Was hat das Frauenthema PCO Syndrom mit einem langen Leben (auch für Männer) zu tun? Ursachen, Symptome, Behandlung und neue Erkenntnisse

Hallo Ihr Lieben,

Fotoheute beschreibe ich Euch eine hormonelle Unregelmäßigkeit, die bei relativ vielen Frauen, die in die Praxis kommen, vorhanden ist. Oft  ist sie auch nur wenig ausgeprägt und vorrübergehend, manchmal aber auch schwerwiegender und behandlungsbedürftig. Natürlich kann diese Diagnose nur Euer Arzt stellen und auch die Behandlung gehört in die Hände eines Spezialisten. Ich finde es aber gut, wenn sich die Patienten auch informieren möchten… Deshalb hier in Kürze die wichtigsten Fakten nach aktuellem Kentnisstand (siehe auch FRAUENARZT 8/15 S. 699-702) Zudem hat mich diese Recherche wieder einmal mit der Nase auf etwas gestoßen, was für alle interessant sein dürfte…

Als die  hübsche, etwas füllige Jule zur Tür hereinkam, fiel mir schon bei der Begrüßung ihre etwas unreine Haut und ihr kleiner Damenbart ins Auge…

Jule kam sie gleich zur Sache: “ Also in letzter Zeit geht es mir irgendwie nicht soo gut. ich habe STIMMUNGSSCHWANKUNGEN, die Periode kommt schon seit über einem Jahr gar nicht mehr (AMENORRHOE), davor war sie schon nicht so häufig wie bei anderen (OLIGOMENORRHOE), schwanger bin ich aber auch nicht und meine Haut wird zunehmend unreiner, was ich auch tue. Nicht das ich jetzt irgendwie doch schwanger bin… “

 „Mmmh… Eher unwahrscheinlich!“ schoß es mir durch den Kopf. Die Ultraschalluntersuchung bestätigte meinen Verdacht.  Jule war natürlich nicht schwanger, hatte aber  viele kleine Cystchen   an ihren Eierstöcken. Die Gebärmutterschleimhaut war nur schwach aufgebaut. Klar, dass sie nicht blutete… Nicht nur das, zudem würde ich Jule auch behandeln müssen, nicht nur, wenn sie irgendwann tatsächlich schwanger werden wollte, sondern auch, weil ich zudem die Risiken, die mit meiner Vermutung einhergingen, minimieren wollte.  Neben Endometriumsveränderungen bis hin zum Krebs erhöht sich auch die Gefahr, an Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck und Herz/Gefäßveränderungen zu erkranken.  Bei Jule deutete alles auf die Diagnose „POLCYSTISCHES OVARSYNDROM“ hin,  weshalb ich weitere Untersuchungen durchführte, um diese zu bestätigen und um Differentialdiagnosen (solche, die ähnliche Symptome hervorrufen können) auzuschließen.

Beim kurz PCOS genannten Syndrom handelt es sich um eine hormonelles Ungleichgewicht, bei der die männlichen Hormone die Oberhand gewonnen haben. Dadurch kommt es zu einer Störung der Funktion der Eierstöcke. Welche Symptome folgen können, habe ich oben am Beispiel von Jule aufgezeigt.

MÄNNLICHER BEHAARUNGSTYP = HIRSUTISMUS…

ÜBERGEWICHT, aber auch völlig NORMALGEWICHTIG ist möglich

AKNE

MÄNNLICHER BEHAARUNGSTYP = HIRSUTISMUS

TYPISCHER ULTRASCHALLBEFUND

STIMMUNGSSCHWANKUNGEN

In meinen anderen Frauenthemen – Artikeln habe ich darüber Auch schon ein wenig berichtet. Zum Beispiel in meinem Unreine-Haut Special oder im Bericht über unerfüllten Kinderwunsch. Unten sind diese Artikel verlinkt.

