Medizin – Neues aus der Forschung: Zuwenig Salz genauso schädlich wie zuviel!

Hallo meine Lieben!

Heute bin ich,  im Rahmen meiner allsonntäglichen,  auch medizinischen ,,Pflichtlektüren“  über ein Thema gestoßen, was  ich Euch nicht vorenthalten möchte…

Es geht um die neuesten, für manche doch etwas überraschenden Ergebnisse über die Schädlichkeit bzw. Nicht-Schädlichkeit von Kochsalz! Aber Achtung: Sooo überraschend finde ich die Ergebnisse nun nicht, sagt sie doch nix anderes aus, als das, was uns der gesunde Menschenverstand schon seit Anbeginn unseres Daseins riet:

,,Alles in Maßen“

– Das gilt natürlich insbesondere auch für den Kochsalzkonsum! Aber lest die doch nicht ganz uninteressanten Details, die ich Euch in Kürze zusammengefasst habe…

Fakten und Studienergebnisse

In der neueste Meta-Studie über den Genuß von Kochsalz, veröffentlicht unlängst in einem der renomiertesten Medizinjournale überhaupt, ,,The Lancet“, in der Studien an insgesamt 135000 Menschen aus 49 Ländern  (!) berücksichtigt wurden, fanden  Forscher der McMaster University in Hamilton, Kanada, heraus, dass

  • Bei Menschen mit normalem Blutdruck das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall nicht mit hohem Salzkonsum steigt
  •  sondern wenn sie zu wenig Salz pro Tag zu sich nehmen.
  • Weniger als 3 g Salz pro Tag schädlich für alle Menschen ist. Egal, ob sie bereits hohen Blutdruck haben oder nicht!
  •  bei Hochdruckpatienten  die Ereignisrate (d.h.  das Auftreten von Herzinfarkt oder Schlaganfall) bei einer Natriumaufnahme, die über 4 bis 5 g pro Tag liegt, ansteigt, nicht jedoch bei Menschen mit normalem Blutdruck.

(Mente A et al.: Associations of urinary sodium excretion with cardiovascular events in individuals with and without hypertension: a pooled analysis of data from four studies.
Lancet 2016. 388:465 ff., )

Waren die Ergebnisse völlig überraschend?

Nein, bereits in der Vergangenheit gab es immer wieder Einwände des damals geltenden Dogmas der Schädlichkeit des Salzkonsumes, da Natrium eines der wichtigsten Elektrolyte bei den Vorgängen an der Zellmembran darstellt. Bereits 2011 zeigte eine relativ kleine Studie mit nur etwa 3.700 Teilnehmern, dass bei niedrigem Salzkonsum eine erhöhte kardiovaskuläre Mortalität besteht (Stolarz-Skrzypek, K. et al. (2011): Fatal and nonfatal outcomes, incidence of hypertension, and blood pressure changes in relation to urinary sodium excretion. JAMA. 2011 May 4;305(17):1777-85.) !

Kritik an den Studien-Ergebnissen

Natürlich riefen derart spektakuläre Ergebnisse Kritiker an den Start. 

So wurde bei den Studien die Ermittlung der täglichen Kochsalz-Aufnahme durch Schätzung anhand einer Messung des Natrium-Gehaltes im Morgen-Urin hinerfragt. Genauer wäre die Messung der Natrium-Menge im 24-Stunden-Urin gewesen. Für die US-amerikanische Herzgesellschaft gilt daher der in der aktuellen Studie ermittelte Zusammenhang keineswegs als gesichert. Sie plädiert weiterhin für einen möglichst niedrigen Salzkonsum.

Die Autoren der Metaanalyse ihrerseits  verteidigten sich vehement: Den Kochsalzkonsum über die Natrium-Menge im Morgenurin zu schätzen sei eine von vielen Fachzeitschriften und von der WHO schon lange akzeptierte, etablierte Methode…

 

Der tatsächliche Salzkonsum

Wollen wir uns hier nicht streiten, sondern Fakten sprechen lassen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft beim Robert Koch-Institut (RKI) hat eine Studie in Auftrag gegeben, die sich mit unserer tatsächlichen täglichen Salzaufnahme beschäftigt. Und die überschritt die oben genannten Werte  erheblich! So liegt sie bei Frauen durchschnittlich bei 8,4 Gramm/Tag und bei Männern bei 10 Gramm. Sogar, wenn man die obige Studie recht großzügig auslegen würde, übersteigt diese Menge die Empfehlungen für die durchschnittliche Salzaufnahme in der Bevölkerung von 5 bzw. 6 Gramm (ca. 1 gestrichener Teelöffel) pro Tag bei weitem!

