Medizin/ Anti Aging: Chronobiologie – Warum der Takt der inneren Uhr für uns so wichtig ist!

 

Am Morgen
Wake up like this…

Wer kennt das nicht? Im Wir kommen aus einem schönen Urlaub in der Karibik oder den Vereinigten Staaten heim und dann, wenn unser Arbeitsalltag eigentlich wieder mit frischem Mut und gut erholt beginnen sollte, fällt es uns morgens verdammt schwer, aus den Federn zu kommen! Ja wir würden am liebsten den ganzen Tag die Decke über die Ohren ziehen und uns ,,ausruhen“. Nur mit Mühe ,,krabbeln“ wir aus dem Bett und brauchen eine heiße Dusche und mindestens zwei Tassen Kaffee, um auf ,,Betriebstemperatur“ zu kommen… Unsere innere Uhr ist eindeutig aus dem Takt! der sogenannte ,,zirkandiane“ (tageszeitliche) Rhythmus ist gestört! Das Wort kommt übrigens aus dem  Lateinischen: circa – ringsum, umher; dies – Tag. Manchmal liest man auch die englische Version: circandian. Damit sind Schwankungen von Körperfunktionen gemeint, die durch exogene (Tag-Nacht-Wechsel) oder endogene (Hormone) Einflüsse gesteuert werden.

Allerdings geht die Umstellung doch ein wenig leichter, wenn uns die Sonnenstrahlen vor dem Aufstehen an der Nasenspitze kitzeln… Das ist doch noch allemal besser,  wie wenn es draußen, wie im Winter, stockfinster ist.

 

Die ,,Innere Uhr“

 

Abends

Bei einer gut funktionierenden inneren Uhr wäre es natürlich so, dass morgens alle physiologischen Prozesse angestoßen werden, die den Körper in Aktivität versetzen und abends diese Prozesse langsamer werden, damit der Körper zur Ruhe kommen kann! Man braucht kein Forscher zu sein, um diese Zusammenhänge zu erkennen!

Unsere ,,inneren Uhren“ steuern  nicht nur unseren Schlaf-Wachrhythmus, sondern auch andere Dinge unseres Lebens,

wie

  • Ernährung,
  • Verdauung,
  • Blutdruck,
  • Körpertemperatur,
  • Leistungsfähigkeit,
  • Immunsystem und
  • Hormone

Das Leben läuft in vielen Bereichen in Zyklen ab!

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20 Prozent unserer Gene  sind chronobiologisch bestimmt. Sie steuern Abläufe die auf den ersten Blick gar nicht als Sekunden- (z.B, Herzschläge), Tages-, Monats- -oder gar Jahresyklus erkennbar sind. Ja, es gibt sogar weit längere Zyklen, wie bei dem Mensch der Haar-Wachstumszyklus oder denken wir in der Tierwelt  an manche Käferarten, die nur alle Paar Jahre gehäuft schlüpfen, wie Maikäfer!

Im Tagesverlauf völlig unterschiedliche Konzentrationen weist z.B. der Cortisolspiegel auf, während die weiblichen Geschlechtshormone,  sich im monatlichen Zyklus phasenhaft verändern. Aber auch jahreszeitlich gibt es solche Schwankungen, der in Tierversuchen auch unter konstant bleibenden Bedingungen erhalten bleibt. Spezies mit genetisch programmierten Jahresrhythmen gibt es weltweit, von hohen Breiten bis zum Äquator und selbst in scheinbar konstanten Umgebungen wie der Tiefsee!
Die für Wintermonate typischen kurzen Tage zum Beispiel aktivierten bei vielen Arten das Immunsystem – damit werde den für zahlreiche Infektionen erhöhten Risiken Rechnung getragen.Klar, dass auch die Regeneration des Organismus und natürlich auch der Haut, nur suboptimal vonstatten gehen kann. Denn das ist der eigentliche Zweck dieser Uhr: Zeiten für die vielen kleinen und großen Reparaturmechanismen zu schaffen, mit denen unser Wunderwerk Körper ausgestattet ist… Fehlt diese Zeit, schreitet auch der Alterungsprozess unwiederbringlich fort… Denn mit der Zeit summieren sich die Schäden …

Welche Bedeutungen haben die innere Uhren noch für den Menschen?

