Warum ist Gentechnik ethisch problematisch? Oder: Mögen wir ,,gezüchtete Menschen?“

Hallo Tina und alle meine lieben Leser/innen!

Der Artikel vom Krebskongress ist bei Euch auf sehr große Resonanz gestoßen! Vielen Dank! Mich hat sehr gefreut, wie Ihr alle clever mitgedacht habt und gute Fragen gestellt habt! Eine Frage möchte ich hier öffentlich beantworten, da sie ganz gut die Problematik dieser Genomgeschichte beschreibt…

Man kann ja heute das Genom aus dem Blut untersuchen lassen.  Nun kam von Tina die Frage, was daran ethisch problematisch ist. Ein Thema, das ich gerne noch einmal aufgreife zu dem mich auch Eure Meinung brennend interessiert!

Nehmen wir einmal an, Lieschen sieht im Internet ein Sonderangebot zur Genom-Untersuchung, die untersucht, wie hoch ihre Risiken sind, an verschiedenen Erb-Krankheiten zu erkranken. Sie denkt: ..Klasse, das mache ich. Dann kann ich mich bei besonderen Risiken darauf einstellen und eine bessere Vorsorge betreiben.“ Das klingt logisch. Sie liest aber nicht das Kleingedruckte, in dem steht, dass die Daten weiterverarbeitet werden dürfen… Warum das Ganze nur 200 anstatt 2000 Euro kostet, macht sie auch nicht stutzig, weil sie ja soetwas noch nie gemacht hat.

Das Ergebnis sieht so aus, dass sie, nachdem sie ein paar Blutröhrchen eingeschickt hat, eine Liste erhält, auf der ihre Risiken an, sagen  wir einmal 200 verschiedenen Erkrankungen zu erkranken,  gelistet sind.

Zum (natürlich fiktiven) Beispiel:  Lieschen hat gegenüber der Normal-Population ein 4 fach erhöhtes Risiko, an üblem Mundgeruch zu erkranken. Nehmen wir an, normalerweise wäre die Wahrscheinlichkeit dafür 1:10, d.h. einer von 10 Menschen (10%) hätte schlechten Atem. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei Lieschen dieses Problem auftritt, wäre nun 40 %.

Würden diese Untersuchungen Gang und Gebe sein, würden Versicherungen oder Arbeitgeber natürlich ein Interesse an diesen Daten haben oder sogar selber diese Untersuchungen durchführen. Der potentielle Arbeitgeber würde denken: Wenn sie aus dem Mund riecht, ist Kundenkontakt oder Arbeit mit anderen Personen in der Nähe problematisch. Lieber stelle ich so jemanden nicht ein, die Wahrscheinlichkeit dafür ist immerhin 40%. Und wer weiß? Vielleicht kann sich das ja noch entwickeln, auch wenn ihr Atem jetzt nicht riecht! Nun hat und bekommt aber Lieschen vielleicht gar keinen Mundgeruch, würde aber trotzdem nicht eingestellt…

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Jetzt denkt sich Lieschen, als sie darüber nachdenkt, schwanger zu werden:,, Blöd, die Sache mit dem Atemgeruch… “ . Deshalb möchte sie ihre Eizelle nicht natürlich, sondern im Reagenzglas befruchten lassen. Dann kann man vor dem Einsetzen testen, ob das Kind auch eine erhöhte Gefahr von Mundgeruch hat. Sie würde sich nur befruchtete Eizellen einsetzen lassen, die zumindest keine erhöhte Veranlagung für unsere  ,,Krankheit“ haben. Vielleicht würde die Wissenschaft auch einen Weg finden, das betreffende Gen so zu verändern, dass dieser unschöne Effekt gar nicht erst auftritt…

Nun hätte man aber herausgefunden, dass durch diesen veränderten Mundgeruch die mathematische Begabung erhöht ist… Plötzlich würden nur noch Kinder mit ,,Ihr-wisst-schon-was“ durch die Gegend laufen…

