Medizin: Depression und viele mögliche Ursachen: Giselas langer Weg zurück zur guten Laune!

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Gisela hat zwei Kinder und ist eigentlich ein ,,Hansdampf in allen Gassen“. Nur in letzter Zeit klappt irgendwie alles nicht mehr so richtig. Sie nimmt ständig zu, innerhalb des letzten Jahres bereits  sechs Kilogramm, hat zu nichts mehr richtig Lust und der Alltag lief auch schon einmal besser…

Nachdenklich betrachte ich sie. Gisela ist 38, die Periode eigentlich noch da, aber…  Ein bisschen  unregelmäßig, schon!  In meinem Kopf rattert es … Hat sie Schilddrüsenprobleme? Oder vielleicht irgend welche einschneidenden Ereignisse im Leben, die ihr ,,die Suppe so richtig versalzen“? Hatte sie vielleicht schon früher solche Episoden? Eine Anämie vielleicht, oder gar Schlimmeres?

Ihr merkt, der Arzt hat es nicht immer ganz leicht! Denn natürlich kann man es sich einfach machen und alles auf ,,die Psyche“ schieben. Aber damit wird man den Patienten oft nicht gerecht, vor allem, wenn sich die Problematik wie bei Gisela relativ schnell entwickelt hat! der unten beschriebene diagnostische Weg als Basis mit Anamnese, körperliche Untersuchung mit Laborwerten und eventuell Ultraschall und weitere Untersuchungen müssen je nach Hinweisen auf alle Fälle durchschritten werden!

Ich nehme mir fest vor, Licht in diese Sache – und auch wieder in ihre Seele zu bringen …

  • Allgemeine Anamnese:
Version 8
Einfach einmal die Seele baumeln lassen und in den Himmel schauen… und lernen, das Leben wieder zu genießen!

Als erstes frage ich sie nach ihrem Leben, was ist in letzter Zeit so passiert, ist sie glücklich bei der Arbeit, geht es den Kindern gut… Ein Gespräch, fast wie unter Freundinnen und nach anfänglichem Zögern taut sie auf und erzählt mir, dass schon alles viel sei, ihr das aber früher nichts ausgemacht habe, … alles so Lala, aber keine eindeutigen Hinweise auf ein einschneidendes Ereignis … Sicher, die Ehe könnte besser laufen, die Kinder in der Schule besser und der Haushalt weniger – aber hat sie deshalb eine Depression? Könnte natürlich sein, wäre aber zu einfach!

Auch in der

  • Krankheitsanamnese und der
  • körperlichen internistischen und
  • gynäkologischen Untersuchung kann ich nichts ungewöhnliches entdecken. Vielleicht sind die Schleimhäute eine Spur zu trocken für das Alter und die Haut etwas kalt … Ein Schilddrüsen-Ultraschall, dass ich noch schnell durchführe, zeigt eine diffus vergrößerte Schilddrüse – sollte die Ursache womöglich damit zusammenhängen?

Erst die ausführliche

  • Laboruntersuchung bringt Licht ins Dunkel: Tatsächlich sind ihre Hormone schon ein wenig am schwächeln, auch, wenn ich natürlich weiß, dass ich nur einen Momentaufnahme vor mir habe… dennoch!  Auch die Schilddrüse ist gerade noch ausgeglichen, aber ich vermute aufgrund der Schilddrüsenvergrößerung einen Jodmangel.

Die

  • Therapie zieht sich aufgrund der vermuteten multifaktoriellen (=aus mehreren Ursachen bestehenden) Genese eine Weile hin, bis sie nach etwa drei Monaten erstmals angibt, eine Besserung zu verspüren.

Meine Therapie:

  • Lifestylemanagement

Gemeinsam überlegen wir, was Gisela selbst wirklich Spaß machen würde wie sie ihr Leben abwechslungsreicher gestalten könnte, und was sie nur für sich tun könnte, welche Freunde sie hat und ob sie wieder mehr gemeinsam mit ihnen machen wollte…

Nachdem ich einen guten Draht zu ihr hatte, fiel ihr da nach einer kurzen kreativen Pause sogar ziemlich viel  ein! Sie gab an, einmal surfen lernen zu wollen (obwohl das natürlich in Saarbrücken eher schwierig ist…) , zur Kosmetikerin gehen zu wollen , Bauchtanzen, sich einmal in ein früheres Leben versetzen lassen,…

  • Medikamente

Auch medikamentös konnte ich ihr helfen! Für die angeknackste Schilddrüse erfolgte eine Jodgabe, weitere Kontrollen der Schilddrüsenwerte ergaben dann doch eine eindeutige Hypothyreose, weshalb wir nach einiger Zeit auf L-Thyroxin 50, ein Schilddrüsenhormon, umsetzten.

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Zur Egalisierung der Hormone half Agnus Castus und die

  • Ernährung wurde so umgestellt, dass sie weniger(!) Rohkost aß, dafür mehr gekochtes Gemüse  und nicht zu saures Obst(wird von Menschen, die zu Kälte, Antriebslosigkeit und Frieren neigen, oft besser vertragen als zuviel Rohes ). Zudem fand sie Gefallen an orientalischen Gewürzen, die ihr oft ein wohliges Gefühl der Wärme vermittelten (Ingwer, Kurkuma, Kreuzkümmel…  und nach der  ayuvedischen Medizin die Verdauungssäfte anregen sollen.

Gisela ist natürlich noch relativ jung für Wechseljahresbeschwerden, aber machen wir uns nichts vor – ab 35 fängt die Hormontätigkeit an, nachzulassen. Meist merkt man es aber nicht so früh, aber bei Gisela kam eine Schilddrüsenunterfunktion dazu, die übrigens auch nicht soo selten ist!.