  • Es dauert einige Tage, bis sich die ,,innere Uhr“ angepasst hat! in Zeiten von Dissonanzen zwischen der inneren und äußeren Uhr hat der Organismus ein schwächere Immunsystem. Zusätzliche Belastungen sollten dann vermieden werden!
  • Rund 20 Prozent aller Gene sind rhythmisch aktiv, das sollten Mediziner beachten (vor allem bei Stoffwechselprozessen)
  • Ursache von vielen Volkskrankheiten ist auf ein Auseinanderdriften von Innenzeit und Außenzeit zurückzuführen, vor allem das Auftreten von Übergewicht und Diabetes.
  • Berücksichtigung der Chronobiologie bei der Einnahme von Medikamenten
  • Diese auch bei Klinische Studien berücksichtigen, sonst werden diese falsch interpretiert
  • Es ist bereits ein Bluttest zum Patent angemeldet, mit dem sich der Chronotyp eines Menschen bestimmen lässt (wird in etwa zwei Jahren erwartet)

In Bezug auf die Schlafmuster wurden übrigens

zwei Arten von „Chronotypen“

unterschieden:
Die „Nachteulen“ oder Langschläfer gehen spät zu Bett und stehen entsprechend später auf  ,
die „Lerchen“ oder Frühaufsteher gehen früh zu Bett gehen und stehen früher auf.

Die Bedeutung des Lichtes

Diese Unterschiede sind durch genetische Prädisposition zustande gekommen, deshalb ist ein „Umerziehen“ so gut wie ausgeschlossen. Allerdings weicht der Lebensstil der Menschen in westlichen Kulturkreisen immer mehr von den Rahmenbedingungen, die die biologische Uhr vorgibt, ab (Schichtarbeit, reisen über verschiedene Zeitzonen,…). Damit verbunden ist häufig ein Lichtdefizit, dass diese innere Uhr maßgeblich mit steuert. unnamed (3)
So liegt Lichteinstrahlung in Innenräumen selten höher als 500 Lux. Im Freien beträgt die Lichtstärke 8.000 Lux bei bedecktem Himmel und bis zu 100.000 Lux an einem Sonnentag. Davon betroffen sind vor allem Menschen mit vorwiegend Innenraumtätigkeiten, das Leben in den Wintermonaten und in nördlichen Ländern (z. B. Norwegen). Ein weiteres Problem sind LED Beleuchtungen, auch durch die Benutzung der Computer in den Abendstunden geworden, die die innere Uhr deutlich durcheinander bringen können.
Dabei drohen

Schäden durch Störung der inneren Uhr und falscher Lichtverhältnisse

wie

  • Leistungseinbußen,
  • Schlaf- und Essstörungen,
  • Energielosigkeit bis hin zu
  • schweren Depressionen und ein
  • eingeschränktes Immunsystem.
  • Krankheiten wie Diabetes und Krebs
  • vorzeitige Alterung
  • Verhaltensänderungen

 

Zusammenhänge zwischen Chronobiologie und Ernährung – Das Henne-Ei Problem

  • Essen zur falschen Zeit erhöht das Risiko für Stoffwechselkrankheiten, da
    der Abbau von ungünstigen Fetten und Zucker am Abend dreimal langsamer vonstattengeht wie am Morgen, also:
  • zu viele Kohlenhydrate und Fette sollten also am Abend vermieden werden, denn das führt zu Übergewicht und dazu, dass die innere Uhr nicht mehr richtig funktioniert. Eine nicht mehr synchron zum Tag-Nacht-Verlauf tickende Uhr fördert dann wiederum das Übergewicht. Ein Teufelskreislauf.

Der zwischenzeitlich hart kritisierte Ernährungsspruch: ,,Morgens wie ein Kaiser und abends wie ein Bettler“ ist doch richtig

Möglichkeiten der Einflussnahme des Lichtes

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Eine Salzkristall-Lampe strahlt ein angenehmes, warmes Licht aus… Ein erfekter Frbton, um den Abend ausklingen zu lassen….

wenn man nun über diese Zusammenhänge Bescheid weiß, ist es klar, dass man

  • die unterschiedlichen Lichtverhältnisse im täglichen Leben berücksichtigen muss und eventuell sogar beeinflussen sollte. Beispielsweise kann es bei Blinden deshalb schwieriger sein, eine einmal verstellte Uhr, z.B. nach einer Reise durch verschiedene Zeitzonen wieder in den richtigen Takt zu bringen.

