Wunder der Geburt – Fakten und Antworten auf häufige Fragen/ Miracle of birth

Hallo Ihr Lieben,

vor kurzen habe ich Euch über die Möglichkeiten, schwanger zu werden, erzählt. Jetzt habe ich Anfragen zur Geburt an sich bekommen. Heute steht also das persönliche Erleben der Geburt  im Mittelpunkt des Interesses… Also werde ich mich heute mit ihr beschäftigen. Von vielen wird sie als etwas ganz Besonderes, an ein Wunder grenzend, angesehen. Bis jetzt war das kleine Wesen im Bauch – plötzlich kommt es heraus und alles wird anders sein… Als kleines Bonbon habe ich ein paar persönliche Fotos mit eingestellt.

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Wie läuft eine Geburt ab?

Eine normale Geburt beginnt meistens mit dem Einsetzen regelmäßiger Wehen, vielleicht hat die Frau auch den Abgang von vermehrtem Schleim bemerkt. Merkt sie als erstes das Abgehen von Wasser (aus der Scheide) oder gar Blut, soll sie am besten den Krankenwagen rufen und sich schnell in die Klinik fahren lassen, diese  können Anzeichen für ernste Komplikationen sein. Kommen wir zurück zum Normalen.. Nach Ankunft in der Klinik werden als erstes eine Reihe von Untersuchungen durchgeführt, um den Geburtsfortschritt beurteilen zu können (CTG, Ultraschall, Blutentnahme, körperliche Untersuchung…).

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3-D Bild im Mutterleib
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Noch ist das Baby im Bauch – aber die Kugel ist schon ganz schön rund….
Man unterscheidet Eröffnungsphase (das Köpfchen tritt tiefer und der Muttermund öffnet sich bis ca 10cm ) von der Austreibungsphase (dazu später mehr). Das Köpfchen muß dabei durch den querovalen Beckeneingang und den längsovalen Beckenausgang. Dabei muß es 5 Drehbewegungen ausführen und den Kopf vor dem Durchtritt durch den Beckenausgang beugen und nach dem Durchtritt nach hinten strecken (Deflexion). Der Geburtshelfer versucht sich an den Knochen der Mutter und an der sogenannten „Pfeilnaht“ des Kindes (an der die Schädelknochen zusammenkommen) zu orientieren.
1. Eintritt in die Beckenhöhle
Tritt das Köpfchen in den Beckeneingang ein, tastet man die Pfeilnaht quer (1. Drehung), der Rücken ist seitlich.
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Eintritt des Kopfes, Rotation auf Beckenmitte, Pfeilnaht im schrägen Durchmesser
2. Passiert das Köpfchen die Beckenhöhle, kommt es zur 2. Drehung.(Pfeilnaht schräg) Das Köpfchen tritt tiefer, es beugt den Kopf und dreht sich dann („Rotation“), sodaß das Kind zum Rücken der Mutter schaut – 3. Drehung, Pfeilnaht gerade).
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Kopf auf Beckenboden, Pfeinaht gerade, Geburt des Kopfes über den Damm
Austreibungsphase
Bei vollständig eröffnetem Muttermund ist der vorausgehende Teil auf dem Beckenboden und die Pfeilnaht gerade. Es kommt normalerweise spätestens um diesen Zeitpunkt herum zum Blasensprung. Gegebenfalls muß auch etwas nachgeholfen werden. Dies ist aber völlig schmerzlos, man merkt nur, wie das Wasser herausfließt…Die Schwangere wird  jetzt auch bald den Drang verspüren, mit den Wehen mitzupressen. Dabei steigt das Köpfchen nach oben. Beim Durchschneiden  bleibt der Kopf kurz vor dem Austreten durch die Vulva stehen. Man schützt den Damm mit der Hand (Tuch) zum Verhüten von Verletzungen und zu raschem Durchschneiden., ggf. macht man einen Dammschnitt, wenn man Anzeichen sieht, dass der Damm sonst reißen würde. Auch über die Durchführung des Dammschnitts wird häufig diskutiert. Die Beführworter sagen, dass ein Schnitt besser zu versorgen ist und besser heilt, die Gegner sagen, dass viele Dammschnitte vermeidbar wären und auch Dammrisse gut heilen können. Fest steht, dass ein tiefer Dammriß, womöglich bis in den Darmausgangsmuskel hinein, oft schlecht heilt. Ein erfahrener Geburtshelfer wird sehen, ob ein Dammschnitt nötig ist oder nicht.
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Äußere Drehung des Kopfes, Schultern stehen gerade, jetzt können die Schultern geboren werden
3. Austritt aus dem Beckenausgang: Nehmen wir an, die Mutter liegt auf dem Rücken oder sitzt auf dem Gebärhocker, dann nimmt das Kind den vorderen Knochen (die Symphyse) der Mutter als Anstemmpunkt und streckt den Kopf nun nach hinten (Deflexion) – 4. Drehung.
4. Äußere Drehung: Der Kopf befindet sich gerade in dem längsovalen Beckenausgang, die Schultern im querovalen Beckeneingang. Jetzt müssen sich die Schultern um 90 Grad drehen, damit sie im Beckenausgang längs stehen (5. Drehung). Das Kind dreht sich dabei wieder in die ursprüngliche Stellung zurück, zuerst wird die vordere Schulter (vorne) dann die hintere geboren.
 Dazu wird der anfänglich deflektierte Kopf bei der nächsten Wehe in Richtung des Rückens des Kindes gedreht und dann der Kopf gesenkt, um die vordere Schulter bis zur Schultermitte zu gebären. Das Kind gleitet dann vollends heraus und wird auf den Bauch der Mutter gelegt, dabei zugedeckt und nach einer Weile (manche lassen die Nabelschnur auspulsieren) abgenabelt, dabei werden ca 10 cm Nabelschnur stehen gelassen.. Herzlichen Glückwunsch!
Bei der Nachgeburtsperiode kommt es noch einmal zu leichteren Wehen, die dazu führen, dass die Placenta ausgestoßen wird, ggf. wird das mit einem Medikament (Oxytocin) unterstützt. Bei der Lösung darf man nicht an der Nabelschnur ziehen, sonst kann die Nabelschnur reißen! Ist die Placenta vollständig geboren, gibt man nocheinmal ein Medikament zum Zusammenziehen der Gebärmutter (Methergin), dadurch wird ein größerer Blutverlust vermieden. Danach wird eventuell noch der Damm genäht und das Kind untersucht, danach dürfen sich beide ausruhen und/oder Glückwünsche entgegennehmen…
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Was beeinflußt den Ablauf der Geburt? Ist eine Hausgeburt oder Klinikgeburt besser?

