Medizin: Methadon – Neues Wundermittel gegen Krebs?

Hallo Ihr Lieben!

unnamed (28)Wieder einmal schwelt es unter der Oberfläche der Medizin… Denn was eigentlich Grund zur Freude und Hoffnung geben sollte, führt durch heiße Diskussionen zwischen Medizinern zu kontroverser Berichterstattung und damit zur Verunsicherung der Patienten.

Wie alles anfing

Angefangen hat alles damit, dass  die Molekularbiologin Dr. Claudia Friesen vom Rechtsmedizinischen Institut der Uniklinik Ulm die Wirkung bestimmter Schmerzmittel, so auch Methadon, erforschen wollte. Zwar kennen wir Methadon vor allem bei dem Drogenentzug als Ersatz-Medikament bei Sucht-Patienten, jedoch ist das Mittel selbst ein hochpotentes Opioid-Schmerzmittel, das auch bei der Behandlung von Schmerzen bei schwerkranken Patienten zum Einsatz kommt. Bei dem Einsatz bei Krebs-Patienten fiel jedoch ein gravierender weiterer Effekt auf!

Friesen selbst beschrieb ihn so:  „Zu unserer Verwunderung sind die Tumorzellen mit Methadon gestorben. Es gab deutliche Hinweise darauf, dass Methadon den Widerstand der Tumorzelle gegen das Chemotherapeutikum bricht und dafür sorgt dafür, dass das Chemotherapeutikum wirken kann.“

Nach diesen Hinweisen fing sie an, diese Sache genauer unter die Lupe zu nehmen.

Bereits seit zehn Jahren forscht sie nun daran und hat bis heute über 80 Patientendaten gesammelt, deren Krankheitsverläufe unter der Einnahme von Methadon einen deutlichen Rückgang der Metastasen aufwiesen. So beobachtete sie, dass bei eigentlich austherapierte Krebspatienten, denen das Schmerzmittel Methadon in Kombination mit der herkömmlichen Chemo- oder Strahlen-Therapie verabreicht wurde, die Tumoren schrumpften oder gar ganz verschwanden.

Da es besonders beim Kampf gegen Gehirntumoren und Leukämie, aber auch z.B. bei  Brustkrebs Erfolge gab, möchten nun, nach Bekanntgabe dieser vielleicht wirklich bahnbrechenden Hinweise auf  einen potentiellen Nutzen, viele Krebs-Patienten natürlich auch von einer Methadontherapie profitieren. Doch dazu später. Kommen wir zuerst zu der

Wirkweise von Methadon in der Krebstherapie

Frau Friesen hatte also  herausgefunden, dass Methadon gegen Krebs wirken kann. Bei ihren Beobachtungen und Laborversuchen fand sie sogar gleich mehrere Wege, wie es das tun kann …

1. Zum einen bindet Methadon an spezielle Opioid-Rezeptoren auf der Oberfläche der Tumorzelle und aktiviert Signalwege, die zum Tod der Zelle führen (Apoptose= programmierten Zelltod).  Da normale Zellen weit weniger dieser Rezeptoren besitzen, nehmen sie auch keinen Schaden, weil sie nur sehr wenige Opioid-Rezeptoren auf der Oberfläche haben.

2. Zum anderen verstärkt es die Wirkung der Chemotherapie, da die Zelle mehr von dem Chemotherapeutikum aufnimmt und weniger davon wieder abgibt, wenn das Methadon an die Zelle bindet, denn der Transportweg, mit dem die Zelle normalerweise das Chemotherapeutikum schnell wieder loswird, wird blockiert. So bleibt es länger im Inneren und kann dort wirken!

3.  Dazu kommt, dass durch Krebsmedikamente die Zahl der Opioid-Rezeptoren auf der Zelloberfläche gesteigert werden, so dass widerum auch mehr Methadon an die Krebszelle binden kann.

So verstärken sich das Chemotherapeutikum und Methadon also gegenseitig!

Die Geschichte klingt super und es ist klar, dass Patienten nun möglichst auch von dieser vermeintlichen Super-Therapie profitieren wollen! Allerdings darf  man auch ein paar Details nicht vergessen…

Warum nicht sofort bei allen Krebspatienten Methadon angewendet werden kann

Nun gibt es zwar viele positive Hinweise und Fallberichte und auch über den Mechanismus ist bereits ein guter Kenntnisstand erreicht , allerdings gibt es

  • noch keine validierten gezielten Studien,

die eigentlich zur Zulassung eines Medikamentes für eine ,,neuen“ Indikation gefordert werden. So kann der Einsatz zur Tumorbekämpfung an sich bei Krebspatienten nur im sogenannten ,,Off-Label-Use“ erfolgen, während der Einsatz als Schmerzmittel auch in der Tumortherapie bei besonderen Indikationen, in denen ein schwächeres Schmerzmittel nicht mehr ausreicht, bereits etabliert ist.

Methadon wirkt vor allem auch in Verbindung mit der Chemotherapie positiv auf den Tumor (siehe oben). So kann es den Widerstand der Tumorzelle gegen das Chemotherapeutikum brechen und dafür sorgen, dass das Chemotherapeutikum besser wirken kann… manche Berichterstattungen lassen diesen Zusatz aber unter den Tisch fallen und die

  • Patienten fordern, das Chematherapeutikum durch Methadon zu ersetzen,  , was natürlich nicht geht.