Auch  kann man mit diesem Wissen

  • für eine vernünftige Beleuchtung sorgen! Der Einsatz von Tageslichtlampen, die Dimmfunktionen von Lichtern und Computern, das Verwenden von möglichst warmen Licht und lichtschwachen Lampen in den Abendstunden sind einige Möglichkeiten, die man gezielt einsetzen kann.
  • Außerdem gibt es viele Möglichkeiten (hierzu kommt nächste Woche ein ausführlicher Beitrag  mit vielen Schlaf-Tipps), um seinem Körper Ruhephasen zu suggerieren.

Nobelpreis im  für die Entdeckung der Proteine, die die innere Uhr der Zellen steuern

Jeffrey Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young haben nun diese molekularen Mechanismen, die die so genannten zirkadianen Rhythmen kontrollieren, erforscht und sind dafür mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt worden.

Die künftigen Träger des Medizin-Nobelpreises, die US-Genetiker Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young, präsentiert bei der Verkündigung in Stockholm.
Nobelpreisverleihung in Stockholm. Quelle:dpa

Die Wissenschaftler stießen auf ein Protein, PER, das von „period“ kodiert wird, in der Nacht ansteigt und am Tag abnimmt, außerdem auf eine Reihe von weiteren Proteinen, die die innere Uhr der Zellen steuern, darunter auch die Proteine mit den Bezeichnungen TIM und DBT.
Einige der Proteine wirken aktivierend, andere wiederum hemmend. So bilden sie einen eigenen Zyklus.

Was daraus entsteht, ist die oben beschriebene innere Uhr, die selbst den Rhythmus vorgibt und dem Körper auch noch sagt, auf was er sich vorbereiten muss.

So, damit wäre ich auch am Ende angelangt! In einer Woche habe ich für Euch  ein großes Schlaf-Special vorbereitet, bei dem hauptsächlich  um viele praktische Tipps rund ums Schafen geht. An Bord sind natürlich, wie von mir gewohnt, wieder einige neue Erkenntnisse.

So, dann schlaft gut und habt eine tolle Woche!

Alles Liebe,

Eure Nessy

Verfasst von

Anti Aging - Jung bleiben von außen und innen mit einfachen, aber effektiven Tipps, ist das, was die erfahrene Medizinerin Euch zeigen möchte und selbst mir Herz, Witz und Verstand vorlebt. Auf Ihrem Blog gibt sie nicht nur viele aktuellen Erkenntnisse weiter, sondern lädt Ihre Leser auch ein, an ihrem Leben mit Familie, Haus , Pferd und Hund teilzuhaben und öffnet für die Fashionistas unter Euch auch dann und wann Ihre Kleiderschränke ...

18 Kommentare zu „Medizin/ Anti Aging: Chronobiologie – Warum der Takt der inneren Uhr für uns so wichtig ist!

  1. Herzlichen Dank dir für deine feine Darstellung der wichtigsten Informationen zum interessanten Thema Chronobiologie, innere Uhr! Das wollte ich schon immer mal etwas genauer wissen 🤗
    Liebe Grüße zur Nacht vom Lu

    1. Schön, wenn ich deinen Geschmack getroffen habe! das ist für mich immer die Quadratur des Kreises, tatsächlich, gegen alle Unkerufe, für alle Geschmäcker etwas dabei zuhaben! dnke Dir!Alles Liebe und eine wunderschöne Woche, Nessy

      1. Alsooooo ICH finde ALLE deine Posts hochinteressant, egal, ob nun modisch oder medizinisch oder privatbilderisch oder wie auch immer angehaucht, liebe Nessy, nur weiter so!
        Save your day, Lu

  2. Die alten Weisheiten sind manchmal gar nicht so falsch. Ich gehöre zu den Nachteulen und quäle mich wochentags immer aus dem Bett. Eigentlich arbeite ich gegen die innere Uhr. Hilft bloß nix, weil ich zur Arbeit muss.

