Gesundheit: Neue Erkenntnisse zur Lactoseintoleranz – mit kleinem Hobby-Doktoren-Quiz…

Hallo Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch ein Thema vorstellen, über das es viele Mißverständnisse gibt – die  Lactoseunverträglichkeit (Lactoseintoleranz)  und was sonst noch damit zusammenhängt… Wußtet Ihr zum Beispiel, dass 75 % der Menschheit betroffen sind?DSCN0747

Ok, Ihr wisst schon alles? Wenn Ihr Lust dazu habt, könnt Ihr dann gerne einmal Doktor spielen und folgende Fragen beantworten, die mit Orginal-Zitaten von Patienten zusammenhängen… Viel Spaß dabei!

Was, Ihr habe keine Ahnung von der Materie? Wollt Euch aber kurz und knackig darüber informieren? keine Sorge, es geht vielen so! Dann lest einfach meinen Artikel, danach wird Euch mein „Quiz“ leichtfallen. Aber was wichtiger ist,  dann habt Ihr (so hoffe ich) auch einen Überblick über die relevanten Fakten…

Also, los gehts mit dem Quiz! (Wer ihn erst nachher oder gar nicht machen möchte, einfach überspringen)!

1.“Neeeein, keine Milch in den Kaffee, ich bin allergisch!“ Was meint Frau A damit wahrscheinlich? 

2. „Immer wenn ich Milch trinke, bekomme ich Blähungen und Bauchweh mit richtigen Krämpfen und mir wird übel…“ Was hat Frau B wahrscheinlich?

3.“O Gott, ich habe „die Pille“ schon 2 Monate genommen, da ist aber Lactose drin. Ich vertrag das aber schlecht, normalerweise. Allerdings hab´ich während der Pilleneinnahme gar nichts gemerkt. Oder vielleicht hab´ich nur nicht drauf geachtet? War das schädlich?“  Soll Frau C die Pille in Bezug auf ihre Lactoseintoleranz weiternehmen oder nicht?

4.“Mein Doktor hat gesagt, ich habe eine Lactoseintoleranz, diese Tabletten dagegen helfen aber überhaupt nicht!“ Was ist nun sinnvoll, Frau D zu fragen?

5.“Bei mir wurde eine Lactoseintoleranz nach mehreren Tests bestätigt und seit ich Diät einhalte, geht es mir viel besser als vorher. Oh Mano, darf ich jetzt keine Sahne mehr essen, wo ich die doch sooo gerne mag?  Nicht mal nur Sonntags ein Löffelchen?“ Was antwortet man Frau E als guter Arzt?

So oder so ähnliche Aussagen und Fragen habe ich mir oft angehört.  Sie zeugen davon, dass viele Leute zwar schon irgendwie informiert sind, aber oft wichtige Teile der Fakten nicht wissen…

Fangen wir also „ganz von vorne“ an…

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Was ist Lactose?

Lactose ist Milchzucker, chemisch gesehen ein Kohlehydrat, ein Zweifach-Zucker (Disaccharid).

Wie wird sie normalerweise verdaut?

Durch das Enzym Lactase, welches Lactose im Dünndarm  in ihre Bestandteile Glucose und Galactose spaltet. Da früher nur Babies Milch (Muttermilch) getrunken haben, ist es normal, dass  im Laufe des Lebens immer weniger ( 5-10% des Ausgangswertes) Lactase gebildet wird. In manchen Teilen der Weltbevölkerung , so auch bei den Eurpäern, die relativ früh in ihrer Entwicklungsgeschichte angefangen haben, auch später im Leben noch Milch und Milchprodukte zu sich zu nehmen, bildet sich meist auch im Erwachsenenalter noch ausreichend viel Lactase. Im Durchschnitt haben 25% der Weltbevölkerung diese sogenannte Lactasepersistenz!  Bei uns in Westeuropa sind nur  5-15% der Bevölkerung von einem Lactasemangel betroffen, in Asien und Afrika mindestens 90%, das erklärt auch die Aversion der Asiaten gegen Milchprodukte!

