Frauenthema: Hilfe – Pilze!!! Hier gibt´s Antworten auf ungestellte Fragen bei Pilzinfektionen

 

Die Mädels und Frauen (oder „älteren pilze1Mädels“ – wie ist es Euch lieber?) hassen dieses Thema. In jeder Beziehung. Zugegeben, es ist auch einfach nur blöd. Das Jucken ebenso wie darüber zu reden… deshalb hier mal ein paar Infos. Geschrieben… nicht drüber geredet… Denn am liebsten geht man zum Gyn – läßt nachsehen, ob´s das auch ist, dann wird die richtige Salbe, Zäpfchen oder Tablette verschrieben – fertig – schnell raus. Gewartet hat man eh lange genug…

Dabei gibt es darüber doch ein bißchen mehr zu erzählen. Damit die Biester eben nicht dauernd wiederkommen. Sonst könnte man gleich eine Drehtüre einbauen… Das Problem sind bei diesem Thema auch die Philosophen… so nenne ich die, die immer alles besser wissen und die Schulmedizin prinzipiell zuerst einmal anzweifeln. Da haben sich die Frauen dann wochenlang Zwiebeln unten hineingeschoben… Ich möchte das jetzt hier nicht weiter austreten…  Zudem sich auch fast immer eine Studie finden läßt, die dieses oder jenes bestätigt. Und sei die betreffende These auch nur an fünf Schweinen im Weltall getestet worden… (für die Philosophen unter Euch – ja, es gibt Frauen, die so verzweifelt sind, dass ihnen auch Zwiebeln helfen…)

Lassen wir hier einmal solches außer acht und betrachten wir die Plagegeister zum einen schulmedizinisch (wobei die sich ja auch über Jahrtausende aufgebaut hat, und sich viele Thesen als falsch erwiesen haben), zum anderen auch empirisch, d.h. was hat sich in der Praxis bewährt und was nicht? Es ist wie verhext – es gibt Frauen, die leiden ständig drunter…

Fangen wir also an…

– WOHER KOMMEN SCHEIDEN-PILZINFEKTIONEN  (GENITALE CANDIDOSEN) ?

Zu 90% werden sie durch die Pilzart Candida albicans verursacht, seltener durch andere Candida-Arten. Das Gemeine ist, dass diese Pilze an vielen Orten vorkommen. Fast bei jedem Mensch kann man eine Vielzahl von Pilzen und Bakterien nachweisen. Nur funktioniert in der Regel das Abwehrsystem so gut, dass sie sich nicht wesentlich vermehren können und es zu keiner Infektion kommt. Deshalb ist eine Ansteckung weitaus weniger häufig, wie angenommen wird…. Die Frage müßte also lauten

-WAS BEGÜNSTIGT EINE CANDIDA-INFEKTION?

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D.h. wann vermehren sich die Pilze so stark, dass eine INFEKTION mit Juckreiz, vermehrtem, bröckeligem Ausfluß und Rötung auftritt? (Diese Symptome können übrigens auch einzeln auftreten, oder kaum wahrgenommen werden. Bei anderen Frauen schränken sie den Alltag stark ein und es kann sogar ein richtiges Krankheitsgefühl auftreten, vor allem, wenn die Pilze sich auch im Darm ausgebreitet haben.)

* Immunschwäche (z. B. bei anderen Erkrankungen, bei schlechtem Allgemeinzustand, Gewichtsabnahme oder bei Medikamenten, die die Abwehr schwächen, wie Immunsuppressiva und Antibiotika., aber auch bei Stress,..)

Zeiten mit erhöhtem Östrogenspiegel wie allgemein geschlechtsreife Frauen und Östrogen-Einnahme (Kontrazeptiva, klimakterische Hormonersatztherapie), dies kommt dadurch, dass der Candida-Pilz Östrogenrezeptoren im Zytosol hat, mit denen er leichter ans Vaginalepithel anheften kann. Außerdem bildet sich unter Östrogenen vermehrt Glykogen (Zuckerspreicherform beim Mensch), was wiederum unseren Candida-Pilz begünstigt, da auch er Glycogen als Engergiespeicher benutzt.

* Diabetes mellitus: Durch den Mangel an Insulin kommt es zur vermehrten Freisetzung von Glucagon – das freut unseren Pilz natürlich (siehe oben und unten) und er vermehrt sich.

* Ernährung (siehe oben): Wie wir wissen, mag der Candida-Pilz wie wir Zucker, also vermehrt er sich, wenn man solchen zu sich nimmt (Ausnahme Milchzucker, dieser ist gut für die natürlichen Gegenspieler der Pilze, die Lactobazillen). Leider freut  sich der Pilz auch über „einfache „Kohlehydrate. Das sind solche, die den Blutzucker, etwas vereinfacht ausgedrückt, relativ schnell ansteigen lassen, sie sind z.B. in Weißmehlprodukten wie polierter Reis, Nudeln oder Weißbrot. Ungünstig sind aber auch Produkte, in denen im Verhältnis zu den Kohlehydraten zu wenig Ballaststoffe stecken. Abgesehen von ihrer Wirkung auf den Kohlehydrat-Stoffwechsel (Verlangsamung der Aufnahme) können Ballaststoffe  auch die Pilze aus den Nischen im Darm „putzen“.