Die Ursachen/Zusammenhänge sind noch nicht vollständig geklärt. Das Zusammenspiel

  • des hormonellen Systems,
  • der beteiligten Organe wie Hypothalamus, Hypophyse, Nebennierenrinde,  Ovarien (Eierstöcke), Fettgewebe und Leber (dort wird z.B. zuwenig des sog. Sexualhormon-bindendes Globulins (SHBG) gebildet, wie man vor kurzem herausgefunden hat),
  • Umwelteinflüsse/Ernährung und
  • erbliche Faktoren

ist so komplex, dass man sich noch nicht ganz klar über die Ursachen/Wirkungs- Zusammenhänge  ist.

Im folgenden Abschnitt habe ich genau den Weg der Diagnosestellung und der möglichen anderen Ursachen beschrieben. Wen das nicht so interessiert, der liest einfach danach weiter. Allerdings werden oft eine Reihe von Werten abgenommen. Wenn Ihr also wissen möchtet, was sie bedeuten, dann lest weiter.

Die Diagnose stellt man aufgrund der sogenannten Rotterdam-Kriterien (2 von 3 müssen erfüllt sein):
  1. Ultraschall- Befund (12 oder mehr Zysten von einer Größe zwischen 2-9 mm Durchmesser müssen in mindestens einem Eierstock nachweisbar sein und/ oder mindestens ein Eierstock sollte größer als 10 ml sein)
  2. Verlängerter Zyklus (Oligomenorrhoe) oder Wegbleiben der Periode (Amenorrhoe), d.h. ein verlängerter Zyklus über 35 Tage bis weniger als eine Menstruationsblutung im letzten halben Jahr
  3. Hyperandrogenämie oder Androgenisierungssymtome wie Akne , Hirsutismus = verstärkte Körperbehaarung, die eher dem männlichen Verteilungsmuster entspricht , Haarausfall und/ oder eine nachgewiesen Erhöhung der männlichen Hormone im Blut (Testosteron, DHEAS, Androstendion)
Was muß man sonst noch in Betracht ziehen (Diffentialdiagnosen, Laborwerte) ?
  • Ausfall der Periode aufgrund anderer Ursachen, z.B. primäre Ovarialinsuffizienz (mangelnde Funktion der Eierstöcke). Dazu muß man die Hormone FSH und LH untersuchen. Ein hypergonadotroper FSH- Spiegel > 20 mIU/ml würde dafür sprechen!
  • Auch eine Hyperprolaktinämie bzw. ein Mikroprolaktinom (Überprüfung des Prolaktinspiegels)
  • eine Hypophyseninsuffizienz  (ggf. auch STH, ACTH… und weitrführende Tests oder eine
  • Schilddrüsenunterfunktion (TSH, fT4) können eine Amenorrhoe auslösen.

Bei einem PCO Syndrom ist die Patientin normogonadotrop ( FSH normal), aber der LH/FSH-Quotient ist > 2.

TESTOSTERON (bis 0,4ng/ml) und DHEAS geben Aufschluß über das Ausmaß der vermuteten Hyperandrogenämie (Übersschuß der männlichen Hormone) und der adrenalen Beteiligung (DHEAS stammt zu 90 % aus der Nebennierenrinde)

Falls DHEAS HOCH, Durchführung eines ACTH-Test zur Abklärung eines heterozygoten adrenalen Enzymdefektes (Nebenniereninsuffizienz).

Zudem Messung des SHBG – Wertes zur Bestimmung des freien, aktiven Testosterons und als Indiz für Insulinrestenz bzw. Diabetes mellitus (dann ist SHBG nieder).