Ihr seht also, nicht ganz einfach, diese Frage zu beantworten. Natürlich ist das bei ..üblem Atem“ noch ganz lustig. Aber setzt eine ernsthafte Erkrankung ein, die jederzeit zum Ausbruch kommen könnte… Und bei ,, nur“ 200 Erkrankungen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, irgendetwas zu finden. Wir würden immer mehr in Richtung ,,gläserner Mensch“ kommen. Jetzt könnt Ihr einwerfen, dass es hierfür Gesetze gibt, die das untersagen. Recht habt Ihr! Wie gut, dass sich alle an Gesetze halten!

Das prominente Beispiel ist Angelina Jolie, die durch eine Veränderung ihres Genomes im BRCA  Bereich eine stark erhöhte Wahrscheinlichkeit hatte, sowohl an Brustkrebs als auch an Eierstockkrebs zu erkranken. Deshalb hat sie sich, obwohl sie gesund war, beide Brüste vorsorglich entfernen lassen und vor kurzem auch die Eierstöcke.  Dies  war in meinen Augen schon sinnvoll. Aber auch das OP-Risiko ist ja gegeben. Es kann zu Komplikationen kommen, obwohl der Krebs vielleicht nie ausgebrochen wäre.

Und wer bezahlt das alles? Bei Brangelina nicht so das Problem. Bei uns schon! Klingt blöd, aber das Geld wächst eben wirklich nicht auf Bäumen… Aber Hoch-Risiko-Patienten, die bestimmte Kriterien erfüllen, werden heute schon auf Kosten der Krankenkassen auf bestimmte genetische Veränderungen getestet. Zum Beispiel bei Brustkrebs …

Die Tatsache, dass bei einem Tumor einige wenige Tumorzellen im Blut zirkulieren, trifft ja auf schon ausgebrochenen Krebs zu. Nach bereits veränderte Zellen zu fahnden, z.B. bei erhöhten Tumormarkern oder sonstigen Hinweisen finde ich eine gute Idee und darin sehe ich nun auch kein soo großes ethisches Problem… Warten wir ab, was kommt!
Und ich? Wie entscheide ich mich als Ärztin? Ehrlich gesagt, habe ich mein Blut vor kurzer Zeit auf einige Erkrankungen in einem Labor in den USA testen lassen. Glücklicherweise ergab sich kein Befund, der mich in irgendeiner Weise besorgt hätte… Ein gutes Gefühl! Aber was wäre gewesen, WENN? Ich weiß es nicht.

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Alles Liebe, Eure Nessy

 

Veröffentlicht von

Ich bin jemand, der meist positiv und neugierig durchs Leben spaziert. Mich fasziniert das Alltägliche wie auch das Besondere und ich bin dankbar, mich mit den schönen Dingen des Lebens wie mit meiner Familie, Pferden und Hunden, Natur und Medizin beschäftigen zu dürfen. Ich bin eine kleine Fashionista und schreibe und zeichne gerne .. Diese Themen lebe ich auch auf meinem Blog "happinessygirls" aus... Hello, I´m a girl with lot´s of interests: Not only fashion, beauty and lifestyle but also family, animals, medicine , writing, reading and riding.

22 thoughts on “Warum ist Gentechnik ethisch problematisch? Oder: Mögen wir ,,gezüchtete Menschen?“