Also müssen wir doch ,,salzarm“ leben?

Jein. Eigentlich kommt der Großteil der täglich konsumierten Salzmenge ja  gar nicht aus dem Salzstreuer, sondern aus Fertigprodukten der Lebensmittelindustrie – besonders aus Konserven, aber auch aus Brot und Gebäck (27-28%), Fleisch und Wurstwaren (15-21%), Milchprodukte und Käse (10-11%) .(Quellen: WHO, Verbraucherzentrale, DGE, Österreicherischer Ernährungsbericht 2012)

Was sollen wir also tun?

Die Fakten weisen uns einmal mehr den einfachen Weg. Eigentlich wissen wir es schon lange und ich komme mir komisch vor, hier diese Binsenweisheiten am Ende dieser ,,neuesten Erkenntnisse“ zu verbreiten. Seit spätestens Ende der 80 er pfeifen die Spatzen von den Dächern, wie eine gesunde Ernährung auszusehen hat:

Möglichst frisch, hochwertig, mit möglichst kurzen Transportwegen und saisonal angepasst  sollten unsere Lebensmittel sein… Wenig hochwertiges Fleisch, frisch zubereitet, frischer Fisch und möglichst wenig  der einfachen Kohlehydrate – wobei man dabei differenzieren muß – aber das ist wieder eine andere Geschichte, von der ich euch ein andermal berichte…

Für heute schließe ich mit den Worten:

Lassen wir uns das Salz nicht vom Tisch klauen – Nachwürzen ist allemal besser als schon stark gesalzene Speisen zu uns zu nehmen!

Euch eine wunderschöne Woche und alles Liebe, Eure Nessy!

Verfasst von

Ich bin jemand, der meist positiv und neugierig durchs Leben spaziert. Mich fasziniert das Alltägliche wie auch das Besondere und ich bin dankbar, mich mit den schönen Dingen des Lebens wie mit meiner Familie, Pferden und Hunden, Natur und Medizin beschäftigen zu dürfen. Ich bin eine kleine Fashionista und schreibe und zeichne gerne .. Diese Themen lebe ich auch auf meinem Blog ,,Salutary Style" aus... Hello, I´m a girl with lot´s of interests: Not only fashion, beauty and lifestyle but also family, animals, medicine , writing, reading and riding.

13 Kommentare zu „Medizin – Neues aus der Forschung: Zuwenig Salz genauso schädlich wie zuviel!

  1. Ich liebe meine Ausflüge zu Deinen Medizibeiträgen liebe Dr. Nessy 🙂 Du hast wirklich alles untergebracht was es dazu zu wissen gibt. Ich habe mal 8 g (das war irgendwann auch mal die empfohlene Salzaufnahme für Männer) auf eine Küchenwaage gestreut, um mir die Menge besser vorstellen zu können. Jetzt sag ich auch mal eine Binsenweisheit, die ich selber an mir festgestellt habe. Wer sich jede Woche mehrmals ausdauernd bewegt und das Auto auch mal stehen lässt, hat mit diesem Thema viel weniger Probleme. Klar, wer Kinder hat, weiß wie kurz 24 Stunden sein können, aber es ist nie zu spät mit Bewegung anzufangen 🙂

  2. Hallo liebe Nessy, wie so oft, die Dosis macht das Gift. Danke für diesen Beitrag, denn die Panikmache um Salz nimmt stellenweise seltsame Ausmasse an. Schön, von dir ein anderes Statement zu bekommen 🙂 Liebe Grüße aus dem herbstlichen Do, Annette 🙂

    1. Danke Dir, liebe Annette! Wenn ich an diese völlig geschmacklose Mansche denke, die die Blutdruck-Patienten eine Weile in der Reha bekommen haben, bin ich froh, dass sie nun endlich wieder halbwegs vernünftig schmeckendes Essen bekommen dürfen. An eine geschmacklose Diät hält sich sowieso niemand! Die Standardantwort war dann immer: ,,Wissense Frau Doktor, das tu ich mir nicht an – an irgendwas werden wir alle sterben…“ Alles Liebe, Nessy

      1. hihi, wahre Worte, das Leben endet in jedem Fall tödlich – bis dahin lasst uns eine ausgewogene Mischung aus Genuss und Gesundheit finden, denn zu viel Vernunft macht auch krank 🙂

    1. Danke Dir für den lieben Kommentar! Meine Antwort kommt etwas spät, da aus irgendeinem Grund deine Kommentare in meinem Spam-Ordner gelandet sind! Natürlich habe ich sie ,,befreit“, das wäre ja zu schade! Alles Liebe und ein tolles Wochenende, Nessy

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s