Zumindest aber Messung von Glucose und Insulin (verdächtig ab >10mikroIU/ml, pathologisch ab 23 mikroIU) morgens nüchtern  abgenommen. Daraus Berechnung der HOMA-IR (Homeostasis model assessment , berechnet die Betazellfunktion und die Insulinsensitivität )

Bei (noch)  normalem HOMA-IR (< 2,5):  Durchführung eines oralen Glucosebelastungstest – bei verlängerter, überschießendem Anstieg der Insulinsekretion – Hinweis für Insulinresistenz  (Insulin bewirkt normalerweise, dass Glucose in die Zelle aufgenommen wird).

Bei HOMA-IR > 2,5 deutliche Insulinresistenz

Aus Testosteron und SHBG errechnet sich der freie Androgenitzätsindex (FAI) der auf auf eine verstärkte Verfügbarkeit von freiem Testosteron hinweist. Dies ist bei einem Wert von 3-5%  der Fall (Patientin hat Androgenisierungssymptome).

Abklärung Hyperkortisolismus bei entsprechenden Symptomen (Facies lunata (Modgesicht) ,Stammfettsucht, Bluthochdruck)

Wie behandelt man ein PCO-Syndrom?

Bei normal gewichtigen Patienten kann man zunächst durch Gabe eines kombinierten Ovulationshemmers („PILLE“) das hormonelle Gleichgewicht wieder herstellen. Empfohlen wird ein sogenanntes antiöstrogen wirkendes Gestagen,wie Cyproteronacetat oder Chlormadionacetat, wobei diese allerdings ein erhöhtes Risiko von thrombembolischen Ereignissen wie Herzinfarkt und Schlaganfall haben, vor allem zusammen mit einem Östrogen in Tablettenform. Im vorliegenden Fall geht das nicht, da Jule doch deutlich übergewichtig ist. Mann muß nun mehrere  Ziele erreichen:

  1. Gewichtsreduktion (LOW CARB, Bewegung mit gezieltem körperlichen Training)
  2. Unterdrückung der sogenannten Hypopysären-ovariellen Achse durch ein  Gestagen. Dadurch wird verhindert, dass sich die Gebärmutterschleimhaut womöglich krankhaft aufbaut. Zum Schutz empfiehlt man die einfache Hemmdosis (z.B.10mg Duphaston oder 200mg Progesteron  jew. 12-14 Tage/Monat). Zur Behandlung des PCO-Syndroms wird die doppelte Ovulationshemmdosis empfohlen. Dadurch wird ein absoluter Östrogenmangel ausgelöst, dem wiederum mit einem natürlichen Östrogen entgegengewirkt werden muß (2 Hub Estradiogel oder ein 50ger E2 Pflaster). Dann wird entweder Pause vom 1.-4. Zyklustag  (Blutung) gemacht oder immer 4 Tage Pause, wenn eine Blutung auftritt. Mit der doppelten Ovulationshemmdosis ist auch von einer Empfängnisverhütung auszugehen.
  3.  Metformin als individueller Heilversuch bei deutlich erhöhter Insulinresistenz (HOMA-Wert) Gegebenenfalls wird das PCO verbessert , da die Insulinresistenz bei der Entstehung des PCO´s wie man herausgefunden hat, beigetragen hat. Anfangs nimmt man 250-500mg abends mit oder nach der Mahlzeit, dann Steigerung um 250-500 mg im Abstand von 1-2 Wochen morgens/mittags). Die Maximaldosis liegt gewichtsabhängig bei 1500-2000 mg/Tag. Vor Beginn der Einnahme sollten die Leber und Nierenwerte überprüft werden, keine Nulldiät bei Einnahme durchgeführt werden, da sonst die Gefahr einer sogenannten Lactatazidose (Übersäuerung) besteht. Außerdem sollte bei Metformineinnahme auf einen lediglich moderaten Alkohlkonsum geachtet werden!