  1. Hallo Nessy, da bin ich doch gleich zur Stelle 🙂
    Du erklärst das wirklich super. Das ist natürlich eine Katastrophe wenn Arbeitgeber, Versicherungen und Andere an das Ergebnis kommen. Das dürfte niemals passieren. Darf /kann das tatsächlich passieren?
    Wenn ich mir das recht überlege würde ich zwar gerne wissen ob ich an Krebs erkrankt bin um da schnell zu handeln, also auf Tumorsuche zu gehen und behandeln zu können.
    (Die Tumormarkersuche CEA u.a. ist ja leider nicht so sicher.) Andererseits wollte ich nicht wissen ob ich evtl. eine Veranlagung zu einer Erkrankung habe. Ich wäre irgendwie in allem eingeschränkt und in Angst. Ich lasse mir ja schon nicht aus der Hand lesen, weil ich auf keinen Fall so was wissen möchte.
    Und wenn man das noch auf Familienplanung etc. ausdehnt hört sich das natürlich gruslig an.
    Als ich früher in der Gynäkologie gearbeitet habe fand ich es auch schrecklich wenn Eltern
    durch die Fruchtwasserpunktion erfuhren, dass das Baby krank ist und eine Entscheidung treffen mussten. Soweit habe ich gar nicht gedacht.
    Danke dass Du das so super erklärt hast., Nessy.
    Wünsche Dir eine gute Nacht, liebe Grüße Tina

    1. Erfahrungen haben leider gezeigt, dass solche Dinge zwar nicht passieren dürfen, aber Du weißt, was z.B. mit den Steuer CD´s passiert ist? Durch die globale Vernetzung werden wir immer transparenter. Du siehst das in der Kriminalistik, wie detailiert sich ganz leicht alle Informationen über einen Menschen herausfinden lassen. Es braucht nur ein Anruf mit falschen Angaben (ich bin der Arzt von… sie hat mich gebeten…). Das Blöde ist, dass die Ergebnis ja Wahrscheinlichkeiten sind … Mein Tipp: Das schöne Leben, das wir haben, jeden Tag dankbar und bewußt leben und uns über alles Schöne freuen… Dabei den Körper verwöhnen und verhätscheln, mit allem, was ihm gut tut und auch einmal ein kleines bißchen streng mit ihm sein… Vorsorgen gezielt wahrnehmen und Ärzten weder überkritisch noch allzu leichtgläubig zuhören… In Diesem Sinne, alles Liebe für Dich und Sarah, Nessy

      1. Nessy das ist eine tolle Antwort. Ja wer weiß schon was passiert.
        Es ist als Arzt oder für Personal auch nicht immer leicht Daten unter Verschluss zu halten.
        Zur Organspende denke ich wie Du, kann die Ängste aber verstehen. Erinert mich dran , ich hab noch keinen Organspendeausweis. Stammzellenspende bin ich registriert. Finde das wichtig.
        Wünsch Dir einen schönen Tag, liebe Grüße Tina

  2. Haben wir das Recht der Natur so ins Handwerk zu pfuschen?

    Ich finde, es reicht schon, dass wir seit Jahrhunderten versuchen, uns die Natur untertan zu machen und wir sehen immer wieder, dass sie ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt und sich auch übel rächt.
    Ich verstehe auch Angelina Jolie, obwohl ich selbst nicht so handeln würde.
    Ich verstehe, wenn jemand abtreibt, weil das Kind behindert wird.

    Das Problematische ist für mich, wo sind die Grenzen und werden sie eingehalten?
    Kann man sich z.B. darauf verlassen, dass Organe erst entnommen werden, wenn der Mensch wirklich soweit tot ist, dass es vertretbar ist? Oder ist der Handel mit Organen soweit, dass es nur um Geld geht?

    Alles, was mit Manipulation zu tun hat, ergibt für mich einen ganz bitteren Beigeschmack.