Schon die Vorstellung der Geburt ist oft schlichtweg glorifiziert. Das ganze ist nur selten ein Riesen-Orgasmus an dessen Höhepunkt das Durchschneiden den Köpfchen steht. Oft höre ich: wenn man richtig atmet und mitmacht, kann man die Schmerzen gut eindämmen. Zuhause fühlt sich die Frau am wohlsten und sie kann selbst bestimmt ihre Geburt durchführen, begleitet von liebevollen Hebammen, ohne Ärzte, die die Gebärende oft nicht einmal kennt…. Risiken seien gering, da viel ja von der Gebärende selber abhinge… So einfach ist es leider nicht.

Viele Faktoren spielen eine Rolle, wie die Geburt abläuft, und die Vorbereitung und das „Mitmachen“ der Patientin ist leider nur ein Aspekt. Weitere Einflußfaktoren sind die anatomischen Verhältnisse (wie eng“ ist die Mutter?), Größe und Lage des Kindes, Verlauf der Schwangerschaft, genetische Risikofaktoren, Laborparameter, Fortgang der Geburt, wie verkraftet das Kind die Wehen?, vorausgegangene Schwangerschaften und und und… Ihr seht, das sind Dinge, die die werdende Mutter nur zum Teil beeinflussen kann. Sie kann schlichtweg nicht wissen, wie es weitergeht, da das individuell verschieden ist und nicht vorhersehbar. Deshalb muß die Geburtshilfe auch schnell reagieren können. Sinken die Herztöne des Kindes, ohne sich in absehbarer Zeit zu erholen, muß das Kind schnell geboren werden, vielleicht durch Hilfe einer Saugglocke, Zange oder durch einen Kaiserschnitt. Dies kann zum Beispiel passieren, wenn die Nabelschnur um den Hals liegt und sich bei den Wehen immer enger zusammenzieht. Dann sind wir Ärzte froh, wenn die Gebärende in der Klinik ist, damit wir schnell reagieren können.

