassender, pragmatischer Weise ein Vortrag über den Progesteronmetabolismus  gehalten, bevor als Höhepunkt des Tages

unter Anwesenheit der Medien der Forschungspreis  Komplementärmedizin vom Vorstand der NATUM an Frau Dr. Claudia Friesen aus Ulm ob ihrer Erkenntnisse um das Methadon verliehen wurde!

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Dr. Claudia Friesen

Vor etwa 10 Jahren fiel ihr die Wirkung des Methadon gegen Krebszellen erstmals auf und seitdem arbeitete sie, sie, oft auch gegen Widerstände unermüdlich an der Erforschung der Wirkungsweise des Methadons.  Die Wirkungsweise von Methadon kömmt Ihr in dem unten verlinkten Artikel (mit Video) nocheinmal genauer nachlesen bzw, nachschauen.

In der Laudatio von  Dr. Steffen Wagner hieß es, dass viele Medikamente dadurch entdeckt worden sind, dass sie ursprünglich für eine andere Indikation benutzt worden waren, wie zum Beispiel Minoxidil. Dies war ursprünglich ein Medikament gegen Bluthochdruck, wobei aufgefallen war, dass die Patienten, die es einnahmen, plötzlich wieder mehr Haare bekamen … Seitdem ist es das Medikament auf dem Markt, welches  bei Haarausfall am besten  wirksam ist!

Das Problem bei Methadon ist schlicht und ergreifend, dass das Patent abegelaufen ist und es  relativ billig ist! Für die Pharmaindustie lohnt es sich kaum, Studien durchzuführen … Umso wichtiger ist es, dass man ihm, gerade wegen der bisher wirklich positiven Ergebnisse, eine Chance gibt und Patienten unter den oben genannten Bedingungen die Möglichkeit gibt, sich behandeln zu lassen.

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Im Anschluß an die Laudatio ergriff Frau Dr. Friesen selbst das Wort und zeigte noch einmal eindrucksvoll die Wirkweise von Methadon auf die Krebszelle und stellte auch einige sehr positive Krankheitsverläufe  durch das Medikament vor.

Man merkte dieser Frau an, wie sie mit Feuereifer für eine Sache eintrat, die sie die letzten Jahre unermüdlich untersucht und erforscht hatte und von der sie restlos überzeugt war. Tatsächlich hatte sie für Methadon kämpfen müssen …

Hoffen wir, dass dieser Preis sie in ihrem Willen, sich für das Medikament einzusetzen, bestärkt! Es wäre doch schade, wenn wir es versäumten, dieses Medikament weiter zu erforschen, damit es, wenn sich die Hoffnungen erfüllen,  vielleicht eines Tages universeller angewendet werden kann…

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Und unter Blitzlichtgewitter und Interviews ging diese Vortragsreihe mit Sekt und Häppchen zu Ende… Ich konnte nicht anders, als jedes Wort während der Fragen, die gestellt und beantwortet wurden, in mir aufzusaugen und als ich endlich dazu kam, ans Buffet zu gehen, war es bereits bis auf den letzten Krümel verputzt…

 

Aber schlimm war das  nicht… Nach einer herzlichen Verabschiedung wurde mir gewahr, wie diese Menschen, die ich heute kennengelernt hatte und die leidenschaftlich für das kämpfen, was für ihre Patienten gut scheint, so ganz auf meiner Wellenlänge liegen…

Und als  mein Mann und ich danach beschwingt durch das raschelnde Herbstlaub liefen, brach die Wolkendecke plötzlich auf und ein Sonnenstrahl erhellte den Weg …

Ich hoffe, dass dieser Vortrag auch für Nicht-Mediziner interessant war und wünsche Euch allen  eine gute, hoffnungsvolle Zeit!

Alles Liebe, Eure Nessy

 

 

Interessante Literatur, die mit diesem Artikel zusammen hängt:

 

MEDIZINISCHE WOCHE BADEN BADEN: DER BLICK AUFS GANZE … DER WEG ZU EINER BESSEREN MEDIZIN?

 

FASHION: AUTUMN IN BADEN-BADEN