    LG Anna-Lena

    1. Liebe Anna-Lena, genau das sind Überlegungen, die jeder für sich treffen muß. Wenn wir beim Thema sind, möchte ich dieses noch ergänzen! Eigentlich könnte ich da gleich nocheinmal einen Artikel schreiben, aber das würde zuviel Wind aufwirbeln…Ehrlich gesagt habe ich eine Patientenverfügung, in der drin steht: ALLES TUN, WAS MÖGLICH IST, UM SO LANGE WIE MÖGLICH ZU LEBEN und MORPHIN nicht mehr als 50 mg täglich, nicht mehr als 10 mg/Stunde geben! Auch andere Schmerzmittel nicht überdosieren, immer 30 min Reanimation versuchen! Ausreichend Flüssigkeit und Ernährung und Vitamine und Mineralstoffe bis zum Schluß verabreichen! Mit diesen geteiligen Patientenverfügungen, die so propagiert werden, spielt man den Krankenhäusern in die Hände. Nur wenige Menschen werden heutzutage zu lange am Leben erhalten, weil das viel zu teuer wäre. Meine Angst geht eindeutig in die andere Richtung! Die Organentnahme wird nach meiner Kenntnis in Deutschland sehr gewissenhaft durchgeführt, sodaß ich hier für eine vorschnelle Enntnahme bei uns eher weniger Befürchtungen habe. Ich gehe sogar soweit zu propagieren, dass jeder Organsprender sein sollte, außer er möchte das nicht. Wenn Du die Verzweiflung von Menschen, die auf ein Organ warten, kennen würdest, würdest Du vielleicht ähnlich denken! Und sie ,,wegzuwerfen“, wenn sie doch dringend gebraucht werden, wäre doch schade… Bei Angelina Jolie wahr die wahscheinlichkeit der Presse zufolge bei 87% an Brustkrebs zu erkranken und 50% an Eierstockskrebs. Ob das so stimmt, weiß ich natürlich nicht, aber hoch auf jeden Fall. Insofern hätte ich es auch getan, gerade weil sie wegen ihrer vielen Kinder eine hohe Verantwortung in sich trägt. Aber das sind natürlich persönliche Entscheidungen… Alles Liebe, Nessy

      1. Liebe Nessy,
        du als Ärztin hast natürlich einen anderen Einblick als ich, die zwar medizinisch sehr interessiert, aber dennoch Laie ist.

        Meine Patientenverfügung soll mein Leben nicht unnötig verlängern, mich nicht an Geräten unnötig am Leben erhalten.
        Als mein Vater damals in einer Situation war, in der sein weiteres Leben möglicherweise im Pflegeheim enden würde, haben wir sämtliche Untersuchungen, die das Krankenhaus noch machen wollte, abgelehnt und nur um die nötigsten Medikamente gebeten, die ihm Schmerzen nehmen.
        Er hatte keine Patientenverfügung, aber wir kannten den behandelnden Arzt und er hat das Seinige getan, damit mein Vater in Ruhe einschlafen könnte.

        Organspende – ja, ich weiß, wie wichtig das Thema ist und es Menschen gibt, die dringend auf Organe warten, aber ich bin auch skeptisch. Zu viel habe ich von Organhandel gehört und gelesen.

        A. Jolie – ja, ich finde, sie hat in ihrer Situation verantwortungsvoll gehandelt, gerade ihren Kindern gegenüber, aber auch um anderen Mut zu machen.

        Zwei Freundinnen von mir – beide Krebs, um die 50: die Eine hat entschieden, nichts machen zu lassen und starb drei Monate später, die andere hat sich auf die Ärzte verlassen (Chemo vor der OP, Amputation, Bestrahlung), ein Horrorszenario von zwei Jahren, das mit Selbstmord geendet hat.
        Sie hat damals behauptet, man habe sie so lange „am Leben gehalten“ im Sinne von falschen Hoffnungen, weil genau die Behandlungen das meiste Geld brächten.

        Ein komplexes Thema, das aber – wie du sagst – jeder für sich persönlich entscheiden muss, wenn er in Würde abtreten will.