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Wobei ich auch Hausgeburten nicht verteufele. Sicher gibt es auch hierfür Argumente. Eine erfahrenen Hebamme argumentiert, die Schwangere schnell genug in eine Klinik bringen zu können… diese Diskussion kann und will ich hier nicht lösen. Ich denke, das besprecht Ihr sowohl mit der Hebamme, als auch mit dem/der Frauenarzt/ärztin. Überlegt Euch dann selbst, welches Risiko ihr zu tragen bereit seid. Wenn allerdings Komplikationen vorhersehbar sind, ist eine Geburtsklinik mit angeschlossener Kinderklinik unbedingt zu empfehlen.

Wann muß ein Kaiserschnitt gemacht werden?

Eine meist unvorhersehbare Möglichkeit, nämlich das Abfallen der kindlichen Herztöne, ist oben  schon angesprochen worden. Generell kann man sagen: Ein Kaiserschnitt (sectio caesarea) ist immer dann durchzuführen, wenn ein weiteres Abwarten das Kind mehr gefährden würden als die operative Entbindung.

Es kann aber auch mütterliche Indikationen geben. So ist ein häufiger Fall der, dass die Geburt einfach nicht richtig voranschreitet. Man kann die Wehen medikamentös etwas antreiben oder einige Tricks anwenden, um das Ganze etwas in Schwung zu bringen, aber wenn die Frau schon mehr als einen oder gar zwei Tage in den Wehen liegt und irgendwann auch keine Kraft mehr hat, muß man sich darüber schon Gedanken machen. Wann man in diesem Fall den Kaiserschnitt durchführt, hängt von der Einstellung der Mutter und natürlich von dem Wohlergehen des Kindes wie auch der Mutter ab. Dieser mangelnde Geburtsfortschritt kann auch durch eine geburtsungünstige Lage des Kindes bedingt sein. Es gibt eine Reihe von Lageanomalien und anatomisch besonderen Gegebenheiten auch des Kindes, die die „normale“ spontane Geburt erschweren oder gänzlich unmöglich machen. Da nützt dann oft auch weiteres Warten nichts mehr…

Wie oben schon erwähnt können in der letzten Geburtsphase auch einmal die Zange oder Saugglocke zum Einsatz kommen, um einen Kaiserschnitt eventuell doch noch zu umgehen… Zu mütterlichen Indikationen zählen aber auch manche Erkrankungen der Mutter oder ein vorzeitiger Blasensprung, der bei zu langem Abwarten zu Infektionen führen kann.

Kann ich auch einen Kaiserschnitt bekommen, weil ich keine „natürliche“ Geburt will?

Der sogenannte „Wunschkaiserschnitt“ wird zwar von vielen Hebammen und Ärzten nicht favorisiert, mit der Argumentation des Operationsrisikos und dem vermiedenen Geburtserlebnisses, trotzdem kann man ihn der werdenden Mutter nicht verwehren. Gerade in USA („Cesarian preserves your love channel“) werden und wurden viele Wunschkaiserschnitte durchegeführt. Eine Narbe bleibt mit Sicherheit…

Ich hatte aus medizinischen Gründen einen Kaiserschnitt und eine spontane Entbindung. Was „besser“ war? Beides war anstrengend… Vermisstes Geburtserlebnis bei Kaiserschnitt? – Nein! Weniger Schmerzen beim Kaiserschnitt?  – Kamen zwar hinterher, waren aber nicht so heftig wie bei der Spontangeburt. Das Kosmetische Ergebnis? Narbe am Bauch bleibt, bei Spontangeburt nach sechs Monaten alles wie vorher… Was ich bei erneuter Schwangerschaft machen würde? Ehrlich? Weiß nicht, überlege ich mir, wenn´s soweit ist….

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Alles gut gegegangen!

 Tut die Geburt sehr weh?