    Hab ebenfalls eine tolle Woche 🙂

    Lieb Grüße Sabine

  3. Ein sehr interessanter Beitrag. Eigentlich bin ich eine Nachteule, aber an sich fühle ich mich wohler, wenn ich zeitig schlafen gehe. Am besten schlafe ich im Sommer und am allerbesten auf dem Boot. 😉

    Liebe Grüße,
    Moppi

  4. Ein sehr komplexes Thema liebe Dr. Nessy. Ich finde mich bei den Schlaftypen nicht wieder, denn ich stehe immer früh auf, egal ob ich nun um 23 Uhr oder erst um 3 Uhr ins Bett gehüpft bin. Wirklich unangenehm finde ich die Zeitumstellungen, da ich Wochen benötige, um wieder normale Morgenabläufe zu bekommen. Ernährung und innerne Uhr finde ich superinteressant, da ich wirklich nur zu ganz bestimmten Uhrzeiten esse, also Frühstück ab 10:30 Uhr, Mittagessen gegen 17 Uhr und Abend wieder um 20 Uhr. Sicher kann man seinen Körper zu anderen Zeiten trainieren, nur essen ohne Hunger oder wenigstens Appetit macht überhaupt keinen Spaß und ich vergesse beim Arbeiten sehr oft die Uhrzeit. Ist im Winter natürlich leichter, da es früh dunkel wird, aber der Sommer lädt geradezu zum Ackern ein. Ich werde wohl noch echt viele Beiträge bei Dir lesen, bis ich ein halbwegs guter Körperbesitzer bin 😉 Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Beitrag! Hab eine richtig schöne Woche und ich wünsche uns mal ordendliche 100.000 Lux 🙂

    1. Lieber Arno! Wenn Dein Körper sich so am wohlsten fühlt, ist das doch klasse, gerade, wenn er so rhythmisch ist. Wenn Du nach dieser zugegeben doch ein wenig simplifiziertem Schema gehst, bist Du doch eine klassische Lerche, denn Du stehst immer früh auf! Je nachdem, ob Du ein Viel-oder Wenig- oder Normalschläfer bist, holst Du Dir Deinen Schlaf halt dann, wann Du ihn brauchst… Ich glaube, Du machst schon alles richtig! Das einzige, was ich aus den vielen tollen Feed-Backs von Dir herauslesen kann, ist, dass Dein Kohlenhydrate – Konsum noch etwas nach unten optimiert werden könnte. In diesem Zusammenhang bin ich übrigens bei meinen Recherchen wieder auf tolle Studien gestoßen! 1. Kalorien machen je nach Herkunft unterschiedlich dick!
      2. Weizenmehl 405 hat pro 100g ganze 71 g Kohlenhydrate! Oft kann man es mit gemahlenen Mandeln austauschen, was sehr lecker schmecken kann (z,B. in Gebäck oder in Soße für Brokkoli), es hat tatsächlich nur 5 g KH pro 100 g Mehl! Naja, ist nicht so furchtbar wichtig, aber doch wissenswert… Alles Liebe, Nessy

      1. Das mit den Mandeln finde ich jetzt witzig, weil ich beim backen angefangen habe Mehl gegen Mandelmehl auszutauschen, ohne das ich das mit den Kohlenhydraten wußte. An meinen Ernährungsplan halte ich mich und das hat immerhin zu 8 kg in den letzten 12 Wochen geführt ohne Hungerwahnsinn. Ist nicht viel, aber ich musste auch nicht wirklich leiden 😉 Danke für den schönen Kommentar liebe Frau Doktor 😉

    1. Liebe Renni! Ja, ich denke, die Einschatzung trägt man irgendwie in sich … Man muss nur danach schauen, wie das am Wochenende ist. Hängt man bis 11 Uhr im Bett oder steht man um Acht Uhr fröhlich an der kaffeemaschine? Alles Liebe, Nessy

  5. Sehr guter Artikel. Es sind die Sticheleien von Eulen, die sich über den Rhythmus einer Lerche lustig machen, was so richtig nervt. Nein, noch schlimmer, es kotzt mich an. Ich bin eine solche Lerche und schon von Berufs wegen, weiß ich, dass man den Tag nutzen sollte – Carpe Diem – denn das Leben ist schön, kurz und endet immer tödlich.
    Es grüßt eine fröhliche Lerche !

    1. Genau so isses 😉 Danke Dir und wünsche Dir ein fröhliches Tages-Gezwitscher mit anderen Lerchen, ohne dass Dich die Eulen-Schnarcher dabei stören…

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