Gibt es auch einen Lactasemangel, der nicht angeboren ist?

Ja, den gibt es. Durch Darmerkrankungen, die die Dünndarmzellen schädigen. Dies können z.B. Entzündungen, Unverträglichkeiten wie Zöliakie, Operationen, Chemo-oder Strahlentherapie, aber auch Mangel/Fehlernährung oder Alkohlomißbrauch sein, zudem auch Parasiten aus der Gruppe der Giardien. Wenn man die Ursache beheben kann, ist dieser Mangel jedoch meist vorrübergehend.

Was passiert, wenn zu wenig Lactase gebildet wird?

Dann gelangt die Lactose in den Dickdarm, wo sie von Bakterien in Lactat (Milchsäure) und  in das Gas Wasserstoff (H2) zerlegt wird. Manchmal sind spezielle Bakterien vorhanden,die H2 gleich wieder verbrauchen und Methan bilden.

Durch diese im Dickdarm gebildeten Stoffe kann es zu Blähungen, Durchfällen, Krämpfen und Übelkeit kommen. Aber auch  Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und Abgeschlagenheit können von einer gestörten Verdauung ausgelöst werden. Im Extremfall wird die Darmschleimhaut durch dauernde Durchfälle so gereizt, dass sie sich entzündet und  verändert, sodaß die Aufnahme der Nahrung und ihrer Nährstoffe /  Vitamine / Spurenelemente langfristig gestört sein kann.

Ob und wie stark diese Symptome auftreten, ist allerdings individuell unterschiedlich. Bis 1g, manchmal sogar bis 10 g (1 Glas Milch)  Lactose werden bei Intoleranz „noch“ gut vertragen. Bei einem Lactosegehalt von unter 0,1g/100g Lebensmittel gilt dieses übrigens als lactosefrei. Etwa ein Drittel der Menschen weisen trotz Lactasemangel keine der Symptome auf, dann spricht man von Lactosefehlverdauung (Lactosemalabsoption).

Was ist eine „Lactoseallergie“?

Dieser Begriff ist an sich schon nicht richtig.  Viele verwechseln die Lactoseintoleranz mit einer Allergie. Umgangssprachllich ist dann mit der „Lactoseallergie“  die Intoleranz gemeint. Eine echte Allergie besteht nämlich nicht gegen die Lactose (Milchzucker), sondern gegen Eiweißbestandteile der Milch und kommt von einer Überreaktion des Immunsystems. Dabei werden spezifische Antikörper gebildet und Histamin ausgeschüttet, wodurch es dann zu allergischen Symptomen kommt. Neben solchen an Magen- und Darmtrakt kommt es v.a. bei Säuglingen auch zu Hautreaktionen wie Exanthemen oder Neurodermitis, bei Erwachsenen auch zu Symptomen an den Atemwegen (Asthma bronchiale). Bei dem Großteil der betroffenen Kinder verliert sich diese Allergie bis zum Alter von drei Jahren. Bei Erwachsenen bleibt sie meist dauerhaft bestehen. Oft tritt sie bei Menschen auf, die sowieso zu Allergien neigen. Die Diagnose kann unter Umständen schwer sein, da sie z.B. auch mit Soja oder Nußallergien zusammen auftreten kann.

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Wie kann man herausfinden, ob man lactoseintolerant ist oder nicht?

Natürlich kommt man nur auf die Idee einer Unverträglichkeit, wenn auftretende Beschwerden, wie ich sie oben beschrieben habe, einenin diese Richtung gelenkt haben. Das

Einfachste ist, für ein paar Tage alle lactosehaltigen Lebensmittel wegzulassen. Oft findet sich Lactose auch in solchen Nahrungsmitteln, in denen wir sie gar nicht vermuten, wie in Wurstwaren oder Fertiglebensmittel (Inhalt durchlesen). Werden die Beschwerden nach dem Verzicht besser, kann das ein erster Hinweis sein.