 Auch das hängt von vielen Faktoren ab. Als erstes muß ich sagen, dass gerade Ärzte und Hebammen speziell dafür ausgebildet sind, der Schwangeren die Geburt so angenehm wie möglich zu gestalten. Dabei ist zu beachten, dass Schmerzen immer etwas Persönliches sind. Jeder Mensch reagiert und empfindet anders. Dem muß die begleitende Person Rechnung tragen und beurteilen, wie man die Schmerzen am besten beherrschen kann. Die Voraussetzung dafür ist natürlich, dass Schmerzen artikuliert werden, d.h.:“ schwangere Frau melde dich frühzeitig, damit wir dir helfen können!“

Möglichkeiten gibt es viele. Verzicht auf Streß und Hektik, eine gute Atmosphäre schaffen, die Schwangere über das was passiert informieren in einer Weise, damit ihr die  Ängste genommen werden. Natürlich ist es hier günstig, wenn sich die Frau auf die Geburt etwas vorbereitet hat und die groben Abläufe schon kennt und weiß, wie sie sich verhalten kann. Aber in der Aufregung hat man schon mal das eine oder andere vergessen und ist auf Hilfe von außen angewiesen… Auch Massagen und Öle sowie Akupressur können die anfänglichen Wehen erträglicher machen. Natürlich sind bei der ersten Geburt die Schmerzen oft etwas größer. Die Bänder sind noch nicht so gedehnt und eine eventuelle enge Anatomie kann sich doch als zu eng für das Köpfchen, gerade wenn es nicht ganz optimal herankommt, erweisen.  Es stehen den Geburtshelfern im Falle des Fortschreitens der Schmerzen aber eine beträchtliche Reihe medikamentöser Schmerzmittel zur Verfügung, angefangen bei sanften homöopathischen Kügelchen bis hin zu Opiaten. Ggf. kann auch eine  PDA (Periduralanästhesie) eingesetzt werden, mit der ein Großteil der Schmerzen doch deutlich reduzieren werden kann. Sie wird im Sitzen oder in Seitenlage durchgeführt. Den ersten Piks spürt man etwas, danach drückt es ein wenig unangenehm, das ganze ist aber gut auszuhalten. Es wird eine Nadel in den unteren Teil des Wirbelkanals in den Periduralraum eingebracht und dort ein Röhrchen durchgeschoben, damit nun Medikamente eingeracht werden können. Diese kann man nun sehr gut steuern und sie wirken im unteren Teil des Körpers, da wo sie gebraucht werden. Im Falle eines notwendigen Kaiserschnittes kann man einfach die Dosis erhöhen und so relativ rasch beginnen. Wenn die Nadel gut liegt, kann man sich natürlich hinlegen. Nur selten, im Falle eines Notkaiserschnittes oder wenn direkt nach der Geburt schwerere Verletzungen versorgt oder Plazentareste entfernt werden müssen, ist eine Vollnarkose notwendig.

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Einige Monate später – die Strapazen der Geburt sind vergessen.

Also, zusammenfassend zu sagen liegt der Einsatz von Schmerzmitteln auch am Empfinden und am Wunsch der Schwangeren, wieviel Schmerzen sie bereit ist zu ertragen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass manche Frauen kaum Schmerzmittel benötigen, ja sogar Geburten ganz ohne Schmerzmittel (besonders bei Mehrgebährenden) erlebt, andere waren mit einer PDA glücklich und wieder anderen konnte man wirklich nur sehr schwer helfen, weil sie kein Vertrauen hatten… Deshalb ist ein gutes Verhältnis zwischen Geburtshelfern und Gebärenden so wichtig. Sie muß das Gefühl haben , sich fallen lassen zu können… Nur so kann sich ein Geburtserlebnis einstellen, an dass man mit Freude trotz der Strapazen und nicht mit Groll zurückdenkt!

Foto 4 - Kopie (5)
Einige Jahre später…

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Ich bin jemand, der meist positiv und neugierig durchs Leben spaziert. Mich fasziniert das Alltägliche wie auch das Besondere und ich bin dankbar, mich mit den schönen Dingen des Lebens wie mit meiner Familie, Pferden und Hunden, Natur und Medizin beschäftigen zu dürfen. Ich bin eine kleine Fashionista und schreibe und zeichne gerne .. Diese Themen lebe ich auch auf meinem Blog "happinessygirls" aus... Hello, I´m a girl with lot´s of interests: Not only fashion, beauty and lifestyle but also family, animals, medicine , writing, reading and riding.

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