* Tragen enger Kleidung und synthetischer Unterwäsche (alles, was ein feuchtes, warmes Milieu begünstigt) Deshalb atmungsaktive Wäsche tragen, die man auch Kochen kann und die locker sitzt.

* falsche Wasch- und Hygiene-Gewohnheiten: Das  Waschen mit einer alkalischen Seife zerstört die Schutzschicht der Haut und schwächt damit die Abwehr. Deshalb allenfalls mit einer milden Spezialwaschlotion oder nur mit Wasser (täglich 1x) waschen und auch nicht innen in der Scheide, damit der Schutzfilm erhalten bleibt. Durch einen leichten, ständigen Ausfluß (der bei der geschlechtsreifen Frau übrigens ganz normal ist) reinigt sich die Scheide innen auch permanent selbst. Dann noch eine Kleinigkeit: Bitte nach dem Toilettengang von vorne nach hinten reinigen,.. Ein täglicher Höschenwechsel ist ja eh selbstverständlich und muß eigentlich nicht erwähnt werden…

* akute oder chronische Irritationen:  Sie treten ja nicht nicht nur durch Waschen, sondern auch im „Eifer des Liebesgefechtes“ auf, auch das Kondom kann die oberste (Schleim-) Hautschicht abscheuern und die Pilze können fröhlich aktiv werden… Dies führt dann dazu, dass die Frauen überzeugt sind, sie hätten sich  -„stellen Sie sich vor, trotz Kondom! „- die „Viecher“ vom Partner geholt. Oft hilft schon ein Gleitgel (bitte keine Creme, dann ist die Sicherheit des Gummis nicht mehr gewährleistet).

WIESO WERDEN MANCHE NAHRUNGSMITTEL BEI EINER PILZINFEKTION PLÖTZLICH NICHT MEHR VERTRAGEN?

Wenn sich die Pilze in der Darmschleimhaut breit gemacht haben, wird diese durchlässig für Nahrungsmittelallergene, vor allem, wenn die „Schutzbakterien“ auch nicht mehr funktionieren. Auch die Pilze selbst können das Immunsystem durcheinanderbringen. Manchmal reagiert dann das Immunsystem auch auf Nutzhefen (Hefebrot, Wein, Bier, Brühe, Pasten, Brotaufstriche). Bei entsprechenden Überempfindlichkeiten gilt die Empfehlung, möglichst alle Hefeprodukte für eine Zeit vom Speisezettel zu streichen.

– WIE BEHANDELT MAN DEN SCHEIDENPILZ?

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Der erste Punkt sollte immer sein, überprüfen zu lassen, ob es sich wirklich um einen Scheidenpilz handelt, oder ob eventuell eine andere Ursache hinter den Beschwerden steckt, wie bakterielle Vaginosen d.h. Scheidenentzündungen durch Bakterien, Allergien oder evtl. Mischinfektionen mit mehreren Ursachen…). Dies kann nur der Arzt diagnostizieren.

Er gibt auch die richtige Therapieempfehlung oder kann auch Kulturen anlegen, denn im Schnell-Abstrich findet sich, z.B. bei ganz frischen Infektionen, nicht immer genug Keimmaterial, um eine Erkrankung nachzuweisen.

Meist kann er aber schon beim ersten Besuch die sichere Diagnose stellen und verschreibt bei einer akuten Infektion Zäpfchen, Salben oder Gele (z.B. Clotrimazol, Econazol) oder Kombinationen. Bei ausgeprägten, chronischen Infektionen und/oder gestörter Abwehrlage, kann auch die Tabletteneinahme (orale Gabe) des Pilzmittels (z.B. Fluconazol) erforderlich werden. Dabei gibt es aber doch einige Nebenwirkungen und Interaktionen zu beachten (diese Stoffe können bei bestimmten Voraussetzungen die Leber angreifen oder schädlich auf das Nervensystem wirken, oder mit anderen Medikamenten, die über die sog. Cytochrom 450 metabolisiert werden wie die „Pille“ oder Antibiotika, in Wechselwirkungen treten, außerdem kann es zu hormonalen Veränderungen und  Allergien kommen). Deshalb muß die Einnahme sorgsam abgewogen werden und  das Therapieregime immer wieder kontrolliert werden.