Eine weitere Diagnosemöglichkeit beim Arzt ist der Lactosebelastungstest: Trinkt man nach einer Lactoseabstinenz  50g Lactose in 500 ml Wasser und misst sowohl vorher, als auch danach für 2 Stunden alle 30 min den Blutzucker (da ja Lactose, wie wir wissen, in Glucose und Galactose abgebaut wird). wird man normalerweise einen Anstieg von über 20 mg/dl (1,11 mmol/l) Glukose in venösem Blut oder von 25 mg/dl in Kapillarblut messen können. Pathologisch ist ein Anstieg von unter 10 mg/dl in venösem Blut. Falsch negative Ergebnisse sind bei Patienten mit Zuckerkrankheit möglich.

In diesem Zusammenhang kann der Arzt auch gleich den H2 Atemtest durchführen. Dabei wird Wasserstoff (H2), welcher ja im Dickdarm bei Lactoseintoleranz entsteht, in der Ausatemluft gemessen. Wenn allerdings auch Methan gebildet wird, kann dieser Test „falsch negativ“ ausfallen, d.h. eine Lactoseintoleranz wird verschleiert. Deshalb muß man auch Methan messen, was allerdings nicht alle Geräte können.

Die genetische Laktoseintoleranz kann durch die Untersuchung eines Wangenabstriches oder des Blutes nachgewiesen werden. Eine erworbene Lactoseintoleranz wird dadurch nicht angezeigt.

In sehr seltenen Fällen wird auch eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm entnommen (Biopsie) um eine Laktoseintoleranz zu diagnostizieren.

Welche Erkrankungen  müssen differentialdiagnostisch in Betracht gezogen werden?

Viele Ursachen führen zu ähnlichen Darmbeschwerden. Ähnliche Krankheitsbilder entstehen zum Beispiel bei

der Fructoseintoleranz, bei der auch das Transportsystem im Dünndarm geschädigt ist, wodurch sie (wie auch bei Lactoseintoleranz) erst im Dickdarm zu  Wasserstoff, Methan und Kohlendioxid zerlegt wird…

Auch bei der  Glutensensitivität können solche Beschwerden auftreten. Dabei handelt es sich um eine nicht allergisch bedingte Glutenunvertäglichkeit. Gluten ist ein Eiweiß, das in Getreidesorten wie Weizen, Hafer, Gerste, Dinkel (Spelt), Roggen, Kamut und Triticale enthalten ist.

Ebenso können die Symptome auch bei Zöliakie auftreten, dabei handelt es sich um eine allergisch bedingte Glutenunverträglichkeit),

auch bei einem Reizdarmsyndrom (Symptome ohne eindeutige Ursache),

Bakterienfehlbesiedlung,

Pilzbefall des Darmes,

entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa,

Leaky Gut Syndrom gleich welcher Genese und bei

Operationen und Tumoren.

 

Behandlung der Lactoseintoleranz

Hat man eine Lactoseintoleranz sicher diagnostiziert oder hat man zumindest viele Anhaltspunkte für das Vorliegen gesammelt, muß man sich von nun an wesentlich bewußter ernähren. Heilen kann man sie nur, wenn es möglich ist, die Ursachen zu beheben. Wenn sie angeboren oder durch eine Operation bedingt ist, wird dies also leider nicht möglich sein.

Wie sieht nun eine möglichs „lactosefreie“, gesunde  Ernährung aus?

Sie besteht logischerweise aus einer Meidung von Lactose, wann immer es geht: Dabei gilt zum einen, auf versteckte Lactose zu achten zum anderen  eine ausreichende Zufuhr von Eiweiß, Calcium und Vitaminen sicherzustellen. Es besteht auch die Möglichkeit, Lactase in Tablettenform vor den Mahlzeiten einzunehmen.