So, das waren die wichtigsten Fakten die ich für Euch nach aktuellen Erkenntnissen zusammengestellt habe. Was eben bei der ganzen Geschichte auffällt, und da ergeben sich Parallelen zu meinem Ernährungsartikel ist, dass das PCO-Syndrom mit einer erhöhten Ausschüttung des Hormons Insulin einhergeht. Die erhöhte Insulinkonzentration führt dazu, dass Frauen mit PCOS mehr männliche Hormone in den Eierstöcken bilden und vermehrt LH in der Hirnanhangdrüse ausschütten… und das ganze Übel nimmt seinen Lauf!

Überall stolpert man in der Medizin über den hohen Insulinspiegel. Bei der Fettsucht genauso wie bei Alzheimer. Ich bin ja jemand, der wirklich gerne ab und zu in die Maoam Tüte greift oder sich den geliebten Käsekuchen schmecken läßt. Aber, hey, das scheint für irre viele Erkrankungen der heutigen Zeit verantwortlich zu sein! SCHLUCK! LOW CARB Leute, LOW CARB! heißt das Zauberwort, wenn Ihr in Gesundheit alt werden wollt!

Der Insulinspiegel greift  in verschiedenste komplexe Abläufe des Körpers ein und bringt damit unser ganzes System aus dem Gleichgewicht!

Wichtig ist also nicht in erster Linie, möglichst wenig Kalorien zu essen, sondern wenig Kohlehydrate, im Gegensatz dazu aber genügend Eiweiß. Wenn´s es Euch interessiert, schaut auch zu meinem Ernährungsartikel, da habe ich auch die neuesten Ernährungsformen  zusammengestellt.

Ich wünsche Euch ein wunderschönes, nicht zu zuckerlastiges Wochenende, Nessy

Frauenthema Unreine Haut : Ursachen, optimale Ernährung, Pflege, Hormontherapie

Optimale Ernährung / Detox / Clean Eating / Happy Eating / Ayuveda / Epigenetik – Im Schweinsgalopp durch die Ernährungslehren…

Vitalität und Mode für Junggebliebene – Fit und schick auch mit über 50!

Verfasst von

Ich bin jemand, der meist positiv und neugierig durchs Leben spaziert. Mich fasziniert das Alltägliche wie auch das Besondere und ich bin dankbar, mich mit den schönen Dingen des Lebens wie mit meiner Familie, Pferden und Hunden, Natur und Medizin beschäftigen zu dürfen. Ich bin eine kleine Fashionista und schreibe und zeichne gerne .. Diese Themen lebe ich auch auf meinem Blog ,,Salutary Style" aus... Hello, I´m a girl with lot´s of interests: Not only fashion, beauty and lifestyle but also family, animals, medicine , writing, reading and riding.

8 Kommentare zu „Was hat das Frauenthema PCO Syndrom mit einem langen Leben (auch für Männer) zu tun? Ursachen, Symptome, Behandlung und neue Erkenntnisse

  1. PCO syndrom can be quite difficult. A friend of mine has it…my mother also had it but then she heard this old wife tale that sun bathing can help and it proved to be true. It really helped her.

    1. Hello Ivana,

      thanks for your nice comment.
      Perhaps moderate sun bath could be one day one of the branches of a treatment of PCOS. But at the moment, it´s not mentioned in the official guidelines and there are no valid studies about it yet.
      Sun bathing sometimes helps that the mood is getting better and to dry out the oily skin that is accompanied by PCOS. It helps to build Vitamin D and that is important for many things. It can also be, that sunbathing interacts with the hormonic system because of the inhibition of Melatonin, which is acting antigonadotrop…

      If someone with PCOS takes sunbathese, it´s important to mention that normal sunprotectiotn lotion is often not good for such skin. Therefore it is better to use sunprotection for sensitive skin. The other disadvantage is, that hormonic disorder can promote irregular pattern in the skin. The third thing you have to look after is the danger of getting skin cancer and another faults in the genetic material caused by the sun. Therefore any sunburning have to be avoided!
      You see, that there are many points to consider. But I think, it´s a good idea and very interesting tp think about it.

      Have a wonderful day, Nessy

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