        Liebe Grüße
        Anna-Lena

  3. Toll erklärt! Und definitiv ein Thema, über das sich Gedanken zu machen lohnt. Deine Meinung zum „gläsernen Menschen“ teile ich und befürchte, dass die Daten, einmal erhoben, nicht unbedingt dort bleiben, wo sie hingehören.
    Darüber hinaus sollte man sich definitiv fragen, was man mit dem Wissen aus der Untersuchung anfangen würde. Meine Mutter ist an einem Hirntumor gestorben. Wüsste ich nun, dass die Wahrscheinlichkeit eines solchen Tumors bei mir erhöht ist, wäre die Folge nur, dass ich für den Rest meines Lebens Angst hätte, sobald ich Kopfschmerzen bekomme. In Sachen Brustkrebswahrscheinlichkeit würde ich die Sache vermutlich anders sehen, weil da eine gewisse Vorsorge eben möglich ist.
    Ein schwieriges Feld und ich beneide Mitglieder von Ethik-Kommissionen definitiv nicht um ihren Job…
    Liebe Grüße
    Fran

    1. Danke für Deine tolle Antwort! Ich denke, bezüglich Deiner Mutter bist Du wahrscheinlich schon sensibilisiert. Und natürlich machst Du Dir auch jetzt schon Gedanken, auch wenn Du nicht weißt, wie hoch Dein Risiko tatsächlich ist. Ich habe sehr viel Brustkrebs in der Familie. Obwohl mein Risiko statistisch trotzdem nicht erhöht ist, lasse ich mich dennoch untersuchen und passe auf mich auf. Das ist ein gutes Gefühl, auch wenn es keine 100% Sicherheit gibt, aber ich kann mir immer sagen: Ich habe es, so gut es eben ging, gemacht. Wenn dann trotzdem etwas ist, ist es halt so… Aber ich brauche mir keine Vorwürfe zu machen! Letzendlich werden wir alle sterben, fragt sich nur, wann, wo und woran (s ist gut möglich, dass wir das nie erfahren werden)!
      Deshalb bin ich dankbar und glücklich, hier unter so guten Bedingungen leben zu dürfen. Nie war es so gut, zu leben, wie im Moment. Das ist ein großes Privileg!
      In diesem Sinne wünsche ich Dir alles Liebe und eine schöne Osterzeit, Nessy

  4. Dein Artikel ist wirklich sachlich und einfach und obwohl Du Ärztin bist auch objektiv. Dafür erst einmal meinen Dank Nessy! Ich halte Genforschung für wichtig. Was mich und alle anderen Bürger dabei stört ist, dass die Entscheidung über Forschung, Ergebnisse und daraus resultierenden Anwendungen in den Händen von Pharmafirmen und anderen Lobbyisten liegt und die haben nie ein Gesundheitsinteresse, sondern rechnen in Gewinnen. Die Punkte mit Job und Zukunft hast Du ja schon beschrieben. Da zurzeit nicht ein sicheres System der Datensicherheit existiert, kann es für mich nur darum gehen den menschlichen Organismus so zu verstehen, dass es möglich ist sein Imunsystem so zu stärken (wie jetzt bei AIDS), dass der Körper sich selber besser heilen kann. So wie alle Eltern wünsche ich mir die bestmögliche Zukunft für mein Kind, aber nicht um den Preis eines höheren Wesens innherhalb unserer Gesellschaft, denn dieses ließe sich nicht nur nicht wieder zurückdrehen, es wäre außerdem das Ende einer sozialagierenden Gesellschaft allgemein. Zudem wäre es auch wieder eine Frage der monitären Möglichkeiten und Geld spaltet unseren Planeten schon in genug Gruppen, welche sich gegenseitig bekämpfen.