Auch wenn Methadon an sich gut verträglich ist, muß man es doch sehr kontrolliert einsetzten, da es

  • insbesondere bei Überdosierung oder je nach Zusatzerkrankungen der Patienten zu schweren Nebenwirkungen an Herz und Kreislauf kommen kann. 

Deshalb muß man die Indikation (die Voraussetzung für den Einsatz) genau prüfen,

  • da für manche Patienten  – je nach Tumorart und Begleiterkrankungen – Methadon auch nicht geeignet sein kann!      

An dieser Entwicklung wird auch klar, wie  wichtig es nun ist, dass sich Ärzte und Patienten ausreichend informieren bevor sie zu dieser Option greifen und dass es dringend notwendig ist (was im übrigen auch Frau Friesen so sieht) Studien für dieses Medikament voranzutreiben, damit man sicher sagen kann, dass die Therapie einen echten Benefit für den Patienten darstellt und er auch nicht das Gefühl hat, auf eine tolle Option verzichten zu müssen…

Meine Meinung:

Da allerdings Methadon bei Tumorpatienten gegen die Schmerzen schon eingesetzt wird, spricht eigentlich auch nichts dagegen, in ausgewählten Fällen, in denen eine ,,leitliniengerechte “ Therapie nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, unter kontrollierten Bedingungen Methadon von erfahrenen Ärzten für die Indikation zur Tumorbekämpfung zum Einsatz zu bringen…

Wie seht Ihr das? Schreibt mir Eure Meinung gerne in die Kommentare!

Hier könnt Ihr Euch übrigens das Video zu diesem Thema ansehen!

 

Alles Liebe und eine wunderschöne Restwoche,

Eure Nessy

 

 

Verfasst von

Ich bin jemand, der meist positiv und neugierig durchs Leben spaziert. Mich fasziniert das Alltägliche wie auch das Besondere und ich bin dankbar, mich mit den schönen Dingen des Lebens wie mit meiner Familie, Pferden und Hunden, Natur und Medizin beschäftigen zu dürfen. Ich bin eine kleine Fashionista und schreibe und zeichne gerne .. Diese Themen lebe ich auch auf meinem Blog ,,Salutary Style" aus... Hello, I´m a girl with lot´s of interests: Not only fashion, beauty and lifestyle but also family, animals, medicine , writing, reading and riding.

11 Kommentare zu „Medizin: Methadon – Neues Wundermittel gegen Krebs?

  1. Ich kenne jemanden der mir erzählt hat, das diese Methode eine Bekannt von ihr „geheilt“ hat. Ich würde nach dem Motto urteilen der Erfolg ist entscheidend.
    LG Petra

    1. Liebe Petra! Genauso ist es! Was mich ärgert ist, dass Frau Friesen jetzt sehr viel Kritik einstecken muß, was in meinen Augen überhaupt nicht gerechtfertigt ist… Und das Problem ist einfach, dass dieses Medikament so billig ist, dass niemand Studien finanzieren möchte! Ist das nicht obskur? In meinen Augen ist der Mechanismus eigentlich schon ziemlich klar… Alles Liebe, Nessy

  2. Liebe Nessy, ja wir haben uns in der Praxis damit auch schon auseinandergesetzt. Ich wünsche mir ganz fest für viele Erkrankte, dass es funktioniert. Ärzte dürfen das Medikament als Schmerzmittel verordnen.
    Ich glaube auch an die Beobachtungen von Fr. Friesen, habe auch viele Gegendarstellungen gelesen, die hauptsächlich aus Richtung der Hersteller/Anwender der teuren Krebsttherapien kommen. Methadon gibts schon so lange und es ist nicht teuer genug, um Geld für Studien zu investieren. Das ist traurig. Ich hoffe immer noch es findet sich ein Millionär, der aus persönlichem Interesse/Betroffenheit finanziert.
    Einen schönen Sonntag Abend, liebe Grüße Tina

    1. Liebe Tina, Danke für Deinen guten Kommentar. Die Sache wird wie es aussieht, auf den Weg gebracht, zumindest wird derzeit mit Feuereifer an einer Lösung gearbeitet und meine Veröffentlichung ist (hoffentlich) ein kleiner, bescheidener Beitrag… Frau Friesen wurde, wie Du vielleicht weißt, nicht sehr freundlich behandelt, um die ,,Sache“ zu stoppen! Aber Du hast die Problematik erkannt!Alles Liebe, Nessy

  3. Liebe Nessy,
    danke für deinen guten Beitrag zu diesem Thema. Aus aktuellem, traurigen Anlaß habe ich mich bereits mit Methadon beschäftigt. Meine Mutter, der ich noch am Muttertag einen Beitrag auf meinem Blog gewidmet habe, hat kurz vor ihrem 80. Geburtstag eine schlimme Krebsdiagnose bekommen. Leider kann bei ihr nicht einmal eine Chemotherapie angewandt werden, weshalb Methadon für sie keine Hilfe sein wird.

    Ich hoffe von ganzen Herzen, dass mit Methadon endlich ein Mittel gefunden wurde, welches helfen kann, den Krebs zu besiegen.

    Herzliche Grüße
    Birgit
    fortyfiftyhappy.de

    1. Liebe Birgit! Das tut mir sehr leid für Deine Mutter und Dich… Ich hoffe, dass Ihr gute Ärzte habt, die Deiner Mutter helfen, in der Zeit, die euch zusammen bleibt, eine möglichst gute Lebensqualität zu bewahren. Sehe die Tage zusammen als Geschenk, so habt Ihr noch Zeit, Euch zu verabschieden …
      Von Herzen alles Liebe, Nessy

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