Natürlich wird der Arzt auch die wichtigsten o.g. Punkte (Auslöser) und deren Vermeidung durchgehen und ansetzen, wo vielleicht  noch nicht alle Bedingungen optimal sind. Auch Ihr könnt das ja gerne noch einmal überlegen…

Nicht ganz eindeutig ist die Meinung darüber, ob man durch Stimulation von Lactobazillen (die ja als Gegenspieler der Candida-Pilze fungieren) während und nach der Pilz-Therapie oder auch nach Antibiotikagabe bei für Pilz-Infektionen anfälligen Patienten, einen Nutzen erzielen kann. Das ist etwas, was ich für sinnvoll erachte, wenn man sich den Mechanismus klarmacht. deshalb empfehle ich es. Bei leichteren  Pilz-Infektionen reicht schon die regelmäßige Gabe aus, um die Infektion zu beseitigen. Die Praxis hat gezeigt, dass die Frauen oft recht schnell (innerhalb 1-2 Tagen) beschwerdefrei werden (z.B. Multigyn Flora plus).

Strittig  ist der Punkt der Partner-Mitbehandlung, da er, wie Ihr nun ja wisst, in den meisten Fällen nicht der Auslöser der Infektion ist. Allerdings kann bei einer massiven Infektion die hohe Keimanzahl schon einen Ping-Pong-Effekt bewirken. Spätestens wenn´s den Partner juckt, kann man ja darüber nachdenken… Genauso sollte man, zumindest während der Therapie, bei der die Abwehr ja noch geschwächt ist, die mechanische rhythmische Reizung doch wenn es einigermaßen geht, für einige Tage unterbrechen.

Ebenso strittig ist die Impfung gegen Scheidenpilz. Ein Nutzen konnte nicht bewiesen werden, die Impfung an sich kann mit Impf-Reaktionen einhergehen und sie ist relativ teuer. Ich persönlich bin zwar eher skeptisch, aber wenn die Patientin sie unbedingt möchte (sie muß die Impfung auch selber bezahlen), werde ich sie ihr nach einer gewissenhaften Aufklärung nicht verwehren…

Strittig ist auch die „Anti-Pilz-Diät“ – allerdings hat die Realität gezeigt, dass sich, gerade bei massiven Fällen und „süßen Schleckermäulchen“, sehr wohl eine Besserung zeigt. Wenn man die Zusammenhänge kennt, weiß man auch, warum,… Manchmal treten aber auch zu dem vaginalen Pilzbefall  Bauchbeschwerden auf. Eine mögliche Ursache ist (s.o.) ein massiver Mitbefall des Darmes (wobei differentaldiagnostisch natürlich auch andere Ursachen in Betracht gezogen werden müssen). Wie schon beschrieben, wird man dann eine erweiterte Therapie durchführen (evtl. orale Pilzbehandlung, Diät, Lactulose, Allergen-Bestimmung und -Meidung,…)

Achtung: Das Ansäuern des Vaginal-Sektretes mit Vitamin C oder Acetylsalicylsäure hat bei Pilz-Infektionen keinen Nutzen, sondern allenfalls bei bakteriellen Vaginosen, da bei Pilzinfektionen der pH Wert im allgemeinen nicht verändert ist und sie auch im sauren Millieu gut wachsen.

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– KANN ICH SCHWIMMEN GEHEN WENN ICH ZU PILZINFEKTIONEN NEIGE? DANACH IST ES IMMER BESONDERS SCHLIMM. SOLL ICH IM URLAUB  ETC. ÖFFENTLICHE TOILETTEN MEIDEN?

Diese Fragen werden häufig gestellt und deshalb nochmals ganz kurz: Die Infektion nach dem Schwimmbad /Urlaub (öffentliche Toiletten) kommt in den allermeisten Fällen durch eine Abwehrschwäche (kaltes Wasser, vielleicht nasser Badeanzug, der nicht gewechselt wird), Anderes (vielleicht süßeres, kohlehydratreicheres?) Essen, weniger Schlaf, mehr „Verkehr“… In den seltensten Fällen durch eine mit Pilzen kontaminierte Toilette oder gar Wasser… D.h. um Pilzen im Schwimmbad/Urlaub vorzubeugen wäre es wichtig, sich trocken zu halten und darauf zu achten dass man sich nicht zu sehr abkühlt , die Ernährung optimieren, ausreichend zu schlafen und evtl. ein Präparat mit Lactobazillen zur Vorbeugung einzuführen…

 

So, ich hoffe, ich konnte ein bißchen Klarheit in den „Pilz-Dschungel“ bringen. Wenn Ihr noch Fragen zu diesem Thema habt, könnt Ihr gerne schreiben, ich werden sie dann bald möglichst beantworten. Eine gute Gesundheit und auch sonst alles Gute wünsche ich Euch, danke fürs Lesen, vielleicht bis zum nächsten Mal…

 

Verfasst von

Ich bin jemand, der meist positiv und neugierig durchs Leben spaziert. Mich fasziniert das Alltägliche wie auch das Besondere und ich bin dankbar, mich mit den schönen Dingen des Lebens wie mit meiner Familie, Pferden und Hunden, Natur und Medizin beschäftigen zu dürfen. Ich bin eine kleine Fashionista und schreibe und zeichne gerne .. Diese Themen lebe ich auch auf meinem Blog ,,Salutary Style" aus... Hello, I´m a girl with lot´s of interests: Not only fashion, beauty and lifestyle but also family, animals, medicine , writing, reading and riding.

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