  5. ein riesengroßes und meiner meinung nach sehr schwieriges thema. alle technologien, die menschen helfen können, können ihnen im mindestens ebenso großen maße schaden. wenn man so etwas wissen kann, dann will man es halt auch meistens wissen, ganz klar. manchmal denke ich mir, dass es sich besser und sorgenfreier lebt, wenn man eben nicht zuviel weiß. im falle von risikopatienten ist das selbstverständlich was anderes. aber ob es wirklich gut ist, wenn sich jeder otto normalverbraucher auf alles testen lässt und seine krankheitswahrscheinlichkeiten kennt? ganz ehrlich, ich stelle mir das eher vor wie die hölle. vom rattenschwanz an problemen, der folgt, wenn diese daten vorhanden sind, ganz zu schweigen. danke für deine mühe solche artikel zu schreiben. ich finde das in der heutigen zeit sehr wertvoll, auch die „anderen“ seiten aufzuzeigen, die in zeitungsartikeln üblicherweise irgendwie unter den tisch fallen.

    1. Vielen Dank für Deinen langen, tollen Kommentar. Genau so ist es! Wie gesagt, ich habe mich testen lassen. Aber wie unwichtig das war, als ich gesehen habe, dass alles um den grünen Bereich schwankt, siehst Du daran, dass ich den Zettel nicht einmal aufgehoben habe… Hätte ich vielleicht sollen, um irgendwann einmal irgendetwas beweisen zu können. Aber auf der anderen Seite – wen gehts was an? Mir war das wegen der Kinder wichtig. Hätte ich einen ,,Erbschaden“, hätte sie ihn vielleicht auch – und dann könnte man mit Vorsorgeuntersuchungen vielleicht das Ausbrechen dieser Erkrankungen rechtzeitig erkennen, sodass eine adequat Behandelung möglich wäre… Alles Liebe, Nessy

      1. ja ich verstehe das – und fairerweise muss ich schon sagen, wenn ich da zugang dazu hätte, würde ich es wohl vermutlich auch machen. als arzt ist es auch nochmal was anderes, da kann man ja das ergebnis auch interpretieren. als „normalsterblicher“ ist auch das sicherlich schwieriger.

  6. Heutzutage hat man die Möglichkeiten, gewisse Vorsorgen zu treffen. Dabei kann man aber auch in eine Falle tappen, in der zu sensible Menschen ihre Befunde „zu sehr hochspielen“ und danach ständig in Angst leben, wann denn nun diese oder jene Krankheit ausbrechen könnte. (So wie gesunde Menschen, die „zu gesund“ leben (wollen), indem sie wahllos täglich Vitamin- und Magnesiumtabletten zu sich nehmen, ohne zu wissen, ob ihr Körper das überhaupt braucht!) Solche Entscheidungen sind sicher nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und bedürfen sorgfältiger Aufklärung vor den Tests. Wenn Du erlaubst, werde ich diesen Artikel aus Informationszwecken in nächster Zeit rebloggen.
    Wünsche eine schöne Osterzeit! Reini

    1. Danke für Deinen tollen Kommentar. Fühle Dich frei, ihn rezubloggen, ich fühle mich geehrt! Eigentlich war er ,,nur“ eine Antwort auf einen Kommentar, der so lang geworden ist und mir plötzlich so wichtig schien, dass ich ihn dann einfach veröffentlicht habe… Wenn ich denke, dass er in 10 Minuten geschrieben war und ich für manche Artikel (vor allem die medizinischen Info-Artikel) wirklich mehre Tage am Werkeln bin, anregend, öfters einmal so kleine ,,Denkproben“ einfließen zu lassen… Wünsch´ Dir eine tolle Osterzeit, Nessy

      1. Dieser Artikel wurde mir über den E-Mail Account gesandt und dann veröffentlicht. Der Inhalt wurde von mir nicht verändert und entspricht der Meinung von Rolf. Er schrieb:

        Hallo Nessy

        Habe gerade den Artikel in Deinem Blog über die ethischen Probleme bei der Gentechnik usw. gelesen.
        Mir geht in bezug auf den Umgang mit Wahrscheinlichkeitswerten was durch den Kopf, das PSYCHOLOGISCH von Interesse sein dürfte, gerade für Helfer:
        Die mathematische Wahrscheinlichkeit eines Lottogewinns bei 6 Richtigen ist glaube ich ca. 1: 14 Millionen. Die Glücksspielindustrie sagt dann nicht: Deine Chancen stehen 1: 14 Milli-onen, sondern: mit etwas Glück können Sie am Samstag einen 6er machen! Damit haben sie natürlich Recht, denn die MÖGLICHKEIT zu gewinnen ist 1:1. Man gewinnt oder nicht und deshalb tippen wohl so viele Menschen, weil ihnen der Unterschied von Wahrscheinlichkeit und Möglichkeit nicht richtig klar ist!
        Jetzt der Transfer auf den Umgang mit den medizinischen Wahrscheinlichkeitswerten – vor allem dann, wenn man sie auf ein Individuum anwendet. Auch da gilt: Die mathematische Möglichkeit! des Auftretens ist 50:50, zunächst einmal eine Horrorzahl! – aber eben nicht die Wahrscheinlichkeit! Die ist letztlich eine Zahl, mit der man sich verrückt machen kann – oder auch nicht, je nach dem wie man mit ihr umzugehen in der Lage ist!
        Man kann z.B. jeden Tag neu feststellen: Ich bin bis jetzt nicht krank – Glück gehabt, wenn-gleich es auch anders sein könnte – denn letztlich liegt das nicht in meiner Hand! Man schaut der Möglichkeit des „worst case“ in aller Klarheit ins Auge und hofft, dass sich die Dinge besser fügen. Und die Wahrscheinlichkeit dafür ist ja auch nicht schlecht, siehe die Wahr-scheinlichkeitswerte.
        Die eben umschriebene Haltung finde ich im besten Sinne lebensbejahend, auch weil man sich dabei nichts vorzumachen braucht, es ist sogar wissenschaftlich gestützt! Man wendet dasselbe Denkmodell an wie die Glücksspielindustrie nur umgekehrt und ohne dabei die un-angenehmen Seiten außer Acht zu lassen.
        In größerem Zusammenhang betrachtet: Man „schließt“ mit der wissenschaftlich undurch-dringlichen Komplexität der Lebensbedingungen eines Individuums „innerlich Frieden“ (ein großes Wort gelassen ausgesprochen) und überlässt sich jeden Mal neu dem Abenteuer des kommenden Lebenstages. Das Wort „Abenteuer“ finde ich passend, weil ein Abenteuer auch unglücklich enden kann. Ob z.B. ein Ausritt glücklich ausgeht, weiß man ja letztlich erst, wenn er vorbei ist…
        Das innerlich „Frieden schließen“ ist natürlich schwerer bei einer Herzoperation usw., auch die kann ja negativ enden, aber man hat viel weniger Wahlfreiheit bzw. letztlich u.U. gar kei-ne!
        Zu leben ist grundsätzlich „lebensgefährlich“ und ein nicht gewähltes Abenteuer, denn wir haben uns ja nicht selbst hervorgebracht, sondern sind ins Leben sozusagen „hineingeworfen“ worden.
        Wird z.B. ein Arzt um Hilfe gefragt z.B. bei einer anstehenden Entscheidung, dann geht es darum, gemeinsam mit dem Patienten wirklichkeitsgetreu und besonnen „alle in der Situation liegenden Möglichkeiten“ zu durchdenken (also ausdrücklich auch die positiven), damit er nicht blauäugig mit den Dingen umgeht und sich „Daseinsruhe“ einstellen kann.
        Den Begriff (leider nicht von mir) finde ich sehr brauchbar für eine ganzheitliche ärztliche „Sorge“ um den Patienten. Und diese „Sorge“ kommt ja auch bei Deinem Blog zum Tragen, wenn ich mich nicht täusche.