Wichtig ist, dass man, an die jeweilige Lebensphase und seinen Lebensentwurf angepasst, seinen Körper entsprechend aufmerksam behandelt und ihm das gibt, was er gerade braucht, damit die volle Leistungsfähigkeit möglichst bis ins hohe Alter erhalten bleibt!

Häufig ist es aber auch so, dass dadurch, dass die Kinder aus dem Haus gehen, sich vielleicht berufliche Veränderungen anbahnen oder man in die ,,Torschlusspanik“ verfällt, ,,nichts“ aus seinem Leben gemacht zu haben (was bei genauerem Hinsehen meist nicht stimmt!), eine Art Mutlosigkeit einstellt, die zu Verdauen ganz schon schwer sein kann! Plötzlich scheint nichts mehr Freude zu bereiten …und am liebsten möchte man sich nur noch verkriechen! Wichtig ist dann, die Signale zu erkennen und sich Hilfe zu suchen. Denn auch bei einer sogenannten ,,Depression“ gibt es wirklich Hilfe. Sei es durch Gespräche, harmonisierende Massagen und Bewegungen wie z.B. beim Thai Chi, oder, wenn es nicht anders geht, auch einmal mit Hilfe von Medikamenten!

Wir haben Glück, in Deutschland zu wohnen, wo man, wenn man lange Wartezeiten in Kauf nimmt, doch noch damit rechnen kann, auch bei solchen Leiden, die eigentlich fast alltäglich sind, adäquate Hilfe zu bekommen! Man muss nur wollen, selbst mitarbeiten und dem Ganzen etwas Zeit geben, dann kann man wirklich damit rechnen, dass der Zustand sich wieder deutlich bessert!

Kleine Philosophie zum Älterwerden

Be happy again – heißt es auch  in den Wechseljahren – da innere und äußere Veränderungen oft zusammentreffen komme ich nun noch einmal zu der „Chance, Neues zu beginnen, sich über Altes klar werden„, über die ich schon am Anfang dieses Artikels geredet habe. Wichtig ist, sich, auch, wenn man sich nicht „so gut fühlt“, was eben in dieser Zeit manchmal vorkommt, klarzumachen, dass es weitergeht.

zzoldiebandMan sollte überlegen, was einem wirklich etwas bedeutet. Ja, man hat die Chance, Dinge, für die nie Zeit war, jetzt zu tun . Alte Wünsche können zum Teil jetzt erfüllt werden, wo es ruhiger ist und man vielleicht auch über bessere finanzielle Möglichkeiten verfügt, die aber gar nicht unbedingt für alles nötig sind. Schön ist natürlich, wenn man eine Familie hat, in der man sich wohl fühlt – da ist einem selten langweilig… Aber es gibt auch sonst reichlich Möglichkeiten…  Ich rede nicht nur von Bewegung, am besten an frischer Luft… obwohl das ja auch ein Anfang ist…

Vielleicht möchte man ein Instrument spielen lernen – mein Vater hat im Alter noch mit Kontrabass spielen angefangen und macht mittlerweile bei Konzerten mit – er ist über 70 Jahre alt. Meine Mutter leitet eine Herzsportgruppe und hat viel Freude dabei. Vielleicht möchtet Ihr auch gerne reisen – durch das Internet hat man z.B. bei Couchsurfing die Möglichkeit, an vielen Orten der Welt umsonst zu übernachten. Wer mag, kann auch Leute bei sich übernachten lassen. Das finde ich klasse und zu zweit dürfte sich auch die „Gefahr“ dabei merklich verringern. Aber man lernt neue Leute kennen und kann dadurch seinen eigenen Horizont erweitern. Mode ist auch etwas, was Spaß machen kann und wenn das Äußere stimmt, fühlt man sich innerlich wohler….Möglichkeiten gibt es viele, oft macht es auch mit Mehreren mehr Spaß und oft findet man auch Erfüllung darin, etwas wirklich Sinnvolles zu tun. Ehrenamtliche Tätigkeiten in Tierheimen oder Krankenhäusern zeigt einem, wie wichtig man für andere sein kann. Als ich Patientin war, habe ich mich über die Hilfe der „grünen Damen“ (ehrenamtliche Krankenhausmitarbeiterinnen, die den Kranken helfen, wenn sie z.B. etwas brauchen…)sehr gefreut.

Zur inneren Ruhe und Augeglichenheit sind viele Frauen von Yoga begeistert: Es kann helfen, die körperlichen Beschwerden in den Hintergrund treten zu lassen und das Innere von „Psychomüll“ zu berfreien, wie mir eine Patientin erzählte. Ich wollte Euch diese bildhafte Aussage nicht vorenthalten…

OLYMPUS DIGITAL CAMERAZu guter letzt noch ein Tipp: Auf keinen Fall sollte man seine Energien in Ärger über Menschen und Dinge, die man nicht ändern kann , vergeuden , dazu ist die Zeit zu kostbar. Denkt immer daran: Es ist nicht Eure Aufgabe, die Welt der Anderen nach Euren Maßstäben verändern zu wollen, sondern Ihr seid ein Teil der Welt und lebt in Ihrem Fluß. Macht Euch klar, was die Welt Euch schon alles gegeben hat und seid dafür dankbar, auch wenn es mal nicht so rund läuft. Wenn Ihr mit Euch in Einklang seid und zufrieden mit dem, was Ihr tut, ist dieser Teil der Welt schon besser…

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