Ein gewisser Rückgang der Lasctase-Aktivität im Alter ist ganz normal. Es ist physiologischerweise unterschiedlich, wieviel Lactose ein Mensch im Laufe seines Lebens verträgt. Es empfielt sich deshalb generell, wenn man die Möglichkeit hat, Lacose zu reduzieren. So kaufen wir in unserer Familie z.B. meist lactosefreie Milch, am Sonntag wird Sahne zum Kuchen gereicht, die es übrigens auch lactosefrei gibt… Käsesorten, die kaum Lactose enthalten sind Ricotta und Chesterkäse (unter 0,6g pro 100g  Lebensmittel), weniger als 0,1g Lactose sind enthalten in Gouda, Parmesan, Butterkäse, Tilsiter, Brie, Provolone, Emmentaler und vielen anderen. In Tabletten ist so wenig Lactose enthalten, dass sie in der Regel auch ohne Probleme eingenommen werden können! Joghurt gibt es übrigens auch, wie so vieles, lactosefrei… Versteckte Lactose ist z.B. auch in manchen Wurstsorten oder in Fertigprodukten… Tabellen gibt es hierzu viele! Eine Lactoseampel-App habe ich hier gefunden. Ein Laktoseintoleranz-Portal mit umfangreicher Lebensmitteldatenbank findet Ihr bei www.laktonaut.de  (Für die Links übernehme ich wie immer keine Haftung oder Garantien).

Wie Ihr sehen könnt, ist es relativ einfach, mit dieser Veränderung des Körpers zu leben! Ein Schächtelchen Lactase in der Tasche, im Supermarkt auch einmal zu Ersatzprodukten greifen (was oft ja nicht einmal nötig ist) und sich (selten) einmal ein wenig zurückzuhalten, ist eigentlich alles, was man tun muß, um ein „normales“ Leben zu führen. Wer sicher gehen möchte, läßt sein Blut ab und zu auf Mangelerscheinungen überprüfen, um im Falle eines Mangels diesen gezielt beheben zu können… Und wenn man doch einmal „gesündigt“ hat? Geht die Welt in der Regel davon auch nicht unter. Bis auf die einem wahrscheinlich wohlbekannten Symptome wie z.B. das  „Grummeln“ im Bauch, muß man nichts befürchten. Es wird aber bald vorüber gehen und Schaden nimmt man von einmaligen Ausrutschern in der Regel nicht…

So, das war es auch schon wieder! Wenn Ihr Lust habt die Fragen oben jetzt zu beantworten, wird es Euch bestimmt leichtt fallen!

Natürlich ersetzt der Artikel keinen Arztbesuch und ich übernehme auch keine Haftung und Garantien des Inhaltes bzw. der Wirksamkeit oben genannter Therapien!

In diesem Sinne wünsche ich Euch ein wunderschönes Wochenende! Eure Nessy

Veröffentlicht von

Ich bin jemand, der meist positiv und neugierig durchs Leben spaziert. Mich fasziniert das Alltägliche wie auch das Besondere und ich bin dankbar, mich mit den schönen Dingen des Lebens wie mit meiner Familie, Pferden und Hunden, Natur und Medizin beschäftigen zu dürfen. Ich bin eine kleine Fashionista und schreibe und zeichne gerne .. Diese Themen lebe ich auch auf meinem Blog "happinessygirls" aus... Hello, I´m a girl with lot´s of interests: Not only fashion, beauty and lifestyle but also family, animals, medicine , writing, reading and riding.

3 thoughts on “Gesundheit: Neue Erkenntnisse zur Lactoseintoleranz – mit kleinem Hobby-Doktoren-Quiz…

  1. Wieder habe ich einiges Neues gelernt und obwohl ich kaum Allergien habe (lediglich Haut von Nüssen, warum auch immer) bedanke ich mich für die Käseliste 🙂 Ich hatte mal darüber recherchiert für mein erstes Buch, weil der Butterpreis in Deutschland vor Jahren einmal stark angestiegen war, da die Chinesen angeblich die ganze Butter aufkaufen würden. Ein sehr schmissiger Artikel der einiges Licht in die Welt der Mythen und Legenden wirft – Danke Nessy 🙂

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