        In diesem Sinne schöne Ostern und bis bald

        Rolf (über den email-Account gesandt)

        Lieber Rolf! Vielen Dank für Deinen interessanten Kommentar! Eine gut Sichtweise! Noch kurz zur Technik: Einfacher ist es, Du meldest Dich kurz an, dazu brauchst Du keinen eigenen Blog zu haben. Aber auch so freue ich mich natürlich über jeden, der hier so anspruchsvoll wie Du mitdiskutiert! Alles Liebe und auch Dir schöne Ostertage, Nessy

  7. Toller Beitrag! Er informiert und regt zum Nachdenken an. Vielen Dank dafür!

    Dass es in der westlichen Welt eigentlich immer nur ums Geld geht, ist mir persönlich bewusst geworden, als ich so krank wurde, dass ich nicht mehr arbeiten kann, nur noch Geld koste. Für die schubförmige MS wird viel getan, viel geforscht. Das sind ja meist noch junge, berufstätige Menschen. An/Mit ihnen lässt sich Geld verdienen. Für die sekundär progrediente MS wird nicht (mehr) viel getan. Wir gehören zu den Patienten, die für die Pharmafirmen nicht mehr interessant sind.

    Sorry! Jetzt habe ich meinem Frust mal Luft verschafft! :-/

    1. Hallo Katrin, danke für Dein liebes Lob! Ich verstehe, dass Du frustriert bist! Deine Erkrankung ist sicher nicht leicht zu ertragen, gerade auch, weil Du soviel aufgeben mußtest. Leider ist dieses Schicksal ja , wie Du weißt, gar nicht so selten. Manchmal hilft es, wenn man sich mit anderen Betroffenen trifft. Aber das weißt Du natürlich alles schon! Verzeih, wenn ich Dinge schreibe, die Du schon weißt! So ganz verstehe ich aber die Logik nicht. Für die Krankenkassen ist es doch egal, ob die Patienten berufstätig sind oder nicht und die bezahlen doch die Medikamente! Allerdings hast Du bezüglich der Therapieoptionen recht. Es ist ähnlich wie bei M. Parkinson. Sind die Medikamente (fast) ausgereizt, muß man medikamentös immer stärker vorgehen. Diese Medikamente sind oft auch mit stärkeren Nebenwirkungen behaftet,wie z.B. Mitoxantron. Du weißt bestimmt schon, dass bei MS ja am Anfang die Entzündungsprozesse im Vordergrund stehen, später kommt es dann zum Untergang von Nervenfasern und Nervenzellen , es entstehen entzündlichen Knötchen in den Hirnhäuten mit einer ganz offensichtlichen Aktivierung von B-Lymphozyten, was schwerer zu behandeln ist, als die frühen Entzündungsschübe. Es wird aber hier auch geforscht, so habe ich z.B. von dem Medikament Natalizumab in der ASCEND-Studie gehört. Auch hast Du geschrieben, dass es Dir nun unter einem neuen Medikament besser geht. Das ist zunächst ja erfreulich, wenn ich mir auch vorstellen kann, dass Deine Situation trotzdem manchmal oder sogar oft schwer ist. Ich habe im Laufe meines Lebens soviel Leid gesehen, dass ich das gut nachvollziehen kann. Aber ich finde toll, dass Du trotzdem die Kraft findest, einen so guten, interessanten Blog aufzubauen! Er ist ja so, dass wir eben nur dieses Leben haben. Und trotz allem Unmut gibt es vielleicht doch auch wieder schöne Momente, neue Impulse… Ich wünsche Dir viel Kraft, Mut und dass die Freude auch an kleinen Dingen Dir hilft, wenn es gerade nicht so leicht ist. Von Herzen alles Liebe, ich schicke Dir ein Päckchen mit Fröhlichkeit, spürst Du es? Herzliche Grüße, Nessy

      1. Danke sehr für die lieben Worte! Ja, in jedem Unglück liegt auch eine Chance für etwas neues! Ich hätte sonst nicht die Zeit und Kraft zum Bloggen gehabt! Ganz liebe Grüße und frohe Ostern wünsche ich